Quit and Jump – Bewerbung geht heute anders – Das Interview Teil 1 von 2 (inkl. Checklisten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer)

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Unser heutiges Interview dreht sich um – für alle Beteiligten – nicht ganz einfache Thema Bewerbungen. Von dem „nicht ganz einfach“ kann unsere heutige Interviewpartnerin

Steffi Maaß, die Initiatorin von http://quitandjump.de/,

ein Lied singen. Wieso das so ist, erfährst Du jetzt:

Lupe, suche
Suche

Im letzten Jahr befand sich Steffi in einer herausfordernden Situation: Sie war unzufrieden mit ihrem Job, doch es gelang ihr trotz guter Ausbildung und genug eingeplanter Zeit für die Jobsuche nicht, nahtlos eine neue Festanstellung zu finden. Damals suchte sie Menschen in ihrem Umfeld, denen es ähnlich ging und mit denen sie sich gern austauschen wollte, wie sie mit der Situation und drohender Arbeitslosigkeit umgehen.

Was vor einiger Zeit als Single Abenteuer begann ist inzwischen eine Bewegung namens „Quit and Jump“ und Steffi ist auch nicht mehr allein, denn inzwischen treffen sich monatlich unterschiedliche Menschen mit ihr, die von ihrem „Sprung ins kalte Wasser“ berichten. Entweder haben sie selbst gekündigt oder spielen schon lange mit dem Gedanken, sich beruflich zu verändern. Alle tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig.

Was ist Quit and Jump?

Um diese Frage zu beantworten, macht ein kurzer Abstecher in Steffis Lebensgeschichte Sinn. Steffi ist eine Geisteswissenschaftlerin, arbeitete in einer Agentur, einem Konzern, sammelte 10 Jahre Berufserfahrung und bildete sich weiter. Obwohl sie im Grunde zufrieden war, stellte sie sich trotzdem die Fragen:

  • „Ist das alles, was ich im Leben erreichen werde?“
  • „Ist dieser Job das Beste, was ich mit meiner Lebenszeit anfangen kann?“
  • „Kann ich irgendwo mehr Sinn stiften?“

Egal, wie sehr Steffi versuchte diese Fragen bei Seite zu schieben, sie blieben immer präsent und nagten an Steffis Glück und Zufriedenheit.

Ein wichtiger Schritt

Im letzten Jahr stellte sie sich dann ihrer beruflichen Neuorientierung und das fühlte sich extrem schwer an. Heute ist Steffi unendlich froh über diesen Schritt. Denn sie hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Menschen zusammenzubringen, die an einer ähnlichen Stelle stehen, sich zu treffen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. Und genau das tut Quit and Jump. Mit Quit and Jump begleitet Steffi ehrenamtlich Jumper auf ihrer Reise der beruflichen Neuorientierung.

Was sind Jumper?

Jumper sind bspw. Menschen, die in ihrem aktuellen Job nicht mehr zufrieden sind, Ihren Job aufgeben, sich eine Auszeit nehmen und/oder sich in Ruhe Gedanken machen, welchen Job sie in Zukunft machen wollen. Jumper sind Menschen, die nicht selbstständig sein wollen, aber dennoch einen Job suchen, der sie finanziell absichert und inhaltlich erfüllt. Jumper sind also Menschen, die sich der beruflichen Neuorientierung stellen und mit voller Energie und Elan den nächsten Karriereschritt angehen.

Jeden Jumper erwartet ein Bewerbungsprozess, der, grade weil Bewerbungsprozesse oft schlecht organisiert sind, unglaublich viel Kraft kostet (manche Menschen bringen diese Kraft neben dem aktuellen Job auf, andere wählen bewusst eine Auszeit).

Buch offen
Geschichten

Nun könnten wir an dieser Stelle viele Geschichten über schlechte Bewerbungsprozesse und unglaubliche Erlebnisse erzählen. Dies wäre zugegebenermaßen durchaus unterhaltsam, aber nicht zielführend. Daher hat Steffi sich die Zeit genommen und unser gemeinsames Interview genutzt, Tipps für einen besseren Bewerbungsprozess zu geben. Natürlich liegt es nicht in ihrer Hand, sondern in Deiner und der aller anderen Leser, diesen neuen Bewerbungsprozess zum Leben zu erwecken. Doch bevor wir uns mit dem Neuen beschäftigen, werfen wir einen kurzen Blick auf den Status Quo.

Der Bewerbungsprozess im Jahr 2019

Wir leben in einem sogenannten Arbeitnehmermarkt – in den letzten Jahren erfolgte ein Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt. Früher buhlten Bewerber um Jobs bei Unternehmen, heute buhlt das Unternehmen um den Bewerber. Gleichzeitig klagen die Unternehmen über Fachkräftemangel und an vielen Geschäften, an denen wir vorbeilaufen, hängen neben der aktuellen Ware auch Stellenanzeigen aus. Die Unternehmen suchen teilweise verzweifelt nach Angestellten (bspw. kleine und traditionelle Firmen) und Bewerber können sich aus dem breiten Angebot der Jobs die Rosinen herauspicken, soweit zumindest die Theorie. Werfen wir nun einen Blick auf die Praxis.

Der Bewerbungsprozess aus Sicht des Arbeitgebers

Vor vielen Jahrzehnten war das Suchen nach einem Bewerber eine relativ einfache Geschichte. Der Unternehmer meldete dem Arbeitsamt seinen Bedarf und schaltete eine Stellenanzeige in den regionalen Zeitungen und Zeitschriften. Danach hieß es Abwarten und Tee trinken, denn häufig flatterten die ersten Bewerbungen schon nach kurzer Zeit ein.

Heute ist die Aufgabe, einen neunen Mitarbeiter zu finden, nicht mehr ganz so einfach. Jedes Unternehmen, das aktuell nach einem neuen Mitarbeiter sucht, muss sich damit anfreunden, dass es viele Wege zum Ziel gibt, von denen wir hier nur einige benennen:

  • Die klassische Stellenanzeige
  • Empfehlungen von Mitarbeitern
  • Personalvermittler
  • Headhunter
  • Active Sourcing
  • Business Netzwerke
  • Social Media
  • Karrierewebsites
  • Videos
  • Und weitere….

Nicht jedes Unternehmen hat die Zeit, die Ressourcen oder das Wissen, um alle genannten Kanäle zu nutzen. So zählt auch heute die traditionelle Stellenanzeige oft zum ersten Mittel der Wahl.

Hat das Unternehmen sich für die Ausschreibung entschieden, steht es vor der nächsten Herausforderung:

  • Was soll in der Stellenanzeige stehen?
  • Und wie heißt eigentlich die Jobbezeichnung für die Position?
  • Wen suchen wir genau?
  • Was bieten wir dem Beweber?

Vor 50 Jahren konnten Unternehmen einfach eine Stellenanzeige schalten, die bspw. je nachdem welchen  Verkäufertypen sie suchten, lautete:

  • Verkäufer für Ladengeschäft gesucht
  • Verkäufer für Außendienst gesucht
  • Verkäufer für Innendienst gesucht

Heute ist es nicht mehr so einfach, dank der Internationalisierung der Märkte und der Öffnung des Arbeitnehmermarktes über Landesgrenzen hinweg, sind die Jobbezeichnungen vielfältiger und internationaler geworden. Was früher ein Verkäufer war, ist heute ein Sales oder ein Junior Account Manager oder oder oder… Die Frage lautet also nun: was genau suchen wir, aber auch: mit welchem Titel finden wir den richtigen Bewerber? Denn heute ist nicht mehr sicher, dass Bewerber und Unternehmen unter dem gleichen Jobtitel auch das gleiche verstehen.

Anzeige Schreiben

Hat das Unternehmen die richtige Jobbezeichung gefunden, geht es mit dem Texten der restlichen Stellenanzeigenabschnitte weiter. Für alle Unternehmen, die eine Human Ressources Abteilung haben, ist das keine große Herausforderung, denn in dieser Abteilung sitzen schließlich Menschen, die genau wissen (sollten), was sie tun. Doch nicht jedes Unternehmen in Deutschland hat die Ressourcen über eine eigene Human Ressources Abteilung zu verfügen.  Hier sind beim Texten der Stellenanzeige oft die Assistenz der Geschäftsleitung, Fachbereiche oder der Unternehmer selbst gefragt.

Nachdem sich intern ein Verfasser für das Schreiben der Anzeige gefunden hat, steht dieser u.a. vor der Frage: was soll in die Stellenanzeige und was darf da aus rechtlichen Gründen nicht rein?

Beispiel: Ein Unternehmen sucht vielleicht einen starken Mann für das Lager, der in der Lage ist, extreme körperliche Belastung über den Tag auszuhalten, doch das darf das Unternehmen in seiner Stellenanzeige nicht schreiben, denn das wäre Diskriminierung, schließlich gibt es auch starke Frauen, die diesen Job aushalten können. Es mögen weniger Frauen als Männer sein, aber da es sie gibt, dürfen sie nicht ausgeschlossen werden. Außerdem muss jedes Geschlecht in der Stellenausschreibung berücksichtigt werden, um eine Diskrimminierung auszuschkießen. Deshalb finden wir in den Ausschreibungen immer den Zusatz (w/w/d) = männlich/weiblich/divers.

Am Ende steht mit etwas Glück eine Stellenanzeige, die den gesetzlichen Regularien entspricht und die perfekten Bewerber anspricht. Um Euch das Verfassen einer Stellenanzeige zu erleichtern, hier eine Checkliste:

Das sollte jede Stellenanzeige bieten

  • Unternehmensbeschreibung
  • Visual: Foto und Logo
  • Gesuchte Jobbezeichnung (männlich/weiblich/divers)
  • Angaben zu Arbeitszeit (Vollzeit/Teilzeit), Beginn und Befristung/Unbefristet
  • Ort 
  • Homeoffice ja/nein
  • Wir suchen
  • Ihr Profil
  • Wir bieten
  • Den Namen eines Ansprechpartners
  • Die Telefonnummer des Ansprechpartners
  • Die E-Mailadresse des Ansprechpartners
  • Die  Erreichbarkeitszeiten des Ansprechpartners
  • Link zur Website
  • Welche Unterlagen werden vom Bewerber gebraucht?
  • Welche Daten werden vom Bewerber gebraucht?
  • Wird ein Anschreiben gebraucht, wenn ja, was soll in diesem stehen?

Der Bewerbungsprozess aus Sicht des Bewerbers

Nun wechseln wir einmal die Perspektive und schauen uns die Stellenanzeige aus Sicht eines Bewerbers an.

Der Bewerber ist grade auf der Suche nach einem Job. Auch hier steht aus Tradition die klassische Stellenanzeige noch immer hoch im Kurs, nur wird diese heute nicht mehr nur in Zeitungen gesucht, sondern auch auf einschlägigen Jobportalen oder beruflichen Netzwerken wie Xing und LinkedIn (und fast jeder davon stellt bereits eine App zur Verfügung). Zuerst stellt man sich die Frage: was suche ich bzw. nach welcher Jobbezeichnung suche ich? Diese Bezeichnung benutze ich für die Suche nach der passenden Stellenanzeige.

Checkliste: Hier findest Du Stellenanzeigen

Stellenanzeigen per E-Mail

Dank der Digitalisierung ist das Finden von Stellenanzeigen zwar extrem leicht geworden, aber es gibt auch sehr viele online. Bewerber müssen sich nicht jeden Tag eine Zeitung kaufen, in der Regel reicht das Öffnen des eigenen Mail Postfaches, denn in diesem erwarten einen fast täglich Jobvorschläge der zuvor besuchten Portale (die Aktivierung der Newsletter erfolgt natürlich freiwillig und nach gewünschten Parametern, der Zusendung muss aktiv zugestimmt werden). Die neue Herausforderung lautet nun: aus der Flut an Stellenanzeigen die richtigen zu identifizieren, bei denen sich eine Bewerbung lohnt.

Auch das Bewerben auf Stellenanzeigen ist Dank Digitalisierung an manchen Stellen viel leichter geworden. So gibt es bei LinkedIn inzwischen oft die Möglichkeit, sich nur mit seinem (dort hinterlegten) Lebenslauf zu bewerben.

Formular

Andere Unternehmen wiederum nutzen die Digitalisierung für die Entwicklung eines eigenen Online-Bewerbungs-Prozesses. So schön das ist, stellt es manch einen Bewerber vor die Herausforderung, sich minutenlang durch Formulare zu arbeiten, bei denen evt. am Ende das Absenden der Daten nicht möglich ist, weil eine hochzuladende Datei nicht mit dem System des Unternehmens kompatibel ist.

Früher konnten sich Bewerber einen schönen Bewerbungsratgeber schnappen und nach dessen Empfehlungen alle erforderlichen Unterlagen zusammenstellen. Heute ist jede einzelne Bewerbung eine kleine (aufwendige) Abenteuerreise, an deren Beginn nicht klar ist, wie sie enden wird. Der Lebenslauf muss aktuell sein, alle Unterlagen sollten digital zur Verfügung stehen und Foto und Unterschrift müssen vorab gescannt werden. Und dann darf eine bestimmte Dateigröße nicht überschritten werden, um das Zusammengestellte erfolgreich zu verschicken oder hochzuladen. Ist das erfolgreich gelungen, verlieren Bewerber oft nach einigen Wochen den Überblick, wo sie sich bereits beworben haben und wann  – es sei denn, sie bereiten sich gut vor.

Wenn in dieser Situation eine Rückmeldung vom Unternehmen kommt, beginnt die hektische Suche nach Informationen, wo man sich eigentlich beworben hat. Daher haben wir hier einmal eine Checkliste zusammengestellt, die diese Situation vermeiden kann.

Checkliste: Der richtige Umgang mit Stellenanzeigen

  • Lege dir auf deinem Laptop oder deinen PC einen Ordner „Bewerbungen“ an.
  • Speichere in diesem Ordner die Bewerbungen nach Unternehmen in eigenen Ordner ab.
  • Die Bewerbung umfasst: Ausschreibung als PDF aus dem Internet, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate usw.
  • Erstelle dir eine Excelliste zur Übersicht: wo beworben, wann, Stelle, Rückmeldung, Status etc.

Nach der Bewerbung

Bis zu diesem Punkt haben wir uns angeschaut, wie die Stellenanzeige und wie die Bewerbung entsteht. Dank diesen beiden kommt der Erstkontakt (hoffentlich) zustande. Nun startet auf beiden Seiten ein Prozess. Das Unternehmen muss prüfen, ob der Bewerber passt und der Bewerber wartet auf ein Feedback. Und an dieser Stelle machen wir für heute Schluss, denn dieser Prozess ist Bestandteil unseres zweiten Interviewteils.