Warum müssen wir an etwas vorbeisehen, wenn wir etwas wirklich sehen wollen?

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30ml

30ml sind das Volumen, das unsere Augenhöhlen fassen, in denen unsere Augen ruhen. Bei normalen Flüssigkeiten sind, Medikamente und Co. ausgenommen, 30ml von irgendwas nicht viel. Ein Glas Saft mit 30ml würde wahrscheinlich keinen Durst löschen können. Doch wenn es um unser Auge geht sind 30ml viel. Diese 30ml Volumen

  • schenken uns Farben,
  • schenken uns den Nachthimmel,
  • schenken uns die Freude einander zu erkenn
  • helfen uns Autos und Co. rechtzeitig zu erkennen
  • usw.

Kurz gesagt das Auge ist ein Meisterwerk der Natur. Es schenkt uns ein detailgetreues Abbild unserer Umgebung. Zumindest glaubte ich das, bis ich

Herman Scherer: Schatzfinder. Warum manche das Leben Ihrer Träume suchen – und andere es längst leben

gelesen habe. Dieses Buch hat mir in Sachen Auge die Augen geöffnet.

Der blinde Fleck – Unsere Augen spielen uns etwas vor

Toter Winkel

Beim Autofahren weiß ich, dass ich immer auf den toten Winkel achten muss, weil dieser das Lieblingsversteck von Radfahrern ist. Was ich allerdings nicht wusste, ist dass wir auch außerhalb des Autos einen Sehfehler haben. Dieser Sehfehler trägt den schönen Namen der blinde Fleck. Das ist ein kleiner Punkt in der Mitte unseres Auges der keine Sehzellen hat. Dieser Fleck ist konstruktionsbedingt. An dieser Stelle laufen die Fasern der Sehzellen zusammen und lassen keinen Platz für Sehzellen.

Ich sehe keinen Fleck.

Der Witz ist, dass wir trotz dieses Konstruktionsfehlers kein kleines schwarzes Loch in der Mitte unseres Bildes haben. Wenn ich meinen Monitor anschaue, sehe ich alles klar und deutlich und es fehlt kein Bildpunkt. An dieser Stelle füllt unser Hirn einfach die fehlenden Informationen auf. Mein Bildschirm ist in diesem Augenblick zum größten Teil weiß, also weiß mein Gehirn, dass es die fehlenden Informationen, die das Auge dank des blinden Fleckes nicht liefert mit Weiß ersetzen muss.

Das ist bestimmt schwarz da.

Im Falle meines Bildschirms ist diese Technik genial. Wenn es allerdings um die Beobachtung von Sternen geht, kann es uns passieren, dass wir den Stern, den wir sehen wollen, nicht sehen, weil wir ihn direkt anschauen. In dieser Situation sieht unser Gehirn, dass der Himmel zum größten Teil schwarz ist und ersetzt den blinden Fleck, an dem sich der Stern befindet mit schwarz und macht den Stern so unsichtbar. Um den Stern sehen zu können müssen wir an ihm vorbeischauen.

Biologen nennen diese Fähigkeit des Gehirns übrigens filling-in. Doch dieser englische Begriff bedeutet nicht, dass der blinde Fleck eine neue Entdeckung ist. Der blinde Fleck wurde 1660 von Edme Mariotte entdeckt.

Fazit

Da war ein Vogel.

Wir sehen das was unser Gehirn uns sehen lässt. Wir nehmen wahr was wir wahrnehmen wollen bzw. was wir wahrnehmen wollen. Stell Dir vor zwei Menschen, sind die zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind. Stell Dir nun vor Du fragst sie am nächsten Tag was sie gesehen haben. Die eine Person erzählt Dir von der Mutter mit den 3 Kindern, die auf dem Spielplatz gespielt haben, die andere Person erzählt Dir, dass da dieser ganz besondere Vogel war. Aber weder die eine noch die andere Person können die Aussage des anderen bestätigen, weil die eine Person die Mutter und die andere Person den Vogel einfach nicht wahrgenommen haben.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der blinde Fleck und unser Wahrnehmungsfilter viele Dinge auf der Welt erklären. Doch bevor ich nun philosophisch werde, beende ich diesen Text und wünsche Dir einen großartigen Start in den Tag.