4,6 min readPublished On: 6. Mai 2020By Tags: Categories: Bücher, Wissen

Statusorientierte Kommunikation vs. Kommunikation auf Augenhöhe

Meine Frau.

Erinnerst Du Dich noch an diese wunderbare „Mein Haus, mein Auto, meine Frau“ Werbung, bei der sich zwei Männer nach langer Zeit wiedertreffen und sofort klären müssen, wer von ihnen der erfolgreichere ist. Voller Stolz legt der erste Mann ein Bild von seinem Haus, seinem Auto und seiner Frau auf den Tisch und freut sich auf die Bewunderung seines Gegenübers. Doch dieser dreiste Kerl denkt nicht daran, die Fotos zu bewundern, sondern zückt seinerseits 3 Bilder, die sein Haus, sein Auto und seine Frau zeigen. Beim Anblick der Bilder vergeht dem ersten Herrn das breite Grinsen und sein Stolz wird zu einem Häufchen Asche. Denn was er auf den neuen Bildern sieht ist immer mindestens eine Klasse besser als sein „Besitz“. Diese kleine Werbung veranschaulicht perfekt, was

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als statusorientierte Kommunikation bezeichnet.

Statusorientierte Kommunikation – Wer mehr hat, gewinnt

Bei der statusorientierten Kommunikation geht es darum, schnell eine Rangordnung zwischen zwei Menschen herzustellen. In einer Welt in, der Organisationen und Unternehmen streng hierarchisch organisiert waren, war das eine wertvolle Fähigkeit, um sich seine Position zu sichern und wertvolle Ressourcen zu sparen.

Die sind alle so viel besser als ich.

Auch ich habe mich lange Zeit von dieser Art der Kommunikation beeindrucken lassen und mich immer gefragt, wie diese genialen Menschen all das erreichen, was für mich unerreichbar schien. Damals fühlte ich mich immer wie ein Verlierer, wenn ich auf Menschen traf, die viel jünger waren als ich und schon viel mehr erreicht hatten. Ich fragte mich, was ich im Leben falsch gemacht hatte. Irgendwann zwischen meinem ersten und 25. Lebensjahr hatte ich offensichtlich versagt. Denn in dieser Zeit hatte ich lediglich mein Studium in der Regelzeit abgeschlossen, während alle anderen neben ihrem Studium noch zahlreiche großartige Praktika in aller Welt absolviert hatten. Während andere durch die Welt jetteten und das echte Leben kennenlernten, studierte ich brav und finanzierte mir das Studium durch einen Job im Verkauf.

Im Rennen um den Status hatte ich damals ganz klar den Kürzeren gezogen und hoffte insgeheim, irgendwann einmal an der Spitze der Nahrungskette zu stehen und die Anderen bald mit dem beeindrucken zu können, was ich alles erreichen würde. Für mich stand damals klar fest, dass ich irgendwann einmal irgendwo das Sagen haben wollte.

Ranghöchster und dennoch kein Gewinner

Zum Glück scheiterte ich mit diesem Vorhaben und gelang stattdessen in den folgenden Jahren zu einer Erkenntnis, für die ich heute unglaublich dankbar bin. Ich erkannte, dass Status für mich nicht erstrebenswert ist, weil Status

  • einsam macht,
  • oft mit einem Gefühl der Leere verbunden ist,
  • Augenhöhe verhindert.
Das Auto gehört bestimmt seinem Vater.

Die Sache mit dem Status ist die: Dinge machen nicht glücklich. Sie nehmen Dich nicht in den Arm, wenn Du einsam bist. Sie lieben Dich nicht. Ganz im Gegenteil, oft verhindern sie Nähe zu anderen Menschen. Wenn alle damit beschäftigt sind, besser sein zu wollen als der Rest, bleibt das Wichtigste auf der Strecke: Die Menschlichkeit. Das, was in diesem Rennen entsteht, ist nicht Bewunderung für den Sieger, sondern viel zu oft Neid und Missgunst. Denn wer danach strebt, der Beste zu sein, sorgt automatisch für viele Verlierer. Gewinnen kann immer nur einer, und Neid und Missgunst können selbst den Gewinner irgendwie zum Verlierer machen.

Kommunikation auf Augenhöhe

Wow, Du bist voll der Rockstar.

Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, wie schön es ist, den Status Status sein zu lassen und mit Menschen auf Augenhöhe zu kommunizieren, wenn meine Nase nicht gerade in einem Buch steckt. Wenn ich heute ein Gespräch eröffne, geht es mir darum, mein Gegenüber kennen zu lernen und ihm eine Bühne zu geben. Ich schaue den Menschen dabei an und will herausfinden, was an ihm großartig ist, und ich lasse in aller Regel nicht los, bevor ich den großartigen Punkt gefunden habe, um ihn dann voller Stolz meinem Gegenüber zu präsentieren. Ja, Du hast richtig gelesen, ich sage meinem Gegenüber, warum ich finde, dass mein Gegenüber großartig ist und ernte dafür nicht selten ein freudiges Glänzen in den Augen, das für mich unbezahlbar ist. In diesem Moment gibt es in meiner Wahrnehmung zwei Gewinner und keinen Verlierer.

Fazit

Gemeinsam erreichen wir mehr.

Seitdem ich auf Augenhöhe kommuniziere und nicht mehr danach strebe, als bester Verkäufer auf der ganzen weiten Welt wahrgenommen zu werden, haben sich mein Leben und mein Umfeld radikal verändert. Plötzlich geht es nicht mehr darum, der Beste zu sein, sondern darum, gemeinsam mehr zu erreichen, und das fühlt sich unglaublich großartig an. Wohin genau dieser Weg führen wird, kann ich noch nicht sagen. Aber ich bin mir sicher, dass es großartig werden wird.

An dieser Stelle interessieren mich Deine Erfahrungen brennend. Kennst Du Menschen, die ihr Status glücklich macht? Wie fühlst Du Dich in Situationen, die von statusorientierter Kommunikation geprägt sind? Wie fühlst Du Dich in Situationen, in denen Du auf Augenhöhe kommunizieren kannst?