6 min readPublished On: 21. Juli 2022By Categories: Experteninterviews

Darf Arbeit Spaß machen?

Hand aufs Herz: Wie ist Dein Bild von Arbeit? Bist Du der

  1. German Serious Type: Wir sind Erwachsen. Wir müssen Geld verdienen. Wir bekommen gutes Geld, weil wir einen guten Job machen. Spielen hat an dieser Stelle nichts verloren.
    oder
  2. siehst Du es wie Marry Poppins: „with a little bit of fun every job‘s a game“?

Heute habe ich die große Freude, dass sich Andreas Fechner zu einem Interview mit mir bereit erklärt hat. Andreas ist voll die Mary Poppins Fraktion. Für ihn ist Arbeit ohne Spaß nicht erfüllend. Wieso und warum das so ist, möchte ich heute von ihm erfahren.

Zur Arbeit gehen macht so keinen Spaß.

M: Andreas hattest Du schon mal einen Job, der Dir keinen Spaß gemacht hat?
A: Ja, der hat sogar so wenig Spaß gemacht, dass ich krank wurde. Damals Mitte der 90er habe ich in einer Bank gearbeitet, zu dieser Zeit war ich der festen Überzeugung ein Job in der Bank schaffe eine sichere Zukunft für mich.
Die Realität sah dann so aus, dass ich jeden Tag die gleiche Arbeit machen musste. Damals habe ich gelernt, dass ich Kreativität in meinem Job brauche. Administrative und sich ständig wiederholende Arbeit ist mein Kryptonit. Man könnte also sagen: Ich bin kein Murmeltier, also ich meine damit das berühmte Murmeltier aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.
Wenn dann die Arbeitsatmosphäre auch nicht stimmt, führt das bei mir zu mentalen und physischen Beschwerden. Das ist auch heute noch so.

M: Wie muss ein Job aussehen, damit er Dir Spaß macht?
A: Ich bin anders als Andere und bin mir dessen auch sehr bewusst, das heißt: meine Antworten lassen sich nicht verallgemeinern. Ich brauche viel soziale Interaktion mit Menschen. Richtig wohl fühle ich mich, wenn ich einem Team helfen kann etwas zu erreichen.

M: Das klingt spannend. Ich glaube jetzt ist der perfekte Zeitpunkt zu fragen, was genau machst Du heute?
A: Ich bin jetzt nicht so der Fan von Labeln, doch es macht es natürlich leichter zu kommunizieren. Ich bin Agile Coach. Für mich bedeutet das: ich helfe Teams und Organisationen besser zusammenzuarbeiten und dadurch auch mehr Spaß an der Arbeit zu haben.

Ich möchte einen Unterschied machen.

M: Das klingt so Andreas, als ob aus Deinem eigenen Job-Erlebnis, der Wunsch entstanden ist andere vor einem ähnlichen Erlebnis zu beschützen, richtig?
A: Ja. Ich habe in meiner Karriere die Maslowsche Bedürfnispyramide durchlaufen. Inzwischen bin ich oben angekommen. Das bedeutet ich bin erfüllt von dem Bedürfnis mich selbst zu verwirklichen und für mich bedeutet Selbstverwirklichung aktuell dafür zu sorgen, dass Menschen Spaß an Ihrer Arbeit haben. Mein Motto lautet „I want to make a difference“.

M: Spannend. Wenn du Menschen gern hilfst, dann lass mich fragen. Wie ich bzw. die Leser heraus finden was mir bzw. ihnen im Job Spaß macht?
A: Die korrekte Antwort auf diese Frage lautet „Gehe zum Coach Deines Vertrauens“, doch diese Antwort ist wenig hilfreich. Die Antwort, die Dich weiterbringt, ist eher: „Das weißt du nur selbst.“ Es gibt Dinge, die Dir leichtfallen und es gibt Dinge, die Dir nicht so leichtfallen. Wenn Du im Job dafür sorgst, dass Du mehr von den Dingen machst, die Dir leichtfallen, wirst Du mehr Spaß an der Arbeit haben. Die Herausforderung ist oft herauszufinden, worin Du gut bist, was Dir Spaß macht und dazu zu stehen. Und gegebenenfalls Konsequenzen daraus zu ziehen, wenn das Eine oder das Andere zu kurz kommt.
Das ist wie mit Dir und Deinem Blog. Du hast irgendwann gemerkt, dass es Dir unglaublich schwer fällt komplexe Themen darzustellen und daher hast Du inzwischen einen Blog, der komplexe Themen in so kleine Teile bricht, dass sie die Komplexität verlieren und verständlich werden.

M: Das stimmt Andreas, für mich war der Weg allerdings nicht ganz leicht. Denn meinen Blog zu starten, führte nach wenigen Monaten dazu, dass ich meinen Hauptjob gekündigt habe, weil ich feststellte, dass dieser mir im Vergleich zu meinem Blog keinen Spaß mehr macht. Und dann stand ich vor der Frage: Wie finde ich einen Job, der mir Spaß macht? Kannst Du diese Frage beantworten?
A: Las mich mal überlegen, das ist keine ganz einfache Frage, wenn ich sie sinnvoll beantworten möchte, brauche ich etwas Zeit.
Kurzer Realitätscheck: Es gibt mehrere Antworten, die Dir bestimmt schon einmal begegnet sind. Einen Job zu finden, der Spaß macht, bedeutet nicht automatisch, dass Du Deinen Job wechseln musst.

  1. Es gibt viele Wege zum Spaß.

    Wenn Du noch nicht reif für eine neuen Job bist, ist das okay. Erinnere Dich an den einen Grund, warum Du den Job angefangen hast, den Du heute machst. Ist das noch da? Wenn ja, konzentriere Dich darauf und ziehe daraus Deine Energie. Oft geht uns im Alltagsstress dieser Punkt verloren, daher ist es immer wieder mal sinnvoll danach zu schauen. Deine Einstellung bestimmt Deine Wahrnehmung, wenn Du mit Mary Poppins „With a little bit of fun every job is a game“ ran gehst, lässt sich auch Dein Job wieder in Spaß verwandeln.

  2. In größeren Unternehmen kann es sein, dass der Job, der Dir Freude bereitet nur eine Abteilung entfernt ist. Nutze Deine Mittagspause und lerne Menschen aus anderen Abteilungen kennen. Nutze ggf. Weiterbildungsangebote Deines Unternehmens, um in eine andere Abteilung zu wechseln. Wir leben aktuell in einem Arbeitnehmermarkt. Der Jobwechsel war selten so einfach und risikolos wie heute, da alle Unternehmen großartige Arbeitnehmer suchen.
  3. Du brauchst einen neuen Arbeitgeber. In diesem Fall wir es Zeit für Job-Tinder. Du musst Dir klar werden was du willst und was nicht und auf die Suche nach dem perfekten Unternehmen gehen. Vielleicht versuchst Du auch erst einmal einen kleinen One-Night-Stand, bevor Du eine neue Langzeitarbeitnehmerbeziehung eingehst. Meetups sind perfekte Speed Dating Locations. Hier kannst Du neue Kontakte knüpfen und neue Menschen und Unternehmen kennenlernen.
  4. Du brauchst ein Unternehmen, in dem Du Du selbst sein darfst. Das ist in Deutschland nicht immer einfach, weil in Unternehmen viele German Serious Type Arbeitnehmer unterwegs sind. Das Gute ist, dass wir genau das nutzen können, um Unternehmen zu finden in denen Du Du selbst sein kannst. Denn Unternehmen, die den German Serious Type Arbeitnehmer leben, hassen es zu spielen. Dein zukünftiger Arbeitsplatz ist also möglicherweise einer, der sich mit Serious Gaming auseinandersetzt. Geh also einfach zu einem Meetup und lerne hier Leute kennen, die vielleicht bald deine zukünftigen Kollegen sind.

M: Puhhhh, das war viel, aber ich habe das Gefühl, dass diese drei Wege für mehr Spaß in der Arbeit sorgen können. Lass mich nun zum Abschluss die Frage des Beitrages wiederholen: Lieber Andreas: Darf Arbeit Spaß machen?
A: Nein, sie muss Spaß machen. 😉

M: Wow, da hattest Du mich kurz. 😂Das ist ein fantastisches Schlusswort Andreas. Danke, dass Du Dein Wissen mit uns geteilt hast und Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Du bist grossartig.