3,5 min readPublished On: 11. März 2021By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Hat der Lock-In-Effekt auch Dich voll im Griff?

Davon hab ich noch nie etwas gehört.

Wenn es Dir so geht wie mir, hast Du keine Ahnung was der Lock-In-Effekt ist, obwohl er Dich an einigen Stellen voll im Griff hat. Der Lock-In-Effekt ist ein Begriff aus dem Marketing und ist mir in dem halben Jahrzehnt, in dem ich mich inzwischen mit Marketing beschäftige, noch nie begegnet. Doch zum Glück gibt es Bücher wie

Andrew Keen: How to fix the future. Fünf Reparaturvorschläge für eine menschlichere digitale Welt

die solche Begriffe fast schon beiläufig erwähnen und damit meine Neugier wecken.

Was ist der Lock-In-Effekt?

Die Erfindung des Lock-In-Effekt wird dem berühmten Unternehmer John D. Rockefeller zugeschrieben, dessen Name Dir wahrscheinlich schon einmal begegnet ist. Rockefeller lebte von 1839 bis 1937. Diese Zeit, die 2- Hälfte des 19. und die 1. Hälfte des 20. Jahrhundert, war geprägt von vielen Innovationen, die die Welt grundlegend veränderten. Eine dieser Innovationen war die Petroleumlampe.

Das ist wie Geld drucken.

Als Rockefeller die Petroleumlampe zum ersten Mal sah, witterte er ein riesiges Geschäft und begann mit der Produktion von Petroleumlampen. Die fertigen Lampen verschenkte er an seine Kunden, oder gab sie zu einem so günstigen Preis ab, dass sie fast geschenkt waren. Auf den ersten Blick scheint dies ein Geschäftsmodell zu sein, dass schnell in die Pleite führt. Doch die Sache mit den Petroleumlampen ist die: Wirklich nützlich sind die Lampen nur, wenn sie brennen, und dafür brauchen die Beschenkten Petroleum.

Jetzt darfst Du dreimal raten, wo sie das Petroleum kauften. Ja, genau, bei Rockefeller, denn dieser hatte bei der Produktion der Lampen dafür gesorgt, dass diese nur mit seinem Öl funktionierten. Dank seiner geschenkten Lampen sorgte Rockefeller bei seinen Kunden für einen langfristigen Petroleumbedarf, den nur er befriedigen konnte und schuf damit gleichzeitig den Lock-In-Effekt.

Voll teuer so eine Lampe zu kaufen.

Der Lock-In-Effekt besagt, dass Kunden aus den unterschiedlichsten Gründen an ein Produkt gebunden werden. Im Falle der Lampe war der Grund die hohen Wechselkosten, die durch die Anschaffung einer anderen Petroleumlampe entstanden wären. Rockefeller setzte den Lock-In-Effekt gezielt als Marketingstrategie ein. Doch spannenderweise kann der Lock-In-Effekt auch durch Bequemlichkeit von Kunden funktionieren.

Doch dazu kommen wir gleich. Zunächst schauen wir uns an, ob der Lock-In-Effekt Dich überhaupt betrifft.

Der Lock-In-Effekt lauert überall

Aus heutiger Sicht ist die Gefahr der Abhängigkeit von einer Petroleumlampe gering. Aus diesem Grund dachte ich für einen Moment, dass der Lock-In-Effekt uns nicht betrifft. Doch dann wurde mir bewusst, dass der Lock-In-Effekt überall zu lauern scheint. Sobald wir hinschauen erkennen wir zahlreiche Produkte, mit denen der Lock-In-Effekt genutzt wird:

  • Bonuskarten
  • Computer
  • Drucker
  • Kostenlose Spiele Apps
  • Nachrichten Messenger
  • Rasierer
  • Smartphones
  • Social Media
  • Software
  • Spielekonsolen
  • Wasserfilter.

Hinweis: Diese Liste ist nicht vollständig. Dies sind nur die Dinge, die mir in den letzten 30 Minuten bewusst geworden sind. (@maria Grau hinterlegen)

Egal ob Bonuskarte, Software oder Spielekonsole, bei all diesen Produkten greift der Lock-In-Effekt. Der einzige Unterschied ist, wie er greift:

  • Bei einer Bonuskarte bindet uns der Bonus, den wir uns bereits erarbeitet haben, aber noch nicht einlösen können, an einen Anbieter.
  • Bei einer Software bindet uns die vorhin angesprochene Bequemlichkeit an das Produkt. Für die meisten Nutzer führt die Vorstellung, morgen ein anderes Betriebssystem, einen anderen Messenger oder eine andere Social Media Plattform nutzen zu müssen, zu unglaublichem Stress. Denn der Wechsel bedeutet, dass wir (je nach Produkt) Wissen und/oder Reichweite verlieren.
  • Eine Spielekonsole schafft über die Investition, die wir in Spiele getätigt haben, einen Lock-In-Effekt. Auch wenn es die meisten Spiele für verschiedene Plattformen gibt, gilt die Spiellizenz, die wir erwerben, nur für eines der Systeme. Ein Wechsel des Spielkonsolenanbieters bedeutet hohe Wechselkosten.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich war überrascht, wie sehr mich der Lock-In-Effekt im Griff hat, obwohl mir der Begriff völlig neu ist. An dieser Stelle bin ich neugierig: Geht es Dir so wie mir? An welchen Stellen hat Dich der Lock-In-Effekt voll im Griff?