Kennst Du den wahren Grund warum Soldaten marschieren?

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„So und jetzt fassen sich mal alle an die Hände und wir gehen in Zweierreihen los.“ Keine Ahnung wie das heute ist, aber in meiner Kindheit begannen Ausflüge im Kindergarten oder in der Schule lange Zeit mit diesem Satz.

Immer wenn ich marschierende Soldaten sehe, muss ich an meine Kindergartenzeit denken und schmunzeln. „Schau mal, wenn die so ordentlich laufen, sieht der Offizier immer gleich ob einer fehlt.“ denke ich mir dann.

Doch ich habe mich nie gefragt, warum Soldaten marschieren und als ich den wahren Grund erfahren habe, war ich wirklich überrascht. Daher freue ich mich heute sehr darauf mein neues Wissen dank

James E. Loehr: Die neue mentale Stärke

mit Dir zu teilen. Ich bin sehr gespannt, ob Du meine Überraschung teilst, oder ob Dir das was jetzt kommt schon immer klar war.

Die Geschichte des Marschierens

Kennst Du noch diese großartigen Filme, in denen die Zeichentrick-Römer-Soldaten sich in Windeseile in die lustigsten Formationen verwandelten, um sich vor zwei Zaubertrank gedopten Galliern zu schützen? Ich lache noch heute herzlich über diese Szenen, in denen ein ganzes stolzes marschierendes Heer gegen dises völlig ausser Kontrolle geratene kleine Dorf nichts ausrichten kann.

Berge
Berge

Die Wirklichkeit damals war natürlich anders. Wenn ein römisches Heer anrückte, hatten die Gegner nichts zu lachen. Dank seinem Heer gelang es den Römern große Teile der bekannten Welt zu erobern. Damals war Marschieren aktiver Teil der Kriegshandlung und enorm wichtig für den Sieg.

Warum marschieren Soldaten noch immer?

Das ist schon lange nicht mehr so. Heute Marschieren Soldaten nicht mehr auf ein Feld um sich dem Gegner zu stellen. Und obwohl Soldaten im Krieg das Marschieren nicht mehr brauchen, ist es noch immer Bestandteil der militärischen Ausbildung. Doch warum? Könnte man den Teil nicht einfach abschaffen, jetzt wo er nicht mehr gebraucht wird?

Weil marschieren das Zählen erleichtert?

Wie oben schon geschrieben, dachte ich der Hauptgrund für das Marschieren von Soldaten, sei der leichtere Überblick über eine große Zahl an Menschen. Durch die klaren Reihen fällt sofort auf, wenn ein Soldat fehlt, da dann eine Reihe nicht geschlossen werden kann.

Zudem fällt bei graden Linien das Zählen leichter. Wenn die Soldaten in Reih und Glied stehen, brauchst Du nur die zwei äußeren Reihen zählen, die Zahlen miteinander multiplizieren und schon weißt Du wie viele Soldaten du vor dir hast.

Stehen in der vorderen Reihe 6 und in der seitlichen Reihe 6 und in der seitlichen Reihe 10 Soldaten, sind da insgesamt 60 Soldaten vor Dir. Würden die Jungs einfach durcheinander stehen bräuchtest Du ewig um 60 Menschen einzeln zu zählen.

Um den Gegner abzuschrecken

Der andere völlig plausible Grund für das Marschieren war für mich immer die Präsentation von Macht und schönen Uniformen. Das Marschieren von Soldaten war fester Bestandteil des Kalten Krieges. Dass Soldaten über den Roten Platz in Moskau marschierten, war in meinen Augen ein einfacher und „friedlicher“ Weg, mit dem die eine Supermacht der anderen Supermacht zeigte: Schau mal, meine Soldaten sind zahlreich, komm nicht auf die Idee uns anzugreifen, wir werden uns wehren.

Gleichzeitig zeigten die beiden Mächte ihrer eigenen Bevölkerung mit diesen marschierdenden Soldaten, dass da Menschen waren, die sie beschützen würden, wenn der Kalte Krieg doch einmal in eine heiße Phase kommt.

Marschieren verleiht Stärke und Mut

Worüber ich mir echt nie Gedanken gemacht habe, ist die Wirkung, die das Marschieren auf den einzelnen Soldaten hat. Denn die Sache ist die: Ein Soldat ist ein Mensch wie Du und ich. Um diesen Menschen in einen Soldaten zu verwandeln, braucht es mehr als eine Uniform. Um diesen Menschen in einen Soldaten zu verwandeln, braucht es klare Regeln und eben Marschieren.

„Marschieren bietet dem Soldaten die Möglichkeit zu üben, entschlossen zu sein und stark und zuversichtlich auszusehen, egal wie sie sich fühlen.“ James E. Loehr: Die neue mentale Stärke S. 117

Körper und Emotionen bei Zivilisten

Die Körperhaltung der meisten Menschen spiegelt ihre aktuelle Stimmung wider. Wenn wir traurig sind, lassen wir nicht nur unsere Mundwinkel hängen, sondern auch unsere Schultern. Wenn wir voller Energie sind, ist unser ganzer Körper unter positiver Spannung. Wenn wir glücklich sind, strahlen wir über das ganze Gesicht und wandeln mit beschwingtem Gang durch die Welt.

Körper und Emotionen bei Soldaten

Wenn ein Soldat marschiert, ist sein gesamter Körper angespannt. Es ist völlig egal, wie der Soldat sich grade fühlt. Jedes Körperteil hat einen klaren Befehl zu befolgen. Beim Marschieren ist sogar die Blickrichtung des Soldaten vorgegeben. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Und jetzt passiert etwas Erstaunliches: Die Körpersprache des Soldaten „überschreibt“ die aktuellen Emotionen des Soldaten. Egal in welchem emotionalen Zustand der Soldat vor dem Marschieren war, nach einer Weile beeinflussen der grade Gang und der starre Blick die Gefühle des Soldaten und er beginnt sich selbstsicher, fokussiert, entschlossen und zuversichtlich zu fühlen.

Neben der Entschlossenheit und der Haltung trainiert Marschieren laut unserem Autor auch:

  1. Disziplin
  2. Anhaltende Konzentration

Was wir vom marschierenden Soldaten lernen können

Natürlich schreibe ich diesen Text nicht, weil ich möchte, dass Du jetzt alles stehen und liegen lässt, um Dich verpflichten zu lassen. Ich schreibe diesen Text, damit wir, genau wie einige Tennis-Champions es schon tun, vom Militär für unseren Alltag lernen können.

Laut unserem Autoren marschieren alle großen Tennis-Champions auf dem Spielfeld zwischen ihren Punkten wie Soldaten. Mit diesem kurzen Marsch programmieren sie sich für den nächsten Ballwechsel. Der kurze Marsch macht den Spielern Mut und sorgt für die Kontrolle ihrer Emotionen. Der Körper des Spielers programmiert den Geist auf Stärke und Zuversicht.

Ich für meinen Teil nehme mir vor diesen Trick in Zukunft für mich zu nutzen und bin sehr gespannt darauf die Wirkung live zu erleben. Wenn Du mir also Mal vor einer Veranstaltung begegnest und ich wie ein Soldat marschiere, dann  bin ich nicht völlig durchgedreht, sondern grade in der Vorbereitung darauf, den besten Vortrag zu halten, den ich je in meinem Leben gehalten habe. 😉

Wie ist es mit Dir? Hast auch Du Lust das mit dem Marschieren einmal für Dich auszuprobieren?