5,9 min readPublished On: 19. Oktober 2021By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Arbeitest Du noch, oder spielst Du schon? Die Zeit des homo ludens ist gekommen.

Spielst Du gern, oder ist Spielen für Dich wie für die meisten Menschen nur eine „Ablenkung oder eine andere Form von Wettstreit außerhalb des Arbeitsplatzes“?

Unser Autor

Ernö Rubik: Cubed. Der Zauberwürfel und die großen Rätsel dieser Welt, S. 30.

Spielen ist Kinderkram.

ist davon überzeugt, dass für die meisten Erwachsenen Spielen nur Ablenkung und Wettstreit ist. Unser Autor kennt sich als Erfinder des Rubic Cubes wirklich gut mit dem Thema „Spielen“ aus und teilt diese Auffassung nicht. Er geht sogar so weit zu behaupten, „Spielen ist eines der ernsthaftesten Dinge auf der Welt“ und dass Menschen, die über den Luxus des Verspieltseins verfügen, eine glückliche Spezies sind.

Warum macht spielen glücklich?

Im realen Leben gibt es in der Regel zwei Optionen:

  1. Du erledigst erfolgreich eine große Herausforderung und genießt die positiven Folgen.
  2. Du scheiterst an einer großen Herausforderung und musst die negativen Folgen des Scheiterns verkraften.

Auch beim Spielen gibt es diese beiden Situationen. Allerdings gibt es einen großen Unterschied: Das Scheitern hat hier keine negativen Folgen im realen Leben.

Ich hab verloren. Lass uns noch einmal spielen.

Beim Spielen kannst Du alles machen, was Du möchtest und brauchst keine Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen. Das Schlimmste, was Dir passieren kann, ist, dass Du ein Spiel verlierst. Doch in diesem Fall kannst Du einfach ein neues Spiel beginnen und hast gleichzeitig die Chance zu lernen, ein guter Verlierer zu sein.

In meiner Wahrnehmung sorgt die Abwesenheit von Angst dafür, dass Spielen glücklich macht.

Spielen und Arbeiten

Lange Zeit dachte ich, dass Spielen und Arbeiten strikt voneinander getrennt werden sollten. In meinen Augen war Arbeiten zu ernst zum Spielen. Also nahm ich die Sache mit dem Arbeiten so ernst, dass ich vor lauter Ernsthaftigkeit begann, verbissen zu kämpfen. Ich wollte mir und der Welt beweisen, dass ich erfolgreich sein konnte und ich war bereit dafür (fast) alle zeitlichen Ressourcen zu opfern, die ich hatte.

In dieser Zeit meines Lebens gab es viele Tage, an denen ich nach der Arbeit völlig erschöpft war. Vor der Arbeit so große Sorgen hatte, dass ich die gesetzten Ziele nicht erreiche, dass ich sogar weinte. Die Angst vor dem Versagen war damals mein innerer Antreiber und dieser brannte mich völlig aus.

Zum Glück passen Arbeiten und Spielen großartig zusammen.

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Inzwischen hatte ich das Glück zu erleben, dass die Kombination Spielen und Arbeiten etwas Magisches ist, bei der ich nicht nur viel mehr Freude habe, sondern auch immer wieder über mich hinauswachse.

Spielen am Arbeitsplatz braucht Vertrauen

 

Der Unterschied zwischen meinem heutigen und früheren Berufsleben ist, dass ich damals immer die Angst hatte, meine Kollegen zu enttäuschen und Ihren und meinen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Mir mangelte es an allen Ecken an Vertrauen. Ich hatte Angst, dass sie irgendwann sehen würden, dass ich nicht gut war, und ich tat alles dafür, ihnen das Gegenteil zu beweisen. Ich traute mich nicht, meine Kollegen um Hilfe zu bitten, weil ich mir sicher war, dass sie mich dann für völlig inkompetent halten würden und das glaubte ich mir nicht leisten zu können. Schließlich wollte ich Führungskraft werden, und dies wurden meiner Überzeugung nach nur die Besten der Besten. Damals stand ich jeden Tag im Wettstreit mit meinen Kollegen.

Inzwischen sind viele Jahre vergangen und ich habe gelernt, mir und meinen Fähigkeiten zu vertrauen. Zudem will ich mich auch nicht mehr gegenüber meinen Kollegen beweisen, um eine bessere Stelle zu bekommen. Statt nach ganz oben zu kommen, möchte ich heute lediglich wissen, was ich mit meinen Fähigkeiten alles erreichen kann. Ich sehe meine Kollegen als Teammitglieder, von denen ich eine Menge lernen kann und mit denen gemeinsam ich eine Menge erreichen kann.

Gemeinsam bekommen wir alles hin.

An die Stelle des Wettkampfes von damals ist ein Spieltrieb getreten. Heute habe ich keine Angst mehr vor dem Scheitern, weil ich weiß, dass wir im Team eine Lösung finden werden, wenn ich allein etwas nicht schaffe. Aktuell wachse ich in meinem Job nahezu mit jeder Aufgabe, der ich mir stelle über mich hinaus. Dies ist möglich, weil

  • ich mir selbst vertraue,
  • mein Team mir vertraut,
  • ich meinem Team vertraue.

Warum Puzzeln ein super Jobtraining ist

Ich habe das Glück, dass mein aktueller Job viele Strukturen und Aufgaben mit sich bringt, in denen es möglich ist zu spielen. Doch mir ist bewusst, dass nicht jeder Job über solche Strukturen und Aufgaben verfügt. Diese Jobs können von privaten Spielen profitieren.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Puzzeln“. Beim Puzzeln geht es darum, ein Bild aus Teilen wieder zusammenzusetzen. Das Schöne an diesem Spiel ist, dass es

  • keine Verlierer,
  • nur eine richtige Lösung,
  • das Spiel in allen erdenklichen Schwierigkeitsgraden gibt.

Ein Ziel, unterschiedliche Wege.

Dieses Spiel gibt seinen Spielern die Möglichkeit, mit jedem Schwierigkeitsgrad neue Fähigkeiten zu entwickeln. Während Du bei zwei Teilen keine Strategie brauchst, um das Puzzle in einer überschaubaren Zeit zu lösen, ist es bei 1.000 Teilen in der Regel sinnvoll, einen Weg zu finden, wie Du die Teile sortieren kannst, um schneller zum Ziel zu kommen.

Kluge Puzzler beginnen mit leichtem Puzzeln. Sobald sie diese im Schlaf lösen können, nehmen sie sich den nächsten Schwierigkeitsgrad vor. Sobald sie diesen beherrschen, gehen sie an den nächsten und so weiter und so fort. Sie wachsen also mit Aufgaben, sammelt Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen und wagen sich an den nächsten Schritt. Mit diesem Vorgehen schaffen einige Puzzler am Ende 18.000 Teile zu legen und können das Erfolgserlebnis in vollen Zügen genießen. Puzzler dagegen, die mit dem 18.000-Teile-Puzzle beginnen, laufen Gefahr zu scheitern und frustriert das Handtuch zu werfen.

Dem Spiel Puzzeln verdanke ich die Erkenntnis, dass ich große Aufgaben runterbrechen muss. Wenn eine Aufgabe im Job aus 18.000 Teilen besteht, sollte ich nicht einfach irgendwo anfangen, sondern schauen, wie ich die Aufgabe am besten beginne. In meinen Augen ist daher das Lösen von Puzzles ein super Jobtraining.

Fazit

Ich bin der festen Überzeugung, dass es kein Spiel gibt, von dem wir nicht für das Leben lernen können. „…wir machen Dinge wirklich gut, wenn wir sie spielerisch machen“, schreibt unser Autor und ich teile diese Einschätzung. Daher wünsche ich mir den homo ludens, also den spielenden Menschen als nächste Evolutionsstufe. Ich glaube, in einer Welt voller Menschen, die Dinge nicht aus Angst, sondern aus Spieltrieb tun, können unglaublich großartige Dinge entstehen.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Hast Du schon einmal gespielt und dabei etwas für das Leben gelernt?