2,9 min readPublished On: 27. August 2021By Tags: , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was affektiert bedeutet?

Ich würde Dir gern eine Kostprobe geben.

Der Begriff affektiert ist mir schon häufiger begegnet, dennoch weiß ich bis heute nicht genau, was er bedeutet. Daher freue ich mich nun sehr darauf, dank folgendem Satz

„Sie sagen, guter Smalltalk sei wichtig, weil sie damit andere beeindrucken, als unterhaltsam gelten und eine Kostprobe ihres Kommunikationstalents geben. Aber wer auf Effekte schielt, wirkt schnell affektiert.“,

in

Martin Wehrle: Der Klügere denkt nach. Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein – Mit Anti-Schwätzer-Training, S. 131,

gemeinsam mit Dir herauszufinden, was es mit diesem Begriff (und dem Satz unseres Autors) auf sich hat.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute wieder einen Eintrag für uns bereit:

affektiert <Adj.> [zu veraltet affektieren = sich zieren, verstellen] (bildungsspr.): gekünstelt, geziert: ein -es Benehmen.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit. Band 17, S. 92.

Echt jetzt? Das stimmt ja sogar fast.

Du kannst es nicht sehen, aber ich schmunzle gerade sehr. Bis jetzt habe ich das Wort affektiert unbewusst immer mit affig übersetzt und war mir ziemlich sicher, dass diese simple Übersetzung nicht stimmen kann. Dabei habe ich mit dieser Übersetzung spannenderweise nah an der wahren Bedeutung gelegen.

Was mir in unserem Lexikon-Eintrag noch fehlt ist die Herkunft des Begriffes. Doch zum Glück findet sich diese in einem weiteren Eintrag auf der gleichen Lexikonseite:

affektiv <Adj.> [spätlateinisch. affectivus] (Psych.): gefühlsbetont, durch Affekte gekennzeichnet.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit. Band 17, S. 92.

Laut dieses Eintrags hat unser heutiger Begriff also einen lateinischen Ursprung. Doch dieser Eintrag verrät uns noch mehr, indem er die Brücke zum Begriff Affekt schlägt. Dank einschlägiger Krimis weiß ich schon lange, dass Menschen, die im Affekt handeln, in der Regel mit einer Strafminderung rechnen können. Lass uns also die Gelegenheit nutzen und auch noch den Affekt-Eintrag checken, um herauszufinden, warum Menschen, die im Affekt handeln, mit einer Strafminderung rechnen können.

Affekt, der; -[e]s, -[a: lat. affectus, zu: afficere (2. Part.: affectum) = in eine Stimmung versetzen] a) heftige Erregung, Gemütsbewegung; Zustand außergewöhnlicher seelischer Angespanntheit: im A. handeln; b) <Pl.> Leidenschaften: jmds. -e aufrühren.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit. Band 17, S. 92.

Mit diesem Eintrag ist nun endlich auch das Rätsel um die Strafminderung in Krimis geklärt.

Fazit

Zum Glück mache ich das nicht mehr.

Dank unseres Lexikons wissen wir nun, dass unser Autor uns sagen wollte, dass Menschen, die uns mit Smalltalk beeindrucken wollen, schnell gekünstelt bzw. verstellt wirken. Mit diesem Satz ruft der Autor die ein oder andere Erinnerung an alte Zeiten in mir hervor. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen es mir wichtig war, andere Menschen, die ich kaum kannte, im Rahmen eines Smalltalks zu beeindrucken. Mit ziemlicher Sicherheit habe ich damals nicht selten affektiert gewirkt.

An dieser Stelle freue ich mich sehr darüber, dass ich dank unseres Autors und unseres Lexikons nun endlich weiß, was es mit diesem Begriff auf sich hat. In meinen Augen kann der Begriff affektiert in einer Unterhaltung zu unnötiger Verwirrung führen, weshalb ich in Zukunft statt affektiert lieber weiterhin mit den Begriffen affig, gekünstelt und verstellt arbeiten werde.

Nun bin ich wie immer neugierig: Begegnen Dir des Öfteren Menschen, die versuchen, Dich im Rahmen eines Smalltalks zu beeindrucken?