4,8 min readPublished On: 13. Juni 2022By Tags: , , , , Categories: Bücher

Kann ein Künstliche Intelligenz einen eigenen Willen haben?

Ich bin nicht Wall-E.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich liebe Filme wie Wall-E und Robot & Frank, in denen freundliche und sympathische Roboter vorkommen. Mir ist natürlich bewusst, dass Roboter Maschinen sind und keine Gefühle haben. Doch das hält mich nicht davon ab, mit meinem Staubsauger-Roboter Harry zu sprechen, wenn ich ihn nach erfolgreicher Arbeit zurück an seine Ladestation trage, weil eine fiese geschlossene Tür ihn davon abhält, diese selbst anzufahren.

Doch was unterscheidet Roboter eigentlich von lebenden Wesen? Sicherlich gibt es viele Punkte. Doch ein wichtiger Punkt ist ein eigener Wille. Harry hat keinen eigenen Willen. Sobald ich einen Knopf drücke, fängt er an zu saugen. Lebende Wesen haben einen eigenen Willen, sie machen, was sie wollen. Doch warum ist das so? Der Autor

Ralf Otte: Maschinenbewusstsein. Die neue Stufe der KI – wie weit wollen wir gehen?,

schreibt, dass die Voraussetzung für einen eigenen Willen die Fähigkeit ist, positive und negative Dinge wahrzunehmen. Sobald ein Staubsauger-Roboter aus irgendeinem Grund das Saugen als negativ wahrnehmen würde, würde er dafür sorgen, dass er dieser Aufgabe irgendwie entgehen kann.

Doch zum Glück kann das nicht passieren, oder? Roboter sind Roboter und haben keinen eigenen Willen, richtig? So dachte ich zumindest. Doch dann erfuhr ich von unserem Autor, dass es bereits heute Forscher gibt, die daran arbeiten, synthetisierte biologische Roboter zu bauen, die aus lebenden Zellen bestehen.

Haben Roboter, die aus lebenden Zellen bestehen, einen eigenen Willen?

Unser Autor schreibt, dass lebende Zellen einen eigenen Willen haben, weil sie negative und positive Dinge unterscheiden können. Diese Fähigkeit sorgt dafür, dass sie danach streben, ihr gefühltes Leid zu mindern. Die Frage lautet also, was passiert, wenn wir lebende Zellen mit Künstlicher Intelligenz kombinieren? Bekommt sie dann automatisch einen eigenen Willen?

Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns einen Xenobot an, einen bereits existierenden synthetisierten biologischen Roboter. Laut unseres Autors verdankt der Xenobot seinen Namen dem afrikanischen Krallenfrosch, der den biologischen Namen Xenopus laevis trägt. Denn aus dessen biologischen Zellen wurde der Xenobot erschaffen.

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Laut diesem YouTube Video aus 2020 sind Xenobots gerade mal einen halben Millimeter groß. Sie sind in der Lage, sich zu bewegen und die Forscher gehen davon aus, dass sie irgendwann dazu genutzt werden könnten, Medikamente durch den menschlichen Körper zu schleusen und die Meere von Plastik zu befreien.

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In diesem YouTube Video, das 2022 veröffentlicht wurde, erfahren wir, dass Xenobots inzwischen in der Lage sind, sich selbst zu vermehren. Das klingt im ersten Moment vielleicht so, als ob Xenobots außer Kontrolle geraten könnten. Doch das mit der Selbstvermehrung funktioniert nicht etwa durch Zellteilung, wie wir sie kennen, sondern durch das Zusammenschieben herumliegender Zellen. Wenn keine Zellen herumliegen, können Xenobots keine Zellen zusammenschieben und sich somit auch nicht vermehren.

Xenobot selbst sind keine Künstliche Intelligenz. Eine Künstliche Intelligenz hat die Baupläne für Xenobots erschaffen, und Menschen haben diese Baupläne dann mit Zellen von Krallenfröschen umgesetzt. Xenobots sind lebende Roboter. Sie haben, so wie ich unseren Autor verstehe, einen eigenen Willen, da sie aus lebenden Zellen bestehen. Doch ein eigener Wille hat an dieser Stelle wohl nicht viel zu bedeuten, denn sie können sich lediglich bewegen und dabei Dinge zusammenschieben. Sie sind nicht in der Lage, einen ganzen Monat zu überleben.

Fazit

Das ist möglicherweise keine gute Idee.

Laut unserem Autor sind Transorganismen, also Roboter, die aus Zellen und Künstlicher Intelligenz bestehen und einen eigenen Willen haben könnten, noch immer Fiktion. Unser Autor ist der Meinung, dass die Risiken, die eine Künstliche Intelligenz mit eigenem Willen mit sich bringt, so groß sind, dass Transorganismen generell verboten werden sollten.

Im Gegensatz zu unserem Autor bin ich kein Experte in Sachen Robotern und Künstlicher Intelligenz. Ich verstehe seine Bedenken und bin gleichzeitig fasziniert von der Vorstellung, dass Xenobots uns z. B. helfen könnten, die Weltmeere zu reinigen.

Gleichzeitig frage ich mich, was in den Weltmeeren mit Xenobots passieren würde. Sie befinden sich hier nicht mehr in kleinen Petrischalen. Sie begegnen hier anderen Umweltfaktoren und könnten mutieren, sich weiterentwickeln und am Ende zu einer Plage werden.

Solch eine Entwicklung wäre nicht neu. Wir Menschen haben schon öfter gedacht, dass es eine gute Idee ist, einen Nützling in eine neue Umgebung einzubringen und dann später festgestellt, dass die Idee doch nicht gut war. So gibt es in Australien eine Kaninchenplage, weil Menschen diese Tierchen vor über hundert Jahren wegen ihres Fleisches und Fells nach Australien brachten.

Dank des Autors Nassim Nicolas Taleb haben wir vor Kurzem den Begriff „Bricolage“ kennengelernt. Wir wissen, dass die Natur ein MacGyver ist. Sie schafft Dinge, die außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen. Egal, ob wir Xenobots schaffen, künstliche Viren in Laboren züchten, oder lebende Zellen mit einer Künstlichen Intelligenz verbinden, wir haben keine Ahnung, was MacGyver… ähm, ich meine natürlich Mutter Natur, mit diesem Dingen machen wird, sobald sie sie in die Finger bekommt. Ich könnte mir vorstellen, dass es diese Risiken sind, die unserem heutigen Autor in Sachen Transorganismen Kopfzerbrechen bereiten.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Wie sind Deine Emotionen in Sachen Transorganismen?