5.3 min readPublished On: 15. Juli 2020By Categories: Bücher, Wissen

Sind Menschen oder Computer smarter?

Der kleine Kerl ist richtig schnell im Rechnen.

Immer wenn ich zum Taschenrechner in meinem Handy greife und dieser mir binnen Sekunden die Antworten auf meine Rechenaufgaben liefert, bin ich unglaublich froh, dass ich dieses kleine Helferlein habe. Ohne das Gerät müsste ich auf mein mathematisches Schulwissen zurückgreifen und bräuchte ewig, um zu der gesuchten Antwort zu gelangen. In diesen Momenten habe ich das Gefühl, dass mein Handy viel smarter ist als ich.

Hallo, ich bin Harry und habe gar keine Arme.

Ganz anders schaut es bei meinem Staubsaugerroboter Harry aus. Ich liebe den kleinen Kerl, der regelmäßig durch die Wohnung rast und Wollmäuse fängt. Doch obwohl Harry die Wohnung schon unzählige Male gereinigt hat, kommt es immer wieder vor, dass der kleine Kerl sich „verirrt“. Dann steht er vor einer Wand und bittet mich mittels Piepton und Displayanzeige darum, doch bitte den Weg frei zu räumen. In diesen Situationen steht Harry meistens vor einer Wand, so dass ich ihm seinen Wunsch nicht ohne erheblichen Aufwand und eine Menge Ärger erfüllen kann. Also trickse ich Harry einfach aus indem ich ihn hochnehme und an einer Stelle wieder absetze, an der ihm keine „böse“ Wand mehr im Weg ist. Dann drücke ich einen kleinen Knopf und sage Harry damit, dass ich den Weg freigeräumt habe. Und er quittiert diese Information mit seinem typischen Staubsaugerschnurren und setzt seine Aufgabe fort.

Ich weiß einfach alles was im Internet steht.

Während ich mir im Vergleich zu meinem Handy nicht sehr smart vorkomme, gibt mir Harry immer wieder das gute Gefühl, wirklich smart zu sein. Diese beiden Anwenderfälle zeigen, dass unsere heutige Frage gar nicht so einfach zu beantworten ist. Doch zum Glück gibt es

Randall Munroe: What if? Was wäre wenn? Wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen.

Unser Autor Randall hat sich die Arbeit gemacht, unsere Frage auf sehr unterschiedliche Weisen zu betrachten. Und er ist dabei auf sehr spannende Ergebnisse gekommen, die ich heute mit Dir teilen möchte.

Die schnellsten Rechner der Welt sind Computer

Schneller als 9, ähm 90 Milliarden Menschen.

Es ist kein Wunder, dass mir mein Handy regelmäßig das Gefühl gibt, dass ich sehr langsam im Rechnen bin. Zu meiner Beruhigung ist mein Handy nicht nur im Vergleich zu mir sehr schnell, sondern sogar im Vergleich zur ganzen Weltbevölkerung. Randall kommt zu dem Schluss, dass ein Handy Berechnungen sage und schreibe ca. 70 Mal schneller ausführen kann als die gesamte Weltbevölkerung dies könnte.

Unsere heutigen Handys sind das Ergebnis einer technischen Revolution, die im letzten Jahrhundert ihren Anfang nahm und sich seitdem immer rasanter entwickelt. Schon 1994 hatte ein einzelner Desktop Computer – der allerdings deutlich größer war als ein Handy – mehr Rechenkraft als die gesamte Menschheit. Noch 1977 brauchte es alle Computer auf der ganzen Welt, um das gleiche Ziel zu erreichen.

1965 hätten Menschen mich bewundert.

Doch nicht nur unsere Handys sind mächtig, auch unsere modernen Laptops haben es in Sachen Rechenleistung inzwischen faustdick hinter den Ohren. So hat ein moderner Laptop mehr Rechenleistung als 1965 auf der ganzen Welt vorhanden war.

Aus heutiger Sicht sind unsere kleinen technischen Helfer unglaublich schnell, doch eines lässt sich mit Sicherheit sagen: In 30 Jahren werden uns unsere heutigen technischen Helfer wie lahme Schnecken vorkommen.

Dass Computer beim Rechnen so schnell und smart sind, liegt vor allem daran, dass sie für diese Aufgabe gebaut wurden. Doch die kleine Geschichte mit meinem Staubsaugerroboter zeigt, dass Computer und Co. nicht immer smarter sind als Menschen.

Die besten Logiker sind Menschen

Essen oder gegessen werden, das ist hier die Frage.

Während Computer dafür erschaffen wurden, schnell zu rechnen, ist es die Hauptaufgabe des Menschen, das Überleben der menschlichen Spezies zu sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten unsere Vorfahren in der Regel nicht rechnen, sondern in der Lage sein, Situationen binnen Sekunden zu erfassen und richtig zu reagieren. Wenn sie einen Säbelzahntiger sahen, war es wichtig, die Beine in die Hand zu nehmen und sich in Sicherheit zu bringen. Auch wenn sie einen Hasen entdeckten, mussten sie die Beine und geeignete Jagdwaffen in die Hand nehmen, dieses Mal allerdings um das kleine Fellknäuel – das eine schmackhafte Mahlzeit für sie darstellte – zu fangen.

Was soll mit diesem Bild passieren?

Die Fähigkeit, die uns über Jahrtausende das Leben sicherte, versetzt uns heute in die Lage, Fotos in wenigen Sekunden zu analysieren. Unsere Fotoanalyse funktioniert automatisch, ohne dass wir groß darüber nachdenken. Ganz anders sieht es aus, wenn ein Computer ein Foto analysieren soll. Halten wir einem Computer ein Bild vor die Nase, ähm ich meine natürlich Kameralinse oder Bildschirm, braucht er in der Regel auch eine Anweisung, was er mit diesem Bild tun soll:

  • Soll er ähnliche Bilder finden?
  • Soll er ähnliche Produkte finden?
  • Soll er das Bild bearbeiten?
  • Usw.

Dank KI und Co. werden die Fähigkeiten der Computer in diesem Punkt immer besser, doch es scheint so, als ob Computer noch eine Weile brauchen werden, bis sie es in Sachen Logik mit der Menschheit aufnehmen können. Erst 1988 waren alle Logikschaltungen der Welt in der Lage, es mit der Komplexität eines einzelnen menschlichen Gehirns aufzunehmen. 

Auch wenn ich hierzu keine Zahlen habe, sagt mir an dieser Stelle mein Bauchgefühl, dass Menschen in Sachen Logik smarter sind als Computer.

Fazit

Die Frage, wer smarter ist, lässt sich aus heutiger Sicht nicht eindeutig beantworten. Menschen und Computer haben Stärken und Schwächen, und genau das ist aus meiner Sicht der Grund, warum die digitale Transformation beides braucht. Denn Menschen und Computer sind ein echtes Dreamteam, das zusammen mehr ergibt als die Summe seiner Teile.

So bin ich Harry, der mit vollem Namen „Professor Doktor Harry von Krümel“ heißt, unglaublich dankbar, dass er sich um die Reinigung der Wohnung kümmert, denn dadurch schenkt er mir die Zeit, andere Aufgaben zu erledigen.