Was ist ein Barcamp?

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Was ist eine Unkonferenz?

Auch wenn Barcamp nach Bar und Camping klingt, hat es mit beidem nichts zu tun. Viele Menschen beantworten die Frage „Was ist ein Barcamp?“ einfach mit „Ein Barcamp ist eine Unkonferenz.“ und stiften damit mehr Verwirrung als Klarheit. Aus diesem Grund schauen wir uns im ersten Schritt an, was eine Unkonferenz ist.

Was ist eine Unkonferenz?

Ich habe eine Idee für einen Workshop.

Eine Unkonferenz ist eine Konferenz, bei denen fast alle Regeln einer Konferenz über den Haufen geworfen werden. So gibt es bei einer Unkonferenz zwar einen Ort und eine Dauer, aber in der Regel kein vorgegebenes Thema, keinen detaillierten Themenplan und keine gebuchten Speaker. Dennoch gibt es Vorträge und Workshops. Das funktioniert, weil sich beim ersten Frühstück der Konferenz einige Konferenzteilnehmer bereit erklären Vorträge und Workshops zu Themen zu halten, die sie selbst und andere interessieren. Über diese Vorschläge von Teilnehmern wird beim klassischen Barcamp dann per Handzeichen abgestimmt: Heben viele die Hände bekommt der Vortrag einen großen Raum, sonst einen kleineren oder (wenn niemand Interesse zeigt) eben keinen Raum.

Es gilt das Gesetz der zwei Füße.

Für die Besucher der Konferenz bedeutet das, dass sie erst jetzt erfahren, welche Themen in den kommenden zwei Tagen auf sie warten. Wenn ein Besucher ein spannendes Thema in einem der Vorträge findet, geht er zu dem Vortrag. Doch auch bei einer Unkonferenz gibt es Vorträge, die nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Ist dies einmal der Fall gilt das Gesetz der zwei Füße.

Was ist das Gesetz der zwei Füße?

Das war wohl nichts.

Das Gesetz der zwei Füße besagt, dass jede Veranstaltung auf einem Barcamp zu jeder Zeit verlassen werden kann. Auf diese Weise verlieren die Besucher des Camps keine wertvolle Zeit und der Referent hat ein unmittelbares Feedback zu seinem Vortrag. Sitzt er am Ende allein im Raum, bedeutet das wohl, dass sein Vortrag noch Luft nach oben hat.

Ich habe da noch eine Frage

Ich für meinen Teil habe das Gesetz noch nicht ganz verinnerlicht. Vielleicht bin ich einfach zu neugierig. Wenn es einmal geschieht, dass nur noch wenige Menschen im Raum sind, fange ich einfach an dem Referenten die Fragen zu stellen die mich interessieren. Das großartige daran ist, dass dies nicht nur für mich viele Informationen bringt, sondern auch der Referent das Gefühl hat, dass er vielleicht wenige, dafür aber sehr interessierte Zuschauer hat.

Was ist ein Barcamp?

Ein Barcamp ist eine Art Lernbuffet mit Häppchen, bei dem in kurzen unkomplizierten Vorträgen und Workshops aktuelles Wissen transportiert wird. Die Besucher eines Barcamps brauchen also keinerlei Vorbildung und dürfen sich auf ein Lernen auf Augenhöhe freuen. Alles was ein Barcamp Besucher wirklich mitbringen sollte ist eine große Portion Neugier und ein wenig Abenteuerlust.

Übrigens wusste auch ich bis vor kurzem nicht was ein Barcamp ist. Zum Glück haben sich

Christopher J. Schmidhofer, der Gründer der Coworking Spaces weXelwirken und Johannes Brehme der Inhaber des Labors für Zukunftsgestaltung die Zeit für dieses Interview genommen und mir geholfen endlich zu verstehen, was es mit einem Barcamp auf sich hat. Für mich waren die beiden die idealen Interviewpartner, weil sie im März 2020 als erste verrückt genug waren ein Online Barcamp zu veranstalten, bei dem zuvor nicht klar war, ob ein Barcamp online überhaupt funktionieren kann.

Warum veranstalten Menschen Barcamps?

Barcamps werden in der Regel von Personen veranstaltet, die dem Barcamp-Fieber erlegen sind. Diese Personen können wie Christopher echte Unternehmer sein, oder aber Unternehmen wie die VR Bank in Tübingen. Diese macht nicht nur eigene interne Barcamps, sondern sponsort auch Barcamps von Unternehmern wie Christopher.

Für Christopher war der entscheidende Punkt ein Barcamp in seiner Region zu veranstalten, dass es einfach kein Barcamp in seiner Region gab und er der festen Überzeugung war, dass dieses offene kommunikative Lernformat eine echte Bereicherung für die Menschen in seiner Region ist.

Warum gehen Menschen zu einem Barcamp?

Wow, das habe ich noch nie gehört.

Menschen gehen zu Barcamps, weil sie neugierig sind und weil sie gern mit Menschen kommunizieren. Wer zu einem Barcamp geht, interessiert sich für neue Dinge und ist möglicherweise sogar grade auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

RECRUITING -TIPP: In meiner Wahrnehmung sind Barcamps damit die perfekte Suchumgebung für Unternehmen, die nach neuen Mitarbeitern suchen. Denn auf Barcamps sind die Menschen so wie sie sind, sie müssen in keine Rolle schlüpfen, sondern tun einfach das was ihr Herz möchte. Aus meiner Sicht sind das die besten Bedingungen, um einen Menschen mit seinen Stärken und Schwächen kennenzulernen und einschätzen zu können, ob er eine Bereicherung für das eigene Team wäre.

Hey, Du bist doch auf Twitter, oder?

Barcamps sind schon lange keine Nerd-Veranstaltungen mehr, allerdings ist die Chance hoch, dass die meisten Besucher eines Barcamps einen Twitteraccount haben. Auf Barcamps trifft man junge und alte Menschen und manch einer sogar die große Liebe. Das Schöne an Barcamps ist, dass die meisten, die ein Barcamp besuchen so begeistert sind, dass sie immer wieder kommen und so berichten viele Barcamper, dass sie sich darauf freuen ihre Barcamp-Freunde einmal im Jahr live zu treffen.

Warum geben Menschen auf Barcamps kostenlose Sessions

Welcher Preis wäre gut?

Ein Grund ist sicherlich um zu Testen. Stell Dir Du hast ein einen Workshop für einen Kundenkreis konzipiert, mit dem Du noch nie gearbeitet hast und hast nicht den Hauch einer Vorstellung, ob er so gut ist, dass Du dafür gutes Geld verlangen kannst. Ein Barcamp ist die perfekte Testumgebung für Deinen Workshop. Nach nur einem Tag weißt Du, ob

  • sich Menschen für das Thema interessieren
  • ob Dein Workshop spannend genug ist, dass sie bleiben
  • wo Dinge noch nicht so funktionieren, wie Du es Dir wünscht
  • Deine Teilnehmer Fragen haben, die Du noch nicht beantwortet hast

Wer Wissen gibt, bekommt definitiv viel Wissen zurück. Als ich meine erste Session auf einem Barcamp zum Thema Sketchnoten gemacht habe, habe ich noch einige Sketchnote Ticks und Tipps von meinen Teilnehmern gelernt.

Was braucht man für die Veranstaltung eines Barcamps?

Solltest Du Dein Barcamp ganz klassisch analog veranstalten brauchst Du:

  • Einen Veranstaltungsort mit separaten Session Räumen und einem großen Raum für die Begrüßung der Besucher.
  • Barcamps sollen zugänglich sein, daher sind sie für die Teilnehmer sehr kostengünstig. Das bedeutet, Du als Veranstalter brauchst Geld, um das Barcamp zu finanzieren, klassischerweise kommt ihr ein Sponsor ins Spiel. Im Idealfall hast Du auch noch einen großartigen Sponsor, so wie Christopher ihn in der VR Bank Tübingen gefunden hat.
  • Mindestens 50 Teilnehmer, die Dein Barcamp besuchen möchten. Ein wenig Talent als Community Management ist also nicht schlecht.
  • Ein fantastisches und motiviertes Organisationsteam, dass Dich bei der Organisation unterstützt.
  • Die Abenteuerlust vorher nicht zu wissen, welche Sessions auf Deinem Barcamp stattfinden werden.

Solltest Du Dein Barcamp digital veranstalten brauchst Du:

  • Statt Räumlichkeiten eine Software, die Dir all die Funktionen bietet, die Du brauchst. Christopher und Johannes haben diese Software in Circuit gefunden. Besonders gut hat ihnen hier gefallen, dass die Teilnehmer jederzeit eigenständig von Raum zu Raum wechseln können.
  • Eine lebendige neugierige Online-Community.
  • Ein System bei dem sich Deine Teilnehmer für das Barcamp anmelden können.
  • Und zu guter Letzt brauchst Du für die Organisation eines Barcamps Mut, Zeit und Geduld.

Fazit

Barcamps sind genial und die perfekte Vorbereitung auf die VUCA (Volatil, Ungewiss, Chaotisch, Ambiguität) Welt. Am besten ist es allerdings das Ganze einmal live vor Ort zu erleben, egal ob analog oder digital.