6.2 min readPublished On: 26. Januar 2021By Categories: Bücher, Wissen

Eigenlob stinkt, oder?

Hab ich etwas falsch gemacht?

Wurde Dir auch beigebracht, dass Eigenlob stinkt, als Du noch ein kleines Kind warst? Kannst Du Dich noch an die Momente, in denen Du stolz wie Bolle erzählt hast, dass Du zum ersten Mal etwas geschafft hast, zu einem Erwachsenen gerannt bist und ihm aufgeregt von Deinen Erfolgen erzählt hast? Und kannst Du Dich noch daran erinnern, was passierte, als dieser Erwachsene Dich anschaute und Dir sagte, Eigenlob stinkt? Wie ging es Dir in diesen Momenten? Bist Du völlig gelassen geblieben und hast gedacht „Das habe ich erreicht, darauf darf ich stolz sein“? Oder hattest Du plötzlich das ungute Gefühl, dass Du etwas falsch gemacht hast und die Freude, die noch vor einer Sekunde aus Dir heraussprudelte, verschwunden war?

Herz
Ich möchte Dich beschützen.

Der Erwachsene meint es in dieser Situation in der Regel gut mit uns und möchte einfach nur dafür sorgen, dass wir in unserem Leben soziale Beziehungen aufbauen können und nicht in einem Umfeld leben müssen, dass uns beneidet. Dass dieser Satz massive Nebenwirkungen haben kann ist den meisten Menschen nicht bewusst. In meiner Wahrnehmung ist dieser Satz dafür verantwortlich, dass ich viel mehr erwachsene Menschen kenne, die sich selbst meisterhaft beschimpfen, wenn etwas nicht perfekt funktioniert hat, als Menschen, die Luftsprünge machen, weil sie an einer Stelle weitergekommen sind.

Zu meiner großen Freude bin ich mit

Thomas Brezina: Tu es einfach und glaub daran. Wie du mehr Freude in dein Leben bringst,

endlich einem Autor begegnet, der in Worte gefasst hat, was ich schon lange im Gefühl habe, aber noch nicht richtig greifen konnte. Und genau das schauen wir uns nun etwas genauer an.

Kein Lob, keine Motivation

Irgendwie komme ich nicht weiter.

Menschen, die sich selbst oft kritisieren und kein Lob von ihrem Umfeld bekommen, haben es in der Regel nicht leicht, sich zu motivieren. Es ist nun einmal so, dass wir gern Dinge machen, bei denen wir das Gefühl haben, erfolgreich zu sein und Fortschritte zu machen. Dinge, bei denen wir einfach nicht von der Stelle kommen, oder uns sogar rückwärts entwickeln, rauben uns Energie. Doch die Sache ist die: Lob kann uns dabei helfen, energieraubende Dinge in Dinge zu verwandeln, die wir gern machen. Denn manchmal wird uns erst durch das Lob eines anderen bewusst, dass wir Fortschritte machen, die wir einfach ignoriert haben. Lob ist mächtig, und wenn die Menschen in unserem Umfeld uns nicht loben, ist Eigenlob das Mittel der Wahl, denn:

„Wenn wir eine Gewohnheit verändern wollen oder etwas tun sollen, dass wir nicht so gerne machen, dann brauchen wir Lob “

Thomas Brezina: Tu es einfach und glaub daran. Wie du mehr Freude in dein Leben bringst, S. 176.

Wir leben in einer Welt, die sich unglaublich schnell weiterentwickelt. Menschen, die in der Lage sind, sich zu entwickeln, neue Dinge zu lernen und alte Gewohnheiten abzulegen, haben es in dieser Welt deutlich leichter, Und wenn Eigenlob diesen Menschen hilft, sich zu entwickeln, dann ist es etwas Gutes.

Eigenlob motiviert

Schau Mal, wie schnell ich bin.

Wie großartig die Sache mit dem Eigenlob funktioniert, hat unser Autor erlebt, als er seine Mutter im Krankenhaus besuchte. Seine Mutter und Ihre Bettnachbarin hatten beide OPs hinter sich und waren noch nicht wieder fit. Doch statt sich darüber zu beklagen, was alles gerade nicht geht, freute sich die Bettnachbarin über jede Kleinigkeit, die funktionierte und feierte jeden Genesungsfortschritt, egal wie klein er war. Dieses Verhalten wirkte ansteckend auf die Mutter des Autors und so lobten sich die beiden Damen und waren schnell wieder auf den Beinen.

Hey, das war genial, oder?

Dank unseres Autors ist mir bewusst geworden, dass ich in den letzten Jahren ein Meister des Eigenlobs geworden bin. Wenn ich in meinem Job etwas erreiche, worauf ich stolz bin und meinem Chef davon erzähle, und er das erreichte nicht so würdigt, wie ich es mir erhoffe, weil er gerade tausend andere Dinge im Kopf hat, dann sage ich laut und in seiner Gegenwart und in etwas dunklerer Tonlage: „Wow, Maria. Das hast Du großartig gemacht. Das ist genial. Danke.“ Und antworte mir selbst dann in hellerer Tonlage: „Hey Chef, ich freue mich auch riesig, dann lass uns mal weitermachen.“ Auf den ersten Blick wirkt dieser kleine Dialog absurd. Doch mir erweist er schon lange hervorragende Dienste. Denn er sorgt dafür, dass mein Chef reagiert, und seine Reaktion hilft mir, meine Leistung realistisch einzuschätzen. Wenn er sagt „Ja, Maria Du hast recht, dass ist echt der Hammer.“ Dann weiß ich, dass alles passt. Wenn er dagegen sagt: „Das ist großartig, könntest Du hier bitte noch etwas machen?“ Dann weiß ich, dass ich noch etwas machen muss.

Was habe ich eigentlich alles geschafft?

Doch egal, wie die Reaktion meines Chefs ist, durch mein Eigenlob stärke ich meine eigene Position und sorge dafür, dass meine Erfolge wahrgenommen werden. Denn die Sache ist die: Wir alle arbeiten hart und es laufen eine Menge Dinge nicht perfekt. Menschen neigen dazu, negative Dinge stärker wahrzunehmen als positive, und so können wir unsere Erfolge leicht vergessen, wenn wir nie über sie sprechen.

Einseitiges Lob schadet

Wow, das war genial.

Als Meisterin des Eigenlobs weiß ich aber auch, dass einseitiges Lob schadet. Wenn ich mich selbst immer über den eigenen grünen Klee lobe und die Leistungen meiner Kollegen ignoriere, beginnt Eigenlob schnell zu stinken. Denn mit meinem Verhalten gebe ich meinem Umfeld das Gefühl, dass ich es nicht anerkenne. Aus diesem Grund achte ich darauf, alles zu loben, was mir positiv auffällt. Wenn ein Kollege etwas schneller fertig stellt, als ich es brauche, lobe ich ihn dafür. Wenn mir jemand begegnet, der einen großartigen Service leistet, lobe ich ihn dafür. Und bei jedem Lob, das ich ausspreche, habe ich die Hoffnung, dass mein Gegenüber einen kleinen Motivationsschub erlebt, der dafür sorgt, dass meinem Gegenüber der Job in Zukunft mehr Freude macht.

Unterbewusst bemühe ich mich, Eigen- und Fremdlob im Verhältnis von mindestens 1 zu 2 zu halten. Das bedeutet, dass ich die Menschen in meinem Umfeld mehr lobe als mich. Im Idealfall gehen dem Eigenlob vier Fremdlobe voran. Denn in Sachen Eigenlob entscheidet die Dosis – wie so oft – über die Wirkung des Gifts. Wenn mein Umfeld weiß, dass ich seine Leistung sehr schätze, dann kann es auch mit meinem Eigenlob sehr gut umgehen.

Fazit

Ich finde es gut, dass Kinder lernen, dass Eigenlob Nebenwirkungen hat. Doch genauso wichtig finde ich es, dass Kinder lernen, dass Eigenlob nicht per se schlecht ist. Im Idealfall gehen die Sprüche „Eigenlob stinkt“ und „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ Hand in Hand, um zu verdeutlichen, dass der goldene Weg – wie so oft – irgendwo in der Mitte liegt.

Nachdem wir nun ausführlich über Eigenlob gesprochen haben, bin ich natürlich neugierig: Wofür hast Du aktuell ein dickes Lob verdienst?