3.7 min readPublished On: 21. Juni 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weiß Du, was es mit Damoklesschwert auf sich hat?

Spannende Szene.

Es gibt immer wieder Momente, in denen mich mein eigenes Nichtwissen überrascht. So war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich weiß, was ein Damoklesschwert ist.  Immerhin habe ich genügend Filme gesehen, in denen ein Manch unter einem von rechts nach Links schwingenden Beil liegt, das sich mit jedem Schwung dem Körper des Menschen nähert und ihn somit töten wird, wenn niemand eingreift. In meiner schönen kleinen Welt war dieses schwingende Beil das Damoklesschwert.

Doch dann stolperte ich in

Nassim Nicholas Taleb: Antifragilität. Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

über folgenden Satz:

„In einer römisch aufbereiteten Version eines griechischen Mythos ermöglicht der sizilische Tyrann Dionysos II. dem Höfling Damokles, den Luxus eines üppigen Banketts zu genießen, allerdings hängt über seinem Haupt ein Schwert, das nur mit einem Rosshaar an der Decke befestigt ist.“ S. 59.

Dieser Satz zeigte mir, dass ich nicht weiß, was genau ein Damoklesschwert ist. Der kleine Satz von Nassim hat nicht nur mein Bild vom Damoklesschwert ins Wanken gebracht, sondern auch weitere Fragen aufgeworfen:

  • Was ist ein Höfling?
  • Warum ist Damokles bereit, sich unter das Schwert zu setzen?

Mal schauen, ob wir diese Fragen mit Hilfe des Internets beantworten können.

Was ist ein Höfling?

Hallo, ich berate den Herrscher.

Meine grauen Zellen haben dieses Wissen verdrängt. Ich erinnere mich nur daran, dass ein Höfling an einem zumeist königlichen Hof lebt, was er hier macht, weiß ich nicht mehr. Laut Duden.de war ein Höfling ein Berater und/oder Vertrauter eines Fürsten.

Damokles war also nicht irgendein unbedeutender Diener, der am Hof von Dionysos II. lebte, sondern sein Berater oder Vertrauter.

Warum ist Damokles bereit, sich unter das Schwert zu setzen?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber Nassim hat mich mit seinem Satz ordentlich beeinflusst. Weil er Dionysos II. als Tyrann bezeichnete, war ich davon überzeugt, dass Dionysos II. der Böse in dieser Geschichte ist.

Zu meinem großen Erstaunen bestätigt Christian Fürchtegott Gellert mit seiner Fabel „Damokles“ meine Überzeugung nicht. In seiner Geschichte ist erstaunlicherweise Dionysos II. der Held, der seinem Höfling mit Hilfe des Schwertes zeigt, dass Reichtum und Macht nicht reichen, um glücklich zu sein.  Hier die Kurzfassung der Geschichte, wie ich sie verstanden habe:

Herrscher haben alles und sind daher glücklich.

Damokles ist der festen Überzeugung, dass Dionysos der glücklichste Mann der Welt ist, weil er alles hat, wovon Damokles träumt. Damokles kann sich nicht vorstellen, dass jemand, der alles hat, nicht glücklich sein kann. Also machen die beiden ein Experiment, und Dionysos lässt Damokles kurz in seine Rolle schlüpfen. Dionysos lässt Damokles einen goldenen Stuhl bringen, auf den dieser sich setzt. Doch das ist nur der Anfang. Dionysos Bedienstete bringen Damokles die schönsten Dinge und Damokles erlebt das pure Glück.

Auf dem Höhepunkt des Genusses schaut Damokles über sich und entdeckt dort ein Schwert, das nur an einem Pferdehaar hängt. Schlagartig wird ihm die Gefahr bewusst, in der er sich befindet. Von einem Moment auf den anderen vergisst er alles um sich herum. Alle Dinge, die ihm vor Sekunden noch Freude bereitetet hatten, sind plötzlich völlig nebensächlich und beglücken Damokles nicht mehr.

Jetzt endlich versteht Damokles, dass aller Besitz der Welt nicht glücklich macht, wenn das eigene Leben im wahrsten Sinne des Wortes am seidenen Faden, entschuldige, am Pferdehaar hängt.

Fazit

Normalerweise nerven mich Geschichten, die in Versform verfasst sind, weil ich mir nie die Zeit nehme, sie ordentlich zu betonen und langsam zu lesen. Dadurch gehen mir die wichtigsten Informationen der Geschichte meist verloren. Doch zum Glück ist die „laut Vorlesen Funktion“ von Microsoft inzwischen so gut, dass ich mir die Geschichte gerade in perfekter Betonung und Geschwindigkeit mit geschlossenen Augen anhören konnte.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber in mir hüpft gerade alles vor Freude über diese großartige Geschichte, und ich freue mich darauf, sie bei passender Gelegenheit zu erzählen.

An dieser Stelle bin ich nun gespannt: Welches Bild hast Du lange Zeit mit dem Damoklesschwert verbunden?