3,2 min readPublished On: 7. Januar 2022By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Wann hast Du Dich das letzte Mal bei Deinen Ohren bedankt?

An welche Tage kannst Du Dich erinnern?

Ein Mensch, der heute in Deutschland geboren wird, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 29.565 Tagen. Die meisten dieser Tage gehen vorbei und hinterlassen keine Spuren in unserem Gedächtnis. Doch es gibt auch Tage, die sich in Gedächtnis einbrennen.

In seinem Buch

Phil Collins: Da kommt noch was – Not dead yet. Die Autobiographie

berichtet Phil Collins von einem Tag, den er nie vergessen wird.

Das ist das Ende, oder?

Ohr, hören

Hilfe, ich bin taub.

Wir schreiben das Jahr 1998. Phil Collins arbeitet gerade gemeinsam mit Disney an einem Song für den Film Tarzan. Es scheint ein normaler Tag zu werden. Phil steht wie schon unzählige Male zuvor in einer Gesangskabine. Er setzt die Kopfhörer auf, um sich den Gesang anzuhören. Der Techniker drückt den Playbutton. Das Geräusch, das nun ertönt ist so laut, dass Phils linkes Ohr aussteigt. Es ist taub. Von jetzt auf gleich.

Dieser Moment brennt sich in Phils Gedächtnis ein. Obwohl er noch am selben Tag 50 % seines Hörvermögens zurückerlangt, wird er mit dem linken Ohr mittlere und tiefe Frequenzen von nun an nicht mehr wahrnehmen. Später wird er herausfinden, dass er den Hörverlust nicht dem Techniker, sondern einer Infektion verdankt. Doch das ändert für Phil nichts am Ergebnis. Dieser Tag verändert das Leben des 47-jährigen Musikers nachhaltig.

Phil Collins hasst Phil Collins

Ich finde diesen Song magisch.

Phil Collins hat mir einige meiner Lieblingssongs geschenkt, die mich so sehr berühren, dass ich manchmal nicht anders kann als laut mitzusingen. Vielleicht berühren mich seine Songs so, weil sie von seinem bewegten Leben berichten. Einem Leben, in dem manchmal private Dinge so schiefliefen, dass Phil Collins heute den früheren Karrieremenschen Phil Collins dafür hasst, dass er Menschen in seinem Umfeld verletzte.

Doch als erfolgreicher Künstler hatte er keine Wahl. Wer erfolgreich sein möchte, muss viel Arbeiten und hat zu wenig Zeit dafür Ordnung in seinem Privatleben zu halten, oder?

Kontrolle dank Behinderung

An dem Tag im Jahre 1998 beginnt ein Prozess, den der Künstler wie folgt zusammenfasst:

„Gehör verloren? Mich selbst gefunden.“ S. 343.

Das Ereignis hilft ihm, einen Schlussstrich unter dem Leben zu ziehen, das er bisher geführt hat. Er versteht, dass Phil Collins nicht der Musiker sein muss, der er war. Er hat mit jedem Tag die Möglichkeit, sein Leben zu gestalten. Er muss nicht mehr auf Tour, er kann sich aussuchen, was er macht. Er kann tun, was er möchte und in diesem und in den folgenden Jahren gönnt er sich unter anderem den Luxus, Musik für Disneyfilme zu produzieren.

Fazit

Ich danke Dir.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber Phils Geschichte macht mich nachdenklich. Zum einen bewundere ich seine Fähigkeit, bewusst einen Schlussstrich zu ziehen, Frieden mit dem Ereignis zu schließen und das Beste aus der Situation zu machen. Auf der anderen Seite schenkt mir seine Geschichte jetzt die Möglichkeit, mich ohne ein nachhaltiges Event bei meinen Ohren und seinen Kollegen zu bedanken: Ich danke

  • meinen Augen dafür, dass sie mir das Lesen von Büchern ermöglichen,
  • meinen Fingern dafür, dass sie mich diesen Blog schreiben lassen,
  • meiner Stimme und meinen Ohren dafür, dass sie mir großartige Gespräche ermöglichen.

Um Dich vor allzu großer Langeweile zu bewahren, werde ich den Rest der Liste nun in meinen Gedanken durchgehen. Denn jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, Dir die neugierige Frage zu stellen, bei welchen Körperteilen Du Dich heute gern bedanken möchtest.