New Work – Zeit erwachsen zu werden

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Seit dem ich den Begriff New Work das erste Mal gehört habe, frage ich mich was das eigentlich ist. Natürlich hätte ich mir wie immer ein Buch zu diesem wunderbaren Thema schnappen können um diese Frage zu beantworten, aber zum Glück begegnete ich auf der re:publika #rp19 2019 dem wunderbaren

Jörn Hendrik Ast von den https://newworkhero.es

der sich zu meiner großen Freude bereit erklärte diese Frage im Rahmen eines Interviews zu beantworten.

Selbstverständlich habe ich mir die Chance auf das Interview sofort gesichert und in diesem nicht nur erfahren, was der Begriff bedeutet, sondern auch herausgefunden, wie Jörn Hendrik sich die Zukunft unserer Arbeit vorstellt. Denn Jörn Hendrik ist jemand, der nicht nur über die Zukunft der Arbeit spricht, sondern sie aktiv mit erschafft.

Seine New Work Heroes sind Karrierecoaches, die seine Klienten dabei unterstützen ihre wahren Karrieresuperkräfte zu entdecken. Sobald der Klient dank der Arbeit der New Work Heroes weiß, was seine Karrieresuperkräfte sind, kann er sich einen Job suchen, der perfekt zu ihm passt.

Doch nun zurück zu der Frage, die dieses wunderbare Interview erst ermöglicht hat:

Was ist eigentlich New Work?

Was sich so „New“ anhört ist eigentlich ganz schön alt. Der Begriff New Work entdeckte 1974 dank Frithjof Bergman das Licht der Welt. Er fragte sich schon damals, was passieren würde wenn 100.000 Menschen auf einen Schlag arbeitslos werden würden. Er dachte über das Problem nach und kam zu dem Schluss, dass wir in diesem Falle eine andere Art der Arbeit brauchen würden und dieser anderen Art der Arbeit gab er den wunderbaren Namen New Work.

Frithjof sieht die Lösung in einer anderen Art der Lebenszeitaufteilung. Sein Modell schlägt vor, dass Menschen ihre Arbeitszeit nicht einem Arbeitgeber zur Verfügung stellen, sondern sie in folgende 3 gleich große Teile teilen sollte:

  • 1/3 Lohnarbeit
  • 1/3 Ehrenamt
  • 1/3 was wir wirklich wollen

Frithjofs Konzept sieht also vor, dass wir nur noch 1/3 unserer Zeit mit Lohnarbeit verbringen. Das klingt für die Meisten von uns sehr gut. Auch die Sache mit dem Ehrenamt ist für 43% der Deutschen sicherlich eine einfache Aufgabe

es engagieren sich 43% der Deutschen im Alter ab 14 Jahren freiwillig für die Gesellschaft, was 30,9 Millionen Menschen entspricht

https://www.britta-redmann.de/freiwilliges-engagement-als-produktiver-wirtschaftsfaktor/

Schwieriger ist die Sache mit dem „was wir wirklich wollen“. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich für meinen Teil hänge schon ewig an dieser Frage und kann sie nur wage beantworten.

Ob das der Grund ist, dass sich Frithjofs Konzept nicht sofort durchgesetzt hat, kann ich dir nicht sagen. Was ich dir sagen kann, ist das Jörn Hendrik jeden Tag aktiv an der Erschaffung der New Work arbeitet, indem er seinen Klienten dabei unterstützt herauszufinden, was sie wirklich wollen. Für Jörn Hendrik steht schon lange fest, dass die alte Arbeitswelt den Anforderungen der neuen digitalen Welt nicht mehr gerecht wird.

Internet und Co. brauchen New Work

Dank der Computer hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren radikal verändert und wird es auch in Zukunft weiter tun. Durch unsere digitalen Helferlein ist unser Leben schneller geworden. Wir warten nicht mehr tagelang auf einen Brief, der Informationen enthält, die wir dann in Ruhe in einem Meeting mit der Geschäftsleitung besprechen können. Informationen erreichen uns binnen Sekunden per Mail und Internet.

In der alten Welt konnten wir uns träge Entscheidungsprozesse erlauben, da die alte Welt träge war. In der heutigen Welt brauchen wir schnelle Entscheidungsprozesse. Und um dies zu erreichen, brauchen wir andere Strukturen. Strukturen, die wir als Arbeitnehmer zu ersten Mal in der Geschichte so aktiv mitgestalten können, wie nie zuvor.

Die alte Arbeitswelt

In der alten Arbeitswelt, die in Deutschland nach dem Krieg begann, gab es in jedem Unternehmen einen Chef, der die Richtung vorgab. Die Angestellten hatten den Job ihren Job zu machen. Was  der Chef sagte wurde gemacht. Auch wenn es aus Sicht des Angestellten keinen Sinn ergab.

Die Arbeitswelt war von der noch relativ neuen  Erfindung des Fließbandes geprägt. Jeder Angestellte, der eine eigene Meinung hatte, war wie Sand im Getriebe. Wer am Fließband arbeitet hatte tausende Male am Tag die Aufgabe ein und die gleiche Bewegung auszuführen. Wenn ihm in den Sinn kam das Fließband zu verlassen um mit dem Chef über eine neue Idee zu sprechen, bedeutete das einen Schaden für das ganze Unternehmen, denn in dieser Zeit hätte das Fließband stillgestanden.

Das Arbeitsverhältnis glich einer klassischen Familienstruktur in welcher der Chef die Rolle des Vaters und der Angestellte die Rolle des Kindes einnahm. Wenn der Vater sagte, dass das Kind den Teller leer zu essen hatte, dann war es pip egal, ob das Kind schon satt war. Keiner stand vom Tisch auf, bis der Teller nicht leer war. Und diese Regeln waren in dieser Zeit extrem wertvoll, denn sie erschufen brave kleine Fließbandarbeiter.

Die neue Arbeitswelt

Heute kenne ich kein Kind mehr, das seinen Teller aufessen muss. Die Erziehungsmethoden haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Heute ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Dreijährige ihren Eltern ganz genau erklärt, was sie heute anziehen wird und dass sie ohne das Einhorn-Shirt das Haus heute unter Garantie nicht verlassen wird. Unsere Kinder haben auch in der eigenen Erziehung eine Stimme bekommen und dürfen ihr Leben aktiver mitgestalten als je zuvor.

Das was in den letzten Jahren in unseren Familien passiert ist, muss in vielen Unternehmen in diesem Land noch geschehen. Wir als Mitarbeiter müssen begreifen, dass wir aktiv gestalten können. Wir als Chefs müssen in der Lage sein unseren Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übergeben. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass das nicht immer leicht sein wird. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Fehler passieren werden. Fehler, die es in der alten Struktur nicht gegeben hätte. Fehler die aber absolut notwendig sind, damit wir als Angestellte an ihnen wachsen können.

Um diesem Weg gehen zu können, brauchen wir Mut. Einen Fehler zu machen und erneut Anlauf zu nehmen braucht Kraft. Mut und Kraft entstehen, wenn wir uns selbst vertrauen, wenn unsere Arbeit für uns einen Sinn hat. Doch damit wir uns selbst vertrauen, müssen wir wissen wer wir sind und was wir wollen. Zum Glück gibt es immer mehr Coaches in Deutschland, die uns dabei helfen genau das herauszufinden. Einer von ihnen ist Jörn Hendrik, dem wir die Inspiration zu diesem wunderbaren Text verdanken.

New Work ist eine Heldenreise

Für Jörn Hendrik steht fest, dass in Jedem von uns ein Held steckt. Um ein New Work Hero zu werden ist lediglich eine Heldenreise erforderlich, die laut Jörn Hendrik in der Regel aus folgenden 5 Schritten besteht:

  1. Der New Work Hero wird sich darüber klar, dass er unglücklich mit dem eigenen Job ist und findet heraus was er nicht möchte.
  2. Der New Work Hero macht sich auf die Suche nach seinen Kompetenzen und findet heraus, was er kann.
  3. Der New Work Hero holt sich Hilfe, um seine Blockaden und Zweifel zu erkennen und findet heraus, was ihn aufhält.
  4. Der New Work Hero formuliert seine Bedürfnisse und Ziele und beantwortet die Frage wo er hin will.
  5. Der New Work Hero geht in die Umsetzung und stellt sich die Frage, wie er seine Ziele erreicht.

Wer New Work will, packt selber mit an

Damit die neue Arbeitswelt entstehen kann, ist jeder von uns gefragt. Wir alle sollten bereit sein in die Verantwortung zu gehen. Wir sollten lernen freiwillig überschaubare Risiken einzugehen. Wir dürfen nicht stumpf alles machen, nur weil der Chef es sagt. Wir sollten Dinge in Frage stellen. Wir sollten unser Arbeitsleben aktiv gestalten. Wir können New Work Heroes sein. Und wenn wir bereit sind, all das zu tun, erschaffen wir das Fundament für New Work. Das Fundament auf dem wir nicht nur eine neue Arbeitswelt, sondern auch eine neue Welt erschaffen werden.