Weißt Du, was in situ bedeutet?
Ich bin mir sehr sicher, dass wir es heute mit einem lateinischen Begriff zu tun haben, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Den Menschen, die das Buch

verfasst haben, scheint bewusst zu sein, dass nicht jede Person, die das Buch liest, den Begriff kennt. Ich vermute sie haben ihn in den folgenden Sätzen kursiv gesetzt, damit Menschen beim Lesen daran denken den Begriff nachzuschlagen.
„Für die Erkundung braucht es vor allem ultra-hochempfindliche Kameras, Ausrüstung zur Kartierung mit Sonargeräten und Roboterarme, die Proben für die Forschung sammeln. Die Weiterentwicklung der Technologie verspricht nichtinvasive Tiefseeobservationen in situ und eine schonendere Technik des Einsammelns, das bisher eher rabiat erfolgte.“
S. 124f.
Ich besitze Bücher in denen Kursiv-Setzungen im Text darauf hinweisen, dass es ein Glossar gibt, in dem der Begriff nachgeschlagen werden kann. In unserem Fall ist dem nicht so, daher brauchen wir nun die Hilfe unseres Lexikons.
Was das Lexikon sagt
Doch unser Lexikon hilft uns heute nicht. Weder unter I noch unter s noch im Redewendungsteil des Lexikons konnte ich unseren heutigen Begriff finden.
Was das Internet sagt
Die Webseite des Dudens kennt den Begriff. Er kommt tatsächlich aus dem Lateinischen und hat zwei Bedeutungen
„a. in der natürlichen, richtigen Lage (von Organen, Körperteilen, Geweben o. Ä.) Gebrauch Medizin b. in originaler Lage (von ausgegrabenen Gegenständen, Fundstücken) Gebrauch Archäologie“
Was uns unser Buch sagen möchte
Ich liebe es, wenn es Menschen gelingt das perfekte Wort zu finden. Meine Freude darüber ist im ständigen Widerstreit mit meinem Bedürfnis nach der leichten Verständlichkeit von Texten.
In Situ ist in meinen Augen eine perfekte Wortwahl. Der lateinische Begriff bringt zum Ausdruck, dass der Meeresboden zum einen lebendig ist und zum anderen zahlreiche archäologische Wissensschätze bietet.
Die Weiterentwicklung der Technologien für die Tiefseeobservation ermöglicht es der Menschheit die Tiefsee zu erforschen und gleichzeitig Wege zu finden, die es uns erlauben Rohstoffe aus der Tiefsee auf eine Weise zu heben, die dem Leben dort unten nicht schadet. Wie genau dieses nahezu „unbekannte“ leben in der Tiefsee aussieht, zeigt dieses YouTube Video.
Fazit
Wir wissen nun was in Situ bedeutet. Spannender als unseren heutigen Begriff finde ich den inhaltlichen Kontext, in dem er auftaucht.
Dank dem Buch ist mir bewusst geworden, dass wir in der Tiefsee all die Fehler wiederholen, die wir schon an anderer Stelle begangen haben. Wir sehen die Ressourcen, die wir haben wollen und finden Wege diese abzubauen. Dabei ignorieren wir, dass der Meeresboden die Heimat von Lebensformen ist, die unter Bedingungen überleben, die für den Menschen tödlich sind. In völliger Dunkelheit und unter enormen Druck gedeiht hier eine Artenvielfalt, die zeigt, dass Unmögliches möglich ist. Wann schalten wir gedanklich um? Wann hören wir auf erst einmal unseren Bedarf zu decken und danach zu bereuen, dass Dinge unwiederbringlich verloren sind? Wann wird endlich der Tag kommen an dem wir als freundliche und achtsame Menschheit in die unendlichen Weiten der Meerestiefe und des Weltalls abtauchen? Wir haben das Wissen, ist es nicht höchste Eisenbahn, dass wir es nutzen?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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