4.3 min readPublished On: 17. Januar 2022By Categories: Bücher, Wissen

Können Schulen erfolgreich unternehmerisches Denken vermitteln?

Ich warte nach Feierabend auf Dich.

„Warum kommt immer ein Gehirn mit, wenn ich nur um ein paar Hände gebeten habe?“ ist eine Frage, die Henry Ford zu Beginn der Industrialisierung stellte. Das Unternehmen, das Henry 1899 gründete veränderte und revolutionierte durch den Einsatz des Fließbandes in der Produktion die Arbeitswelt und sorgte für eine Produktionssteigerung, die vorher undenkbar war. Damit seine Produktion reibungslos lief, musste jeder Mitarbeiter wie eine Maschine funktionieren und die gleichen Handgriffe Stunde für Stunde, Tag für Tag und Woche für Woche wiederholen. Denkende Mitarbeiter konnte Henry dafür nicht gebrauchen.

Inzwischen hat sich die Arbeitswelt stark verändert. Monotone Fließbandjobs werden in vielen Produktionen von Maschinen und Robotern erledigt, denen es nichts ausmacht, die gleichen Handgriffe Tag für Tag und Nacht für Nacht auszuführen. Standardisierbare Aufgaben werden immer mehr automatisiert. Was der Arbeitsmarkt braucht sind Menschen, die sich in einer komplexen Arbeitswelt zurechtfinden. Menschen, die standardisierbare Prozesse identifizieren und automatisieren können. Es ist also kein Wunder, dass es auf LinkedIn aktuell ca. 7.000 Stellenanzeigen gibt, in denen unternehmerisches Denken zum Anforderungsprofil gehört.

Doch wie lernen Menschen unternehmerisches Denken? Eine großartige Möglichkeit, die ich heute mit Dir teilen möchte, ist mir dank

Veronika Bellone & Thomas Matla: Glücklich mit Tiny Start-ups. Warum kleine Unternehmen das nächste GROßE DING sind

begegnet. Unsere Autoren berichten über die Junior gGmbH, die es sich seit 1994 zur Aufgabe gemacht hat, Schülern in unterschiedlichen Altersstufen unternehmerisches Denken im Rahmen einer Schülerfirma zu vermitteln.

Können Schüler Unternehmen gründen?

In einer Unterschrift bist Du Unternehmer.

Für einen Erwachsenen ist es ganz einfach, ein Unternehmen zu gründen. In vielen Fällen reichen ein zweistelliger Betrag und das Ausfüllen weniger Formulare, um aus einem normalsterblichen Menschen ein Einzelunternehmen zu machen. Doch damit ist es nicht getan. Wer Unternehmer ist, hat unternehmerische Pflichten zu erfüllen, er muss zum Beispiel eine Steuererklärung erstellen und ist für sein Tun viel stärker haftbar als ein Nichtunternehmer. Neben der Gründung des Unternehmens gibt es viele Aufgaben zu erledigen, die so gar nichts mit dem eigentlichen eigenen Geschäft zu tun haben.

Normalerweise können Schüler keine Firmen gründen, weil sie zu jung sind, um voll haftbar zu sein. Im Rahmen des oben genannten Programmes wird dieses Hindernis beseitigt, indem die Bedingungen unter anderem regeln, dass eine Schülerfirma aus mindestens zwei Schülern und einer Lehrkraft bestehen muss.

Wie erfolgreich sind Schülerunternehmen?

Im Rahmen meiner kurzen Recherche habe ich den Eindruck gewonnen, dass bei diesem Programm, das pro Jahr laut eigenen Angaben von rund 10.000 Teilnehmern absolviert wird, das Lernen im Vordergrund steht. So dürfen die Schülerunternehmen z.B. nicht mehr als 20.000 € Umsatz in einem Jahr machen.

Die Schülerunternehmen haben die Möglichkeit, diesen Umsatz u.a. online zu erzielen. Auf der Webseite finden sich 10 Schülerunternehmen, die in der Lage sind, Produkte über einen Onlineshop anzubieten. In Anbetracht der Teilnehmerzahl des Programmes ist das auf den ersten Blick nicht viel. Dennoch bin ich beeindruckt. Denn diese Schüler schaffen es, Produkte Online anzubieten, obwohl sie Schüler sind und im Alltag neben der Produktion auch Unterricht und Hausaufgaben erledigen müssen.

Fazit

Jetzt weiß ich, was ich werden möchte.

Meiner Einschätzung nach bieten Schülerfirmen Schülern eine großartige Möglichkeit, ihr unternehmerisches Denken in einem Rahmen mit absolut überschaubaren Risiko zu entdecken. Gern hätte ich im Rahmen meiner Schulzeit die Gelegenheit gehabt, meine Fähigkeiten in diesem Bereich auszuloten. Als Erwachsene war ich lange davon überzeugt, dass ich nicht in der Lage sei würde, ein Unternehmen zu gründen, weil mir dafür sowohl Wissen als auch Mut fehlten.

Zum Glück hatte ich während meines Studiums die Möglichkeit, an einem ähnlichen Programm teilzunehmen. In diesem Programm ging es nicht um Unternehmen, sondern um Politik. Genauer gesagt: amerikanische Politik. Für die Zeit eines Semesters war ich im Rahmen einer Simulation Abgeordneter im amerikanischen Kongress. Diese Simulation war großartig, weil sie dafür sorgte, dass trockenes theoretisches Wissen plötzlich lebendig wurde. In diesen paar Monaten habe ich unglaublich viel gelernt. Die Simulation hat tote Gesetzgebungen zum Leben erweckt und mit Emotionen gefüllt. Binnen kürzester Zeit verstand ich, dass ein Abgeordneter sich nicht einfach ein Ziel setzen kann, gewählt wird und das Ziel dann umsetzt, sondern dass es nach der Wahl viel Zeit und diplomatisches Geschick braucht, um das Ziel zu erreichen.

Auch heute noch brauchen Unternehmen Mitarbeiter, die Lesen, Rechnen und Schreiben können. Daher ist es gut und sinnvoll, dass Schulen noch immer Mathematik und Deutsch unterrichten. Doch die Arbeitswelt hat sich gewandelt, und ich bin sehr froh, dass es Schulen und Programme gibt, die bemüht sind, ihren Schülern Fähigkeiten zu vermitteln, die in der neuen Arbeitswelt hilfreich sind.