Warum geben wir eigentlich den Löffel ab?

Warte, ich habe meinen Löffel noch.

Nein, keine Sorge, heute geht es nicht um die Frage, warum wir sterben, sondern um die Frage, warum wir die Redewendung „den Löffel abgeben“ nutzen, wenn wir über das Sterben sprechen.

Gestolpert bin ich über die Redewendung bei

Rüdiger Standhardt: Die Kunst, den Tod ins Leben einzuladen. Denkanstöße für einen achtsamen Umgang mit Sterben, Tod und Abschied.

Der Autor erwähnt die Redewendung, um zu erklären, woher eine Löffel-Liste ihren Namen hat:

„Dies ist eine Liste, die erstellt wird, bevor wir »den Löffel abgeben«.“

S. 104.

Über die Herkunft der Redewendung lässt uns unser Autor anschließend im Dunkel. Doch er nimmt sich die Zeit, seinen Lesern folgende drei Fragen an die Hand zu geben, die für die Erstellung einer eigenen Löffel-Liste wichtig sind:

  • Was sind Deine 3 Herzenswünsche?
  • Was möchtest Du von dieser Welt noch sehen?
  • Was willst Du auf dieser Welt hinterlassen?

Ich bin gespannt, ob unser Lexikon uns mehr zu diesem Thema verraten kann.

Was das Lexikon sagt

Heute freue ich mich sehr darüber, dass unser Lexikon auch einen Band für Redewendungen enthält. In diesem gibt es folgenden Eintrag zu unserer heutigen Redewendung.

Den Löffel abgeben (auch: hinlegen; fallen lassen; wegeschmeißen) Der Löffel steht in dieser saloppen Wendung für die lebensnotwendige Tätigkeit des Essens. Das Ende des Lebens wird verhüllend als Ende der Nahrungsaufnahme umschrieben: Wenn der Mensch stirbt, dann gibt er den Löffel ab oder legt ihn hin, lässt ihn fallen oder schmeißt ihn weg. In den beiden letzten Versionen sagt die Wahl des Verbs zugleich etwas über die Art des Sterbens aus: »fallen lassen« deutet darauf hin, dass der Tod überraschend und plötzlich kam: »wegschmeißen« beinhaltet, dass einem entweder das Leben lästig geworden ist und man sich dann befreit, d. h. sich das Leben nimmt, oder aber – wie in dem folgenden Beispiel aus Ernst Penzoldts. Erzählung »Korporal Moorburg« – dass die Sache, wofür man gestorben ist den Einsatz des Lebens nicht lohnt: Das dauert noch ein bisschen, bis euer alter Großvater den Löffel abgibt. »Der Soldat stirbt auch nicht, er fällt, oder er hat den Löffel weggeschmissen.« (S. 13).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit. Zitate und Redewendungen, Band 20, S. 396.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch mir war nicht bewusst, dass es drei weitere Versionen der Redewendung gibt. Zudem finde ich es spannend, dass der Lexikon-Eintrag sich auf die Vergangenheit anderer Personen und nicht auf die eigene Zukunft bezieht. Während unser Autor die Redewendung nutzt, um etwas zu erklären, das die Planung des Lebens betrifft, nutzt unser Lexikon die Redewendung, um etwas über die Art und Weise des Todes eines Menschen zu sagen.

Da sich unser Lexikon ausführlich den Versionen

  • Den Löffel fallen lassen
  • Den Löffel wegschmeißen

widmet, bin ich nun neugierig, ob auch hinter den Versionen

  • Den Löffel abgeben
  • Den Löffel hinlegen
Moment, es gibt Menschen, die nicht einmal einen Löffel besitzen?

eine tiefere Bedeutung steckt. Lass uns doch mal schauen, ob das Internet mehr hierzu weiß.

Was das Internet sagt

Wikipedia verrät uns mehr zu der Version den Löffel abgeben. Hier erfahren wir, dass arme Menschen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in der Regel kein eigenes Besteck-Set besaßen, sondern nur einen eigenen Löffel hatte, der nicht selten selbst geschnitzt war. Im Schwarzwald gab es die Tradition, den Löffel des Verstorbenen nicht weiterzugeben, sondern diesen an der Wand anzubringen.

Anders erging es den Knechten. Diese waren so arm, dass sie noch nicht einmal einen eigenen Löffel besaßen. Sie bekamen ihre Löffel von den Bauern gestellt und mussten sie abgeben, wenn sie zum nächsten Bauern weiterzogen. Wenn sie verstarben, wurde der Löffel einfach an den nächsten Knecht weitergegeben.

Trotz langer Suche, habe ich keine Webseite gefunden, die die tiefere Bedeutung der Version den „Löffel hinlegen“ erläutert.

Fazit

Dass ich so wenig über eine mir so vertraute Redewendung wusste, überrascht mich wieder einmal. Spannend und irritierend zugleich finde ich es, dass die Redewendung auf einen bereits Verstorbenen angewendet wird. Normalerweise nutze ich die Redewendung, um über die Zukunft zu sprechen. Daher bin ich nun neugierig: Wie und in welcher Version verwendest Du die Redewendung?

24. Februar 2023
Werbehinweis, der besagt, dass das Buch zu diesem Beitrag von einem Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.
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Buchcover Rüdiger Standhardt: Die Kunst, den Tod ins Leben einzuladen. Denkanstöße für einen achtsamen Umgang mit Sterben, Tod und Abschied
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