Weißt Du, was Cradle to Cradle ist?

Wir bringen alles ins Gleichgewicht.

Mir ist diese Formulierung noch nie zuvor begegnet, daher habe ich mich sehr gefreut, dass die Autoren von

Sylvia Löhken & Tom Peters: Lebe deine Macht! Kraftvoll wirken in jeder Situation

den Begriff in Ihrem Buch nicht nur erwähnen, sondern ihm ein kurzes Kapitel mit einigen Hinweisen widmen. So erfahren wir, dass die Formulierung ins Deutsche übersetzt „von der Wiege zur Wiege“ bedeutet und dass dahinter ein Konzept steht, dass unsere Autoren wie folgt zusammenfassen:

„Es geht dabei um die erfolgreiche Herstellung eines Gleichgewichts zwischen wirtschaftlichem, ökologischem und sozialem Verhalten.“

S. 166.

Was ist das Cradle to Cradle Prinzip?

Zudem erfahren wir von unseren Autoren, dass das Konzept auf Michael Braungart zurückgeht. Wie genau die Sache mit der Wiege zur Wiege funktioniert, erklärt Michael in diesem knapp 17 Minuten langen TEDx Talk.

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In seinem Talk schildert Michael, dass die aktuelle Produktion von Produkten nach dem Prinzip von der Wiege bis zur Bahre funktioniert. Das bedeutet, dass wir der Umwelt Ressourcen entnehmen, mit diesen Produkten produzieren und diese am Ende ihrer Nutzungsdauer als unbrauchbaren Müll entsorgen.

Können wir unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren?

Michael kritisiert, dass wir derzeit danach streben unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Er sagt wir sollten nicht danach streben klimaneutral zu sein, was in seinen Augen nur ginge, wenn wir nicht leben, sondern danach streben klimapositiv zu sein. Er fordert uns dazu auf danach zu streben einen möglichst großen Fußabdruck zu hinterlassen, dieser sollte im Gegensatz zu unserem aktuellen Fußabdruck allerdings nicht negativ, sondern positiv für die Umwelt sein.

Wie dieser positive Fußabdruck aussehen könnte, erklärt er anhand von Babywindeln. Jeder Mensch (und damit auch jedes Baby) gibt jeden Tag über den Urin Phosphor ab. Jeder Mensch muss jeden Tag die gleiche Menge an Phosphor aufnehmen, um zu überleben. Das Problem ist, dass wir den Phosphor, den der Mensch gibt, einfach entsorgen, statt ihm der Umwelt zurückzugeben. Im Falle eines Babys wandert der Phosphor in ca. 6.500 Windeln auf den Müll. Doch das muss nicht so sein sagt Michael. Wenn es uns gelingt Windeln zu entwickeln, die wieder dem Umweltkreislauf zugeführt werden können, könnten wir mit den Windeln eines Babys 150 Bäume pflanzen.

Wer ist Michael Braungart?

Michael ist laut unseren Autoren Chemiker und Verfahrenstechniker, der wenn er es als notwendig empfindet auch gern mal mit Protestplakaten auf Schornsteine klettert, Vorträge hält und Bücher schreibt.

Auf Michaels Homepage erfahren wir, dass er das Cradle to Cradle Konzept nicht allein, sondern zusammen mit William McDonough entwickelt hat. Zudem erfahren wir, dass er auch Unternehmer und Professor ist. Beide Tätigkeiten beschäftigen sich im Kern mit dem Cradle to Cradle Prinzip.

Laut diesem Interview entstand die Cradle to Cradle Industrie in den 80er Jahren. Damals kletterte Michael als Greenpeace Aktivist auf Industrieschornsteine. Normalerweise endeten diese Aktionen, wenn der Werksschutz des Unternehmens kam und Michael verprügelte. Nicht so 1986. In diesem Jahr reagierte die Firmenleitung auf den auf ihren Schornstein protestierenden Michael mit Gesprächsbereitschaft. Am Ende des Dialoges war die Cradle to Cradle Idee geboren.

Wie erkenne ich Cradle to Cradle Produkte?

Die Webseite hat zum Glück eine Suchfunktion.

Laut unserer Autorin gab es 2020 4.500 Produkte, denen dieses Konzept zu Grunde liegt. Diese Zahl haben unsere Autoren vermutlich aus einem von Michaels Bücher, da diese in der Fußnote des Kapitels erwähnt werden.

Diese Zahl habe ich im Internet nicht gefunden. Auf der Webseite der Gründerplattform ist von über 8.000 Produkten die Rede, die Webseite, auf der Unternehmen eine Cradle to Cradle Zertifizierung beantragen können, listet dagegen „nur“ 980 Zertifikate für Materialien und Produkte auf, die dem Prinzip folgen.

Doch letztendlich spielt die Zahl keine so große Rolle, wichtiger ist die Frage, wie ich als Verbraucher die Produkte erkennen kann. Denn wenn Verbraucher verstärkt Cradle to Cradle Produkte nachfragen, entsteht bei Unternehmen ein höheres Interesse solche Produkte zu produzieren.

Da es ein Zertifikat für die Produkte gibt, habe ich erwartet, dass ich die Produkte an diesem Zertifikat erkenne. Leider scheint dem nicht immer so zu sein. Während Puma auf seinen Produkten das Zertifikat mit auflistet, taucht das Zertifikat auf der Produktseite dieses zertifizierten Verpackungsherstellers nicht auf.

Der schnellste Weg, den ich gefunden habe, ein Cradle to Cradle Produkt zu finden, ist die Suchfunktion der Zertifikatsseite. Die Zertifizierung eines Produktes ist übrigens nicht ganz einfach. Zum einen muss das Zertifikat immer wieder erneuter werden, zum anderen verursacht die Zertifizierung nicht nur Aufwand, sondern auch Kosten. Die Höhe der Kosten, habe ich nicht auf der Zertifikatsseite, sondern in diesem Utopia Artikel gefunden, in dem steht, dass die Erstzertifizierung 3.150 € Produkt und die Rezertifizierung alle 2 Jahre 1.750 € kostet.

Fazit

Wir wissen nun, was es mit dem Cradle to Cradle Prinzip auf sich hat. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mir gefällt Michaels Ansatz, nach einem positiven, statt nach einem neutralen Fußabdruck in Sachen Klima zu streben.

Was mich irritiert, ist die Tatsache, dass Michael sich seit mehr als 30 Jahren für das Thema stark macht und es mir dennoch vor diesem Beitrag nicht präsent war. Ob dies an mangelndem Interesse der Verbraucher, der Unternehmen oder Aufwand liegt, der mit der Zertifikatserwerbung verbunden ist, vermag ich nicht zu sagen. 

Buchcover zum Beitrag

Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.

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Datum & Autor

12. Oktober 2023
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  1. Holger 12. Oktober 2023 at 13:28 - Reply

    Phosphor, Urin, Babys und Windeln? Phosphor ist ein chemisches Element und befindet sich in jeder Pflanze und in jedem Lebewesen. Warum? Es ist lebenswichtig. Dieses Element muss bereits in der Antike bekannt gewesen sein, es ist nämlich so, dass das Wort Phosphor altgriechischer Herkunft ist und mit Lichtbringer / Lichtträger in die deutsche Sprache übersetzt wird. Unter religiösen / mythologischen Gesichtspunkten geht es dabei um den Morgenstern, der ausgesprochen mysteriös ist -> https://www.mythologie-antike.com/t23-gott-eosphoros-phosphoros-lichttrager-lichtbringer-morgenstern

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