Weißt Du, was apodiktisch bedeutet?
Heute geht es um einen Begriff, der mir ganz selten begegnet. Da ich seine Bedeutung nicht kenne, fällt es mir schwer, die folgende Aussage zu verstehen:

„Aber wir leiden auch darunter, manchmal alleine zu sein, dass unsere Gesellschaft das Bild des sorgenden Vaters noch nicht in den Katalog der Selbstverständlichkeiten aufgenommen hat. […] Dies [(das Beklagen über das Alleinsein)] aber auf einer Plattform zu tun, auf der überwiegend Mütter, einige alleinerziehend, berichten, fühlt sich für mich nicht gut an. Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und apodiktisch gelesen werden kann.“ S. 97f.
Der hier Klagende ist Sebastian Schmidt und seine Klage ist Teil eines Briefwechsels, der in dem Buch
veröffentlicht wurde.
Lass uns doch nun einmal mit Hilfe des Lexikons schauen, was es mit unserem heutigen Begriff auf sich hat, damit wir Sebastians Aussage in Gänze verstehen können.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon hält zwei Einträge parat, die uns verraten, was apodiktisch bedeutet.
apodiktisch [grch. »beweiskräftig«], unwiderleglich, notwendig; jeden Widerspruch von vornherein ausschließend. In der Logik Urteile, die log. Notwendigkeit oder unmittelbare Gewissheit ausdrücken. Als Apodiktik wird die Wiss. vom Beweis bezeichnet.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 01, S. 302.

apo|diktisch <Adj.> [spätlat. apodicticus < griech. apodeiktikós = beweiskräftig): 1. (Philos.) unwiderleglich, unumstößlich; unbedingt sicher; unmittelbar evident: -e Beweise, Urteile. 2. (bildungsspr.) keinen Widerspruch duldend: etw. in -er Form, Weise, mit -er Bestimmtheit behaupten; etw. a. erklären.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 168.
Puhh, ich bin gespannt, ob wir uns zusammenreimen können, welche der vielen Bedeutungen Sebastian beim Schreiben seines Satzes im Kopf hatte.
Was unser Autor sagen möchte
Testen wir uns doch im ersten Schritt einmal durch die Bedeutungen durch und schauen, welche im Kontext des Satzes Sinn ergeben und welche nicht:
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und unwiderleglich gelesen werden kann.“ (ja)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und notwendig gelesen werden kann.“ (jein)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und jeden Widerspruch von vornherein ausschließend gelesen werden kann.“ (ja)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und unumstößlich gelesen werden kann.“ (ja)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und unbedingt sicher gelesen werden kann.“ (nein)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und unmittelbar evident gelesen werden kann.“ (ja)
- „Es ist für mich ein Stadium der Natürlichkeit, noch nicht erreicht, vor dem die Beschwerde kontextlos und keinen Widerspruch duldend gelesen werden kann.“ (ja)
Die Mehrheit der Bedeutungen passen sprachlich in den Satz. Mein Bauchgefühl schwankt zwischen Version Nummer 1 und Nummer 6.
Fazit
Wir wissen nun dank unseresLexikons, was der Begriff bedeutet und haben eine Idee, welche Bedeutung der Autor gemeint haben könnte.
Ich stimme Sebastian zu, wenn er sagt, dass Väter, die sich um Kinder kümmern, von unserer Gesellschaft heute noch immer als eine Ausnahme wahrgenommen werden. Das fühlt sich für mich schräg an, weil ich (als Mensch ohne Kinder) viele Menschen kenne, die sich die Carearbeit teilen, oder wo der Vater den größeren Teil der Carearbeit übernimmt.
Von meinem persönlichen Umfeld ausgehend, schließe ich daraus, dass wir uns auf einem Weg befinden, in dem wir das Stadium der Natürlichkeit, das Sebastian anspricht, bald erreichen werden. An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie schätzt Du die aktuelle Lage und die Zukunft ein? Wird es irgendwann normal sein, dass jede Familie für sich aushandelt, wer wann und wie die Carearbeit der Kindererziehung übernimmt?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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„In der abendländischen Kulturgeschichte markiert die Kosmogonie des altgriechischen Dichters Hesiod (8. / 7. Jahrhundert v.u.Z.) einen fundamentalen Wendepunkt beim Versuch, den Ursprung des Seins zu begreifen. In seinem monumentalen Werk, der Theogonie, beschreibt er in Vers 116 APODIKTISCH: „Wahrlich, zuerst entstand das Chaos und später die Erde.“ Damit etabliert Hesiod das Chaos nicht…“ -> das altgriechische Alphabet ist das weltweit bedeutsamste Alphabet – und zwar mit Abstand ->
https://mythologie-antike.blogspot.com/2026/06/chaos-urzustand.html
Die Wrong Answers zu diesem Beitrag findest Du auf
https://x.com/steinbg/status/2073981178776785352?s=20
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