Weißt Du, was eine Elegie ist?

Heute geht es um einen Begriff, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Die Autorin
verwendet den Begriff im letzten Kapitel ihres Buches, in welchem sie darlegt, warum sowohl implizite Regeln als auch explizite Regeln bis heute ihre Berechtigung haben. Explizite Regeln, die im Detail ausformuliert und niedergeschrieben sind, sind zum Beispiel wichtig, damit Algorithmen funktionieren. Implizite Regeln, also zum Beispiel durch Vorbilder gelebte Regeln, werden dagegen zum Beispiel benötigt, damit sich die Menschheit weiterentwickeln kann und nicht nur das kopiert, was schon existiert. In Lorrains Worten klingt die Erklärung für die Notwendigkeit von impliziten Regeln wie folgt:
„In einem Zeitalter exakten Kopien, ob nun am Fließband hergestellt oder online als virale Bilder verbreitet, bedeutet Nachahmung stets geistlose Nachahmung. Wo es jedoch Traditionen oder auch einfach nur Genres gibt, ob in den Wissenschaften oder den Künsten, ob Elegie oder Stillleben, verlängert eine nicht bloß kopierende Nachahmung die Abstammungslinien, ohne dass sie zu Fossilien erstarren.“
S. 326.
Nachdem wir nun wissen, dass die Elegie ein Beispiel für die Notwendigkeit von impliziten Regeln ist, ist es an der Zeit, unser Lexikon zu bitten, uns zu verraten, was genau eine Elegie ist.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon weiß, was eine Elegie ist, und verrät uns, dass es diese sowohl in der Musik als auch in der Literatur gibt.

Elegie [grch.] die, 1) Literatur: bei den Griechen Gedicht beliebigen Inhalts in Distichen (↑Distichon). Die ältesten erhaltenen E. der grch. Literatur entstanden im 7. Jh. v. Chr. (Archilochos, Solon). In klass. Zeit wurden Klage und Trauer zu dominierenden Inhalten. Die röm. Dichter (Ovid, Catull, Tibull, Properz u.a.) knüpften an die hellenist. Tradition (Kallimachos: gelehrt-höf. E., Philetas von Kos: E. in individuellem Ton) an. In Dtl. wurde die E. zuerst von M. Opitz aufgenommen und später u. a. von Klopstock, L. Hölty, Goethe (»Röm. Elegien«), Schiller, Hölderlin, E. Mörike, Rilke (»Duineser Elegien«) gepflegt. siehe ZEIT Aspekte 2) Musik: Klagelied, Trauergesang; Titel für Lieder, auch für Instrumentalmusikstücke.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 04, S. 118.
Ele|gie, die; -, -n [lat. elegia < griech. elegeía, zu: élegos = Trauergesang mit Flötenbegleitung]: 1. a) Gedicht im Ton wehmütiger Klage; b) (in der Antike) Gedicht in Distichen. 2. (geh.) Wehmut, Schwermut, elegische (2) Stimmung.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 817.
Ich kann mich nicht daran erinnern, je eine Elegie gelesen oder gehört zu haben. Lass uns doch einmal schauen, ob das Internet dies ändern kann.
Was das Internet sagt
Beginnen wir mit den literarischen Elegien. Im ersten Schritt habe ich kurz geschaut, was Distiche sind. Wikipedia hat mir verraten, dass dies Texte sind, die als Zweizeiler verfasst werden. Genau in diesem Stil sind die von unserem Lexikon erwähnten Römische Elegien von Johann Wolfgang Goethe gehalten, die ich auf dem Projekt Gutenberg gefunden habe.
Jetzt, in genau diesem Moment kann ich so gar nichts mit Johanns Elegien anfangen. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass sich die bei einer schönen Tasse Tee an einem kalten Wintertag ganz gut weglesen lassen.
Kommen wir nun zu den Musikalischen Elegien. Diese lassen sich mit Hilfe von YouTube und dem Suchbegriff Elegie sehr leicht finden. Ich habe mit dieses YouTube Video, in welchem Lugansky – Rachmaninoffs Elegie in E♭ minor (Op. 3, No. 1) gespielt wird, herausgesucht, um mal in eine reinzuhören. Das Stück ist ein reines Instrumentalstück und klingt in meinen Ohren, obwohl ich sonst keine Freude an Klassischer Musik habe, ganz nett.
Fazit
Wir wissen nun, dass Elegien sowohl literarische als auch musikalische Werke sein können, die bestimmten Regeln folgen. Diese Regeln sind implizite Regeln, die von den jeweiligen Kunstschaffenden interpretiert werden können, so dass sich diese beiden Kunstformen über die Jahrhunderte immer weiter entwickeln können.
An dieser Stelle bin ich nun neugierig: An welchen Stellen in Deinem Leben bevorzugst Du explizite, also niedergeschriebene Regeln, und wo bist Du ein Fan von impliziten, also vorgelebten Regeln?
Lesedauer & Kategorie
Schnellnavigation
Buchcover zum Beitrag

Werbung
Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
Schlagwörter
Autor

Schnellnavigation
Buchcover zum Beitrag

Schlagwörter
Datum & Autor
Kommentiere den Beitrag
Was passiert nach Deinem Kommentar?
Nachdem Dein Kommentar durch uns geprüft wurde, wird er freigegeben* und erscheint unter diesem Beitrag zusammen mit dem von Dir angegebenen Namen. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient uns an dieser Stelle in erster Linie zum Schutz vor Spam. Wenn Du Deine E-Mail-Adresse nicht hier angeben möchtest, kannst Du den Kommentar auch gern auf einem unserer Social Media Profile posten.
*Spam und Kommentare, die nur einen Backlink für die eigene Seite zum Ziel haben, werden einfach gelöscht. Nimm gern Kontakt mit uns auf und lass uns die Möglichkeiten eines Sponsored Post besprechen, wenn Du gern einen thematisch passenden Backlink unter einem bestimmten Beitrag platzieren möchtest.


