3,9 min readPublished On: 18. Januar 2022By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Was hilft gegen ein gebrochenes Herz?

War schön mit Dir. Tschö mit ö.

Aus rationaler Sicht ist die Trennung von einem Partner eine Sache, die einfach organisiert werden muss. Eine oder beide Seiten beschließen, dass die Beziehung nicht weitergeführt wird. Das Ende der Beziehung wird kommuniziert. Die räumliche Trennung wird organisiert.

Auf der emotionalen Ebene sieht eine Trennung oft ganz anders aus. Nicht selten bedeutet das Ende einer Beziehung

  • den Zusammenbruch der eigenen Welt,
  • den Verlust von Sicherheit,
  • den Verlust von Geborgenheit,
  • den Verlust von Freunden,
  • den Beginn einer Periode der Einsamkeit,
  • die nagende Frage, wie es weiter geht.

Manchmal ist der emotionale Stress, der durch eine Trennung verursacht wird so groß, dass Menschen starke körperliche Schmerzen erleben.

Walter Mischel: Der Marshmallow-Effekt. Wie Willensstärke unsere Persönlichkeit prägt

berichtet darüber, dass Menschen, die einen solchen Schmerz erlebt haben, den Forschern, die soziale Schmerzen erforschen, vor allem die Frage stellen , ob es ein Medikament gegen die körperlichen Schmerzen gibt.

Gibt es ein Medikament gegen ein gebrochenes Herz?

Bitte gib mir was gegen den Schmerz.

Bevor ich das Buch von Walter gelesen habe, dachte ich, dass die Antwort auf diese Frage nur „nein“ lauten kann, Doch zu meiner Überraschung schreibt unser Autor wortwörtlich:

„“Take two aspirins and call me in the morning“ would be a coldhearted response to a friend’s late-night report of fresh heratbreak, but it has a solid basis in research.“ S. 156.

Diese Aussage stützt Walter auf ein Experiment von Naomi Eisenberger. Diese verabreichte Freiwilligen, deren Herz kürzlich gebrochen wurde, drei Wochen lange jeden Tag rezeptfreie Schmerzmedikamente. In dieser Zeit notierten die Teilnehmer des Experiments jeden Tag wie stark der Trennungsschmerz an diesem Tag war. Um herauszufinden, ob die Medikamente die Schmerzen linderten, gab es auch eine Kontrollgruppe, die lediglich ein Placebo erhielt.

Spannenderweise zeigten die Medikamente bei der ersten Gruppe durchschnittlich vom 9. Tag an Wirkung. Diese Gruppe empfand bis zum Ende des Experiments weniger Schmerzen als die Kontrollgruppe.

Warum kann eine Trennung körperlichen Schmerz verursachen?

Aber bis gestern war doch alles noch in Ordnung.

Unser Autor beschäftigt sich in seinem Buch mit der Frage, ob Trennungsschmerzen (soziale Schmerzen) physische Schmerzen verursachen. Seine Antwort lautet „Ja“, und er belegt sie mit einem weiteren Experiment, in welchem das Gehirn der Teilnehmer in einem Hirnscanner den Beweis liefert.

Die Frage, warum eine Trennung körperliche Schmerzen verursachen kann, beantwortet unser Autor allerdings nicht. Daher bin ich gespannt, ob uns das Internet an dieser Stelle helfen kann.

Laut eines GEO-Interview mit Günther Seidler ist der Grund für den physischen Schmerz der Kontrollverlust und die damit verbundene wahrgenommene Bedrohung für das eigene Leben, das von einem Moment auf den anderen das sicher geglaubte Fundament verliert.

Fazit

Freunde und Familie sind besser als jedes Medikament.

Auch wenn es spannend ist, dass ein Schmerzmittel gegen Herzschmerz helfen kann, ist es in meinen Augen keine Lösung. Besser finde ich hier eine andere Möglichkeit, den Schmerz zu mindern, die unser Autor benennt: Die Konzentration auf Menschen, die uns lieben. Bei einer Trennung mag ein wichtiger Mensch gehen. In harten Fällen bedeutet die Trennung auch den Verlust von Freunden, die nicht zwischen die Fronten geraten wollen und sich für die andere Seite entscheiden.

Doch egal was ist. Auch nach einer Trennung gibt es noch wichtige Menschen im Leben. Für den einen ist es die Familie, für die jetzt mehr Zeit ist, für den anderen sind es Freunde. Diese Beziehungen geben in der Zeit der Trennung häufig Kraft und Zuversicht und reduzieren den Schmerz der Trennung. Dank der Trennung haben wir endlich wieder mehr Zeit für unsere Familie und Freunde. Jetzt ist die Zeit, all die Dinge zu tun, die unseren Ex immer in den Wahnsinn getrieben haben.

In meinen Augen ist es völlig okay, sich nach einer Trennung ein paar Tage zurückzuziehen und sich mit ungesundem Essen vor die Glotze zu setzen und eine Serie von vorn bis hinten durchzuschauen. Doch irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das Leben mit der Unterstützung von Freunden (oder professioneller Unterstützung) ganz ohne Medikamente weitergeht. Und wer weiß, vielleicht ist das Ende der Beziehung der Beginn von etwas Großartigem.

An dieser Stelle brauche ich Deine Unterstützung: Hast Du schon mal eine Trennung erlebt, die Dich am Boden zerstört hat und im Nachhinein das Beste war, was Dir überhaupt passieren konnte?