Weißt Du, was ein Pluriversum ist?
Weil ich gern Marvel Filme schaue, kenne ich das Multiversum, in welchem die Erde mehr als einmal existiert. Im Multiversum entsteht jedes Mal eine neue Erde, wenn eine Entscheidung getroffen wird. Dadurch werden alle Realitäten, die möglich wären, real. Würden wir in einem Multiversum leben, dann wäre in dem Moment, in dem ich heute beschlossen hätte, keinen Beitrag zu schreiben, eine neue Erde entstanden. Eine verständliche Erklärung des Multiversums bei Marvel ist in diesem YouTube Video zu sehen.
In dem Buch von
Ulrike Brückner, Bianca Herlo: Design als Haltung. Handlungsfelder jenseits des Kommerziellen

geht es nicht um ausgedachte Geschichten, sondern um reales Design. Die Autorinnen beschäftigen sich mit der Frage, wie Design von Menschen, die Dinge designen, als Haltung gelebt werden kann. Dies ist in ihren Augen wichtig, um der aktuellen Plurikrise, die sich unter anderem aus dem Klimawandel und sozialen Ungerechtigkeiten zusammensetzt, begegnen zu können. In ihrem Buch erwähnen sie nicht das mir bekannte Multiversum, sondern ein Pluriversum, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Sie schreiben:
„Wir brauchen dem Pluriversum verpflichtet klimaneutrale, sozial gerechte, gendergerechte und antidiskriminierende Entwürfe – für alle Bereiche unserer Gesellschaften. […] Wir brauchen Menschen, die Entwürfe entwickeln, die sich an ethischen Kriterien orientieren, und auch ihre eigene Praxis nach diesen Kriterien richten.“
S. 10.
Ich bin gespannt, ob unser Lexikon uns verraten kann, was es mit dem Pluriversum unserer Autorinnen auf sich hat.
Was das Lexikon sagt
Nein, kann es nicht. Das Pluriversum ist unserem Lexikon nicht bekannt.
Was das Internet sagt
Die Webseite der Hochschule Bielefeld verrät uns, welche Idee hinter dem Pluriversum steckt:
„Die Idee des Pluriversums steht für eine Abkehr von der Vorstellung einer einzigen, richtigen Art und Weise, die Welt zu verstehen und zu gestalten. Stattdessen wird ein Raum intendiert, in dem verschiedene Perspektiven, Kulturen und Lebensweisen jenseits von Einheitlichkeit und Hegemonie fruchtbar koexistieren können und eine inklusive Vorstellung von Gesellschaft möglich ist.“
Die Webseite Postwachstum ordnet die Idee des Pluriversums historisch ein:
„Ein Pluriversum einer „Welt, in der viele Welten Platz haben“ – ganz im Sinne zapatistischer Weltsichten. Die Zapatistas sind indigene Aktivist*innen aus Chiapas im Süden von Mexiko, die seit den 1980er Jahren selbstorganisierte Gesellschaftsstrukturen aufbauen. Mit ihrem Motto „Fragend voran“ drücken sie ihre herrschaftskritische und feministische Haltung zur Welt aus.“
Am Ende des Beitrages verlinkt die Webseite auf den kostenlosen Download des Buches

Die Gelegenheit habe ich genutzt und geschaut, wie das Buch, das den Begriff in seinem Titel trägt, den Begriff definiert. Die Antwort: Gar nicht. Offenbar muss ich das ganze Buch lesen, um zu verstehen was mit dem Pluriversum gemeint ist. Dafür fehlt mir jetzt in diesem Moment leider die Zeit. Aber wer weiß, vielleicht habe ich ja bald mal die Gelegenheit dazu.
Fazit
Wir haben nun eine bessere Vorstellung davon, was das Pluriversum ist. Ich persönlich mag die Idee sehr. Sie denkt das Thema barrierearm, das mich derzeit in meinem Hauptjob beschäftigt, noch einen Schritt weiter.
Da ich mich beruflich seit einiger Zeit mit dem Thema Inklusion beschäftige wird mir immer bewusster, dass es kein Design für alle gibt. So höre ich zum Beispiel immer wieder Klagen über die neuen S-Bahnen, die Berlin einsetzt. Diese kündigen Türschließungen ganz im Sinne der Barrierearmut
- sehr laut akustisch und
- durch deutliche blinkende Lichtsignale
an. Dies ist gut für Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Sehen oder Hören haben. Für Menschen, die von so vielen gleichzeitigen Signalen überfordert werden, oder Menschen, die sich einfach unterhalten wollen, sind diese deutlichen Ankündigungen sehr störend.
Dieses Beispiel ist eines von vielen, das mir zeigt, wie herausfordernd es ist, Designs zu erschaffen, die Teil einer Welt sind, in der viele Platz haben. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Menschen, die Dinge designen, diese Designherausforderungen in Zukunft lösen werden.
An dieser Stelle bin ich nun neugierig: Wo begegnet Dir Design, das Menschen ausschließt? Wo begegnet Dir Design, das darauf abzielt, möglichst viele Menschen teilhaben zu lassen?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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