Weißt Du, woher die Redewendung „Bei der Stange halten“ kommt?

Werde ich bei der Stange gehalten?

Die Redewendung „bei der Stange halten“ ist mir so vertraut, dass ich sie regelmäßig verwende, wobei ich vermutlich immer „an der Stange halten“ sage. Ich habe keine Ahnung, welche der beiden Varianten die richtige ist, weil ich mir noch nie über die Herkunft der Formulierung Gedanken gemacht habe. Dank

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wird sich das heute ändern. Denn Hilge schreibt in ihrem Buch, dass es zahlreiche rhetorische Methoden gibt, die sowohl auf der Online- als auch auf der Offline-Bühne funktionieren. Wortwörtlich schreibt Sie:

„Spannungsbogen, Überraschungen, Storytelling mit Anekdoten und Alltagsgeschichten: All das hilft, mein Publikum zu fesseln und bei der Stange zu halten.“

S. 21.

Um sicherzustellen, dass ich weiß, wovon Hilge in ihrem Satz spricht, möchte ich den Satz von Hilge kurz zerlegen, bevor wir uns in die Recherche zu unserer heutigen Redewendung stürzen.

Der Spannungsbogen ist mir noch aus der Schule vertraut. Meine grauen Zellen haben sich gemerkt, dass dieser Elemente in einer gewissen Reihenfolge hat, die dafür sorgen, dass der Leser eines Buches gespannt der Handlung folgt. Da ich mir die einzelnen Elemente einfach nicht merken kann, habe ich kurz die Suchmaschine meines Vertrauens zu Rate gezogen und auf der Webseite tredition.com diese Elemente zum Spannungsbogen entdeckt:

  1. Beginn der Handlung,
  2. ein erregendes Moment, in dem die Handlung turbulenter wird,
  3. Höhepunkt, z. B. eine Auseinandersetzung oder einen Konflikt,
  4. verzögerndes Moment,
  5. Katastrophe beziehungsweise Auflösung des Konfliktes.
Komm, erzähl mir eine Geschichte.

Ich erinnere mich nicht, wo mir das Storytelling mit Anekdoten und Alltagsgeschichten das erste Mal begegnet ist. Beim Storytelling geht es darum, Geschichten zu erzählen. Dies funktioniert sowohl in einem Buch als auch in einer Rede. Beim Storytelling mit Anekdoten und Alltagsgeschichten geht es darum, mit wahren Geschichten die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu fesseln. Kaum einen Zuhörer wird es interessieren, wenn der Redner dem Publikum sagt, dass er eine Weltreise gemacht hat. Wenn der Redner dagegen ein bestimmtes Abenteuer aus seiner Weltreise erzählt, dass idealerweise noch Elemente des Spannungsbogens enthält, schaut es schon ganz anders aus.

Da mir der Begriff Anekdoten zwar vertraut ist, ich aber nicht in der Lage bin, ihn zu definieren, habe ich Duden.de kurz um eine Definition gebeten:

„kurze, meist witzige Geschichte, die eine Persönlichkeit, eine soziale Schicht, eine Epoche u. Ä. treffend charakterisiert“.

Okay, jetzt habe ich das Gefühl, dass ich Hilges Satz verstehe. Damit ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns endlich um unsere Redewendung kümmern können.

Was das Lexikon sagt

Hey, ich habe kein Geweih.

Unser Lexikon verrät uns überraschenderweise nichts über den Ursprung unserer Redewendung. Alles, was der Lexikonteil zum Thema „Stange“ zu sagen hat, ist:

„Stange, Teil des ↑Geweihs.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 14, S. 102.

Obwohl der Eintrag lediglich aus 4 Worten besteht, habe ich dennoch etwas gelernt, was ich noch nicht wusste. Ob das Geweih möglicherweise etwas mit dem Ursprung unserer Redewendung zu tun hat, weiß ich nicht.

Der Wörterbuchteil unseres Lexikons kennt zumindest die Redewendung. Allerdings erfahren wir hier nur etwas über deren Bedeutung, nicht aber über Ihre Herkunft.

Stange, die: […] jmdn. bei der S. halten (bewirken, dass jmd. eine [begonnene] Sache zu Ende führt) […]

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2201.

Der Redewendungsteil unseres Lexikons schweigt zu unserer Redewendung und hält keinen passenden Eintrag bereit. Ich bin sehr gespannt, ob das Internet unsere Frage beantworten kann.

Was das Internet sagt

Da wir uns für die Herkunft des Begriffes interessieren, greife ich zunächst einmal auf den Ngram Viewer von Google zurück. In den von Google gescannten Büchern taucht die Redewendung laut der Grafik 1822 das erste Mal auf. Beim Wechsel auf Google Books lassen sich über die Eingrenzung des Zeitraums auch Bücher bzw. ein „Teutsch Schwedisches Wörterbuch“ aus dem Jahr 1782 entdecken, das diese Redewendung kennt. Leider ist auch hier nichts über die Herkunft zu finden, sondern lediglich eine schwedische Übersetzung der Redewendung.

Das Warum! Magazin schreibt auf seiner Webseite, dass Sprachforscher vermuten, dass die Redewendung einen militärischen Ursprung hat und mit der Stange die Fahnenstange der Truppenfahne gemeint ist. Auch die Webseite Redensart Index vermutet eine militärische Herkunft der Redewendung.

Auch nach verschiedenen Anläufen habe ich keine Quelle gefunden, die eine nicht militärische Herkunft des Begriffes bereithält.

Was uns unsere Autorin sagen möchte

Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Autorin die militärische Herkunft des Begriffes auf dem Schirm hatte, als sie den Satz niederschrieb. Jemanden auf dem Kampffeld in der Nähe der Truppenstange zu fesseln erscheint mir dann doch etwas brutal. Ich vermute eher, dass sie die Redewendung im Sinne unseres Lexikons verwendet und lediglich zum Ausdruck bringen möchte, dass die genannten rhetorischen Mittel dabei helfen, die Aufmerksamkeit der Zuhörer bis zum Ende der Rede aufrecht zu erhalten.

Fazit

Vor unserer Recherche hatte ich die Vermutung, dass die Redewendung „Bei der Stange halten“ ihren Ursprung im bäuerlichen Umfeld hat und damit das Fixieren eines Tieres gemeint ist. Das erklärt dann auch, warum ich immer an der Stange halten sage. Auf eine militärische Herkunft und eine Stange auf dem Feld wäre ich nie gekommen. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, ob es Sprachforschern irgendwann gelingen wird, den Ursprung der Redewendung zweifelsfrei zu belegen.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich für meinen Teil werde die Redewendung in Zukunft bewusster und aufgrund der militärischen Herkunft vermutlich seltener einsetzen.

6. November 2023
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  1. Maria Steinberg 16. September 2023 at 15:21 - Reply

    Ein anonymer Leserkommentar:

    Der Blog schweift doch etwas sehr langamtig vom Thema ab. Die Definition von Spannungsbögen hat hier eigentlich gar nicht zu suchen.
    Für mich war und ist klar, dass „bei der Stange halten“ wohl vor allem einen militärischen Ursprung hat. Man mußte die Männer im Kampf beieinander halten, ob die Stange nun eine Fahne oder ein anderes Symbol war, mit dem die Truppe/Gruppe/Mannschaft ihre Zugehörigkeit ausdrückte, ist dabei eher nebensächlich. Vor 2000 Jahren waren Fahnen weniger verbreitet als Symbole aus Holz oder Metall. Sie mußten aber etwas haben, mit dem man das Symbol (Krieger für Rom, oder Truppe Cäsars) tragen konnte, ob als Reiter auf dem Pferd oder als Anführer zu Fuß. Was für militärische Truppen galtund gilt, stimmte natürlich auch für Stammesgemeinschaften oder Glaubensgemeinschaften. Auch die frühen Christen mußten ihre Gläubigen zusammen und bei der Stange halten. Ihre Stange bestand aus zwei Hölzern, die ein ein Kreuz bildten, das sich gut tragen ließ.
    „Zur Stange halten“, „bei der Stange bleiben“ drückt also den Zusammenhalt einer Gruppe aus, nicht mehr und nicht weniger.

  2. Holger 6. November 2023 at 13:32 - Reply

    Was die Anekdoten betrifft, so gibt es eine Story zur Entstehung der Milchstraße:

    „Einmal stillte Hera Herakles als Baby an ihrer Brust. Hera wusste nicht, dass es sich um Herakles handelt. Iphikles, so dachte sie, würde an ihrer Brust Milch saugen. In Wirklichkeit saugte jedoch Herakles (wie erwähnt, als Baby) an der Brust der Hera. Herakles saugte derart kraftvoll an der Brust der Hera, dass sie ihn vor lauter Schmerzen von ihrer Brust stieß. Nun spritzte die Milch aus der Brust der Hera und – man mag es kaum glauben: Auf diese Weise entstand die Milchstraße!

    Milchstraße: Altgriechisch γαλαξίας galaxías = deutsch -> Galaxis, altgriechisch γάλα gála = deutsch -> Milch. Man unterscheidet zwischen den Begriffen Galaxis und Galaxie. Mit Galaxis ist speziell die Milchstraße gemeint.“ -> https://www.mythologie-antike.com/t9-herakles-auch-bekannt-unter-herkules-hercules

  3. Uli Becher 7. November 2023 at 07:45 - Reply

    „Bei der Stange halten“ und „von der Fahne gehen“ hängen damit zusammen.

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