2,6 min readPublished On: 14. Dezember 2021By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Warum ist der Gedanke an einen rosa Elefanten trotz Verbot unvermeidlich?

Denke nicht an mich.

Kennst Du folgendes Phänomen: Du versuchst einen bestimmten Gedanken nicht zu denken und schon scheint er Dir nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Zum Beispiel weißt Du genau, dass noch eine Tüte Gummibärchen im Schrank liegt, die Du nicht essen möchtest. Doch je mehr Du versuchst, nicht an diese Tüte zu denken, desto öfter denkst Du an die Bärchen, deren Überlebenschance mit jedem Gedanken an sie ein Stückchen weiter sinkt.

Vor langer Zeit habe ich von unterschiedlichen Verkaufstrainern gelernt, dass die Gedanken an Dinge, an die wir nicht denken wollen, dem Wort „nicht“ geschuldet sind. Laut dieses Artikels liegt das daran, dass unser Gehirn mit Bildern arbeitet. Wenn wir also das Wort rosa Elefant hören und aufgefordert werden, nicht an einen rosa Elefanten zu denken, stellen wir uns dennoch einen rosa Elefanten vor, weil unser Gehirn kein gegenteiliges Bild zum rosa Elefanten erzeugen kann.

Bei

Nir Eyal: Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen. Indistractable – Werden Sie unablenkbar

ist mir nun ein zweiter Erklärungsansatz für den Gedanken an den rosa Elefanten begegnet, den ich heute mit Dir teilen möchte.

Die Ironische Prozesstheorie

Zeit, Uhr

Ein Gedanke pro Minute.

Aufgrund der Untersuchungen des Wissenschaftlers Namens Daniel Wegner erblickte 1994 der Begriff „ironische Prozesstheorie“ das Licht der Welt. Daniel hatte Teilnehmer an einer Studie gebeten, nicht an einen weißen Bären zu denken. Trotz dieser Bitte dachten die Studienteilnehmer durchschnittlich einmal pro Minute an einen weißen Bären.

Daniel fand heraus, dass das Gehirn bei der Anweisung, nicht an einen weißen Bären zu denken, einen entsprechenden gedanklichen Kontrollprozess auf die Beine stellt, der überprüft, ob wir aktuell wirklich nicht an einen weißen Bären denken. Das Ironische an diesem Kontrollprozess ist, dass wir durch ihn automatisch an einen weißen Bären denken, weil wir gedanklich überprüfen, ob wir gerade wirklich nicht an ihn denken.

Nach Auffassung von Daniel ist es schon eine seltsame Ironie, dass der gedankliche Kontrollprozess zur Überprüfung, ob wir nicht an einen weißen Bären denken, zum Gegenteil und damit zum Scheitern des Vorhabens führt. Daher entschied er sich dazu, dem Phänomen den wunderbaren Namen „ironische Prozesstheorie“ zu verpassen.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich finde beide Erklärungsansätze nachvollziehbar und hilfreich für den Alltag. Mit hat der Nicht-Ansatz dabei geholfen, Dinge bewusst positiv zu formulieren, um negative Gedanken zu minimieren. Statt also mein Gehirn darum zu bitten, nicht an Krieg und Schmerz zu denken, bitte ich es einfach, an Frieden und Freude zu denken.

Mich fasziniert, dass mir der Erklärungsansatz von Daniel noch nie zuvor begegnet ist. Ich bin gespannt, ob es mir gelingen wird, aus dieser Theorie etwas abzuleiten, das im Alltag ähnlich hilfreich ist wie das Vermeiden negativer Gedanken.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Kennst Du noch andere Erklärungsansätze für das „Rosa-Elefanten- / Weiße-Bären-Phänomen?