Was ist ein Claqueur?

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Ich freue mich schon seit Tagen darauf diesen Post zu schreiben, denn er handelt von dem wahrscheinlich coolsten Job auf der ganzen Welt, von dem ich durch dieses Buch erfahren habe:

Robert B. Cialdini: Überzeugen im Handumdrehen. Wie und warum sich Menschen beeinflussen lassen

Wer klatscht ist ein…

Ein Claqueur ist jemand, der dafür bezahlt wird Beifall zu klatschen. Ich glaube es ist keine Frage, der Job dürfte damit zu den absoluten Traumjobs gehören. Der Name leitet sich übrigens vom französischen Wort claque ab, was übersetzt schlagen bedeutet. Ein Claquer ist ein Mensch, der die Hände aufeinander schlägt.

Die spannende Frage ist: warum Menschen jemanden fürs Klatschen bezahlt? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, schauen wir uns einmal das Thema Klatschen an. Wir klatschen, wenn wir unsere Begeisterung für etwas zum Ausdruck bringen wollen. In diesem Moment sind wir in der Regel Teil einer Menge. Das Spannende beim Klatschen in einer Menge ist, das es immer einen Menschen gibt, der mit dem Klatschen beginnt.

Wer klatscht mit?

Die Art seines Klatschens bestimmt oft darüber, ob das Klatschen von der Menge übernommen wird. Derjenige der mit dem Klatschen beginnt, geht mit seinem Klatschen ein gewisses Risiko ein. Wenn die Menge es übernimmt, fühlt er sich bestätigt und alles ist gut. Doch wenn die Menge das Klatschen nicht übernimmt, ist es dem Klatscher in der Regel peinlich, denn dann wandern die Blicke in seine Richtung und er fühlt sich isoliert. Die Blicke lasten auf dem Klatschenden und er stellt den Vorgang seiner akustischen Ruhestörung ein.

Für die meisten Menschen ist die Vorstellung der einzig klatschende zu sein eine gruselige Vorstellung. Daher sind die meisten Menschen Nachklatscher. Sie beginnen erst zu klatschen, wenn andere bereit klatschen.

Wer braucht einen Claqueur?

Musik
Musik

Da wir nun wissen was Klatschen ist, kommen wir zurück zu unserer Frage: Warum bezahlt man jemanden fürs Klatschen? Stell Dir vor Du bist ein Komponist. Du hast das letzte Jahr Deines Lebens damit zugebracht die Oper Deines Lebens zu komponieren. Es ist Dir gelungen ein Opernhaus zu finden, dass Deine Oper aufführt und heute ist der große Tag. Dein Herz rast. Der heutige Abend entscheidet darüber, ob Dein Lebenswerk zum Erfolg oder zum Misserfolg wird. Die Proben sind nicht sehr gut gelaufen, das Publikum hat nicht die erwarteten Reaktionen gezeigt. Selbst bei der herzzerreißenden Sterbeszene saß es fast anteilsnahmslos auf seinen Stühlen.

Freude
Freude

Dein Glück ist, dass der Inhaber des Opernhauses für diesen Abend Claqueure engagiert hat und zwar nicht irgendwelche, sondern ganz besondere. Im Publikum verteilt sitzen insgesamt 10 Claqueure. Jeder von ihnen hat bestimmte Stärken. Der eine ist ein besonders guter Anklatscher. Sein Klatschen ist so anregend, dass die Menge es garantiert übernimmt. Ein anderer ist besonders gut in begeisterten Zwischenrufen wie „Bravo“. Doch die echte Geheimwaffe heute Abend ist eine junge Frau, die auf Kommando herzzerreißend schluchzten und in Tränen ausbrechen kann.

Dann ist es soweit und die Oper beginnt. Die Claqueure machen ihren Job und das Publikum folgt ihnen. An diesem Abend ist jede Reaktion des Publikums wie erhofft. Sicherlich unvergessen wird der Moment bleiben in dem eine junge Frau bei der Sterbeszene in Tränen und Schluchzen ausbrach und damit andere Damen im Saal ansteckte. Die Open musste 10 Minuten Pause einlegen, bis der Saal sich wieder beruhigt hatte.

Claqueur – ein Selbstversuch

Dieses Beispiel zeigt, welche zentrale Rolle ein Claqueur spielt und warum er sein Geld wert ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich je einen Claqueur erlebt habe, daher habe ich den Job an diesem Samstag mal ausgetestet und teile hier meine Ergebnisse mit Dir:

Ich war in einer Zaubershow, die neben 5 Kindern 3 Erwachsene zählte und da ich nur einen der Menschen im Publikum kannte, hatte ich nichts zu verlieren. Das Publikum zeigte sich nach der ersten Nummer reserviert und ich beschloss die Verantwortung für das Klatschen zu übernehmen.

Die zweite Nummer des Zauberers quittierte ich mit begeistertem Klatschen, Lachen und woho Rufen und das Publikum ließ sich anstecken. Zum Glück war meine Begleitung immer bei mir und klatschte sofort fleißig mit. Damit hatten wir die volle Kontrolle über die Massen. 😂 Lediglich an einer einzigen Stelle setzte ich zu früh ein und erntete einen komischen Blick des Zauberers, aber das war es wert. Ich bin mir sicher, dass es mein Klatschen war, welches aus dieser Show einen Kracher machte. 😊

Sandwich
Sandwich

Ich muss unbedingt noch rausfinden, ob es den Job des Claquers heute noch gibt. Doch selbst wenn nicht, gibt es noch andere Jobs dieser Art die mir wie auf den Leib geschneidert sind. Erst kürzlich hat mir ein Bekannter erzählt, dass manche Restaurants Menschen dafür bezahlen, dass sie im Restaurant sitzen. Denn es ist nun einmal so, dass Menschen ungern in ein Restaurant gehen, in dem sich kein Kunde befindet. Ich find für den Job bin ich perfekt geeignet: Essen kann ich 😉 Die Frage ist nur, ob es da auch okay ist, dass ich beim Essen lese oder Schreibe. Was denkst Du?

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