Weißt Du was der Torbogen des Janus ist?

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Wow, ein goldfarbenes Zimmer sieht großartig aus.

Warst Du schon einmal 20.000 Meilen unter dem Meer? Bist Du schon einmal auf einem Floss den Mississippi entlanggereist? Hast Du schon einmal ein ganzes Zimmer inklusive aller darin befindlichen Gegenstände goldfarben angestrichen? Wenn Du Jule Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“, Mark Twains „Tom Sawyer“ oder Ephraim Kishons „Geschichte von der goldfarbenen Lampe“ gelesen hast, wirst Du vielleicht eine der gestellten Fragen mit Ja beantworten wollen.

Komm mit mir ins Wunderland.

Ich beantworte alle drei Fragen mit ja, da es diesen Autoren gelungen ist, mich in ihre Fantasie-Welten zu entführen. Für alle drei Welten habe ich Bilder im Kopf und habe das Gefühl, da gewesen zu sein. Das ist genau der Grund, warum ich alte Bücher liebe. Sie nehmen uns mit auf eine Reise in eine längst vergangene Zeit und geben uns ein Gefühl dafür, wie die Welt und die Menschen in ihr einst waren.

Herz
Ich liebe alte Bücher.

Es gibt allerdings noch einen anderen Grund, warum ich alte Bücher liebe: Sie bergen immer wieder spannende Erkenntnisse in sich, weil sie Worte oder Redewendungen verwenden, die mir noch nie zuvor begegnet sind. Eine dieser Redewendungen ist der „Torbogen des Janus“, dem ich dank

Washington Irving: Diedrich Knickebockers humoristische Geschichte der Stadt New-York

das erste Mal in meinem Leben begegnet bin. Da ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, was es mit dem Torbogen des Janus auf sich hat, freue ich mich darauf, nun gemeinsam mit Dir Licht ins Dunkel zu bringen.

Wilde Bedeutungsspekulation

Muhahahahhhh, ich bin ein Bibel-Bösewicht.

Auch wenn ich keine Ahnung von Religion habe, meine ich mich doch daran zu erinnern, dass Janus eine Figur aus der Bibel sein könnte. Zudem verbinde ich mit dem Namen leicht mulmige Gefühl. Also vermute ich, dass er zu den Bösen gehört. Oh, einen Moment, da fällt mir doch glatt ein, dass es den Begriff janusköpfig gibt. Und wenn ich mich recht entsinne beschreibt janusköpfig einen Kopf, der vorn lächelt und auf dem Hinterkopf ein grimmiges Gesicht zeigt.

Ich bin König und mach was mir gefällt.

Mit diesen ganzen wagen Wissensfetzen lautet die wilde Bedeutungsspekulation: Janus war ein unberechenbarer König, dessen Geschichte in der Bibel festgehalten wurde. Ob diese Geschichte stimmt, wird uns nun mit etwas Glück unser Lexikon verraten.

Was das Lexikon sagt

Noch vor wenigen Momenten hatte ich die Befürchtung, dass uns unser Lexikon mit unserer heutigen Redewendung nicht helfen kann. Doch zu meiner großen Freude habe ich mich geirrt und einen Lexikon-Eintrag gefunden, der uns wirklich weiterbringt:

Janus, 1) altröm. Mythos: (Ianus), altröm. Gott des Torbogens, Schützer des Ein- und Ausgangs sowie Gott des Anfangs; nach der Sage erster König von Latium; dargestellt mit Doppelantlitz (Januskopf). 2) Astronomie: ein Mond des Saturns.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 07, S. 235.
Warum bin ich in die Küche gegangen?

Mit der Bibelspekulation lag ich also offensichtlich voll daneben. Doch zumindest mit dem König war ich ziemlich nah dran. Wusstest Du, dass es einen Gott des Torbogens gibt? Mir ist dies völlig neu. Wenn ich so darüber nachdenke erklärt das vielleicht die Tatsache, dass ich ständig vergesse, was ich in der Küche oder im Arbeitszimmer wollte, sobald ich durch die entsprechende Tür gehe.

Doch zurück zu unserem Torbogen des Janus. Was will unser Autor uns sagen, wenn er schreibt, dass jemand den Torbogen des Janus endlich geschlossen hat? Vielleicht verrät uns das Internet an dieser Stelle, was wir wissen wollen.

Was das Internet sagt

Ab in den Krieg mit Dir.

Wenn wir „Torbogen des Janus“ googeln erhalten wir lediglich vier Treffer. Zu meiner großen Freude beantwortet einer von ihnen (Achtung PDF wird beim Anklicken heruntergeladen und ist nicht ganz klein) unsere heutige Frage: Der Torbogen des Janus, der laut Wikipedia ein Gebäude in Rom ist, wurde zu Beginn eines Krieges geöffnet und am Ende eines Krieges geschlossen.

Wenn unser Autor also schreibt, dass jemand den Torbogen des Janus geschlossen hat, will er damit ausdrücken, dass er keinen Krieg beginnen möchte. Hand aufs Herz: Auch mit richtig viel Fantasie wäre ich bei meiner Spekulation nicht auf so eine geniale Bedeutung gekommen.

Fazit

In meiner Jugend haben wir das ständig gesagt.

Frage mich bitte nicht, wie wir das heute Gelernte in Zukunft für uns nutzen wollen. Wenn selbst Google nur vier Einträge zum „Torbogen des Janus“ listet, kennt wahrscheinlich kaum ein lebender Mensch noch die wahre Bedeutung dieser Redewendung.

Zu meiner großen Freude habe ich heute allerdings gleich zwei weitere Dinge gelernt, die ich sehr spannend finde und auf einer Cocktailparty – die ich hoffentlich niemals besuchen werde – als Gesprächsthema nutzen kann:

  1. Wem verdankt der Monat Januar seinen Namen? Wie wir gelernt haben, ist Janus auch der Gott des Anfangs. Den ersten Monat des Jahres nach ihm zu benennen macht also durchaus Sinn.
  2. Warum hat Janus zwei Gesichter? Mit dem einen schaut er in die Vergangenheit, mit dem anderen in die Zukunft.