Weißt Du, was ein Tiebreak ist?

Denn Begriff kenne ich nur aus dem Fernsehen.

Unser heutiger Begriff ist mir schon einige Male begegnet. Allerdings noch nie zuvor in einem Buch, sondern immer nur wenn gerade ein Tennisspiel auf einem Fernseher in meiner Nähe lieft. Was es mit diesem Begriff auf sich hat, weiß ich nicht, weil ich mich nicht für Tennis interessiere und mich daher nie die Mühe gemacht habe mir die Regeln oder Begriffsbedeutungen des Sportes einzuprägen.

Offenbar ist der Autor von

Steve Krug: Don’t Make Me Think! – Web & Mobile Usability: Das intuitive Web

Ein größerer Tennisfan als ich, denn in seinem Buch bin ich über den folgenden Satz gestolpert:

„Es ist das vorrangige Prinzip der ultimative Tiebreak, wenn man entscheiden muss, ob ein Design funktioniert oder nicht.“

S. 11.

Das ultimative Prinzip von dem Steve hier schreibt ist sein Designleitsatz „Don’t make me think!“, den ich mit „Bringe mich nicht zum Nachdenken!“ übersetzen würde. Gemeint ist damit, dass Dinge und Produkte so designt werden sollten, dass die Nutzer sie ohne Nachdenken benutzen können. Da Steves Herz für Webdesign schlägt, wendet er dieses Prinzip für Webseiten an. Ein Nutzer soll auf eine Webseite kommen, und sie intuitiv bedienen können. Das bedeutet, dass der Wunsch des Webseiteninhaber nach einer ausgefallenen Webseite nie dafür sorgen darf, dass der Nutzer über deren Nutzung nachdenkt. Denn in dem Moment, in dem der Nutzer über die Nutzung einer Webseite nachdenken muss und zum Beispiel nach der Telefonnummer des Webseiten Inhabers suchen muss, beginnt er die Seite als anstrengend zu empfinden.

Die spannende Frage an dieser Stelle lautet nun, was unser heutiger Begriff mit diesem Designprinzip zu tun hat. Lass uns doch einmal schauen, ob unser Lexikon uns erhellen kann.

Was das Lexikon sagt

Na komm, her mit den Infos.

Ja, unser Lexikon kann uns erhellen.

Tiebreak [ˈtaɪ̯brɛɪ̯k; aus engl. tie »unentschiedenes Spiel« und break, vgl. Break] der oder das, Tennis: Reglement, mit dem im Wettkampf ein Satz beim Stand von 6:6 schneller zum Abschluss gebracht wird. Der T. ist das Spiel zum 7:6, wodurch im Unterschied zur Grundregel, nach der zum Satzgewinn zwei Spiele Vorsprung nötig sind, der Satz mit einem Spiel Vorsprung entschieden ist. Der Spieler, der im T. zuerst mit zwei Punkten Vorspring sieben Punkte erreicht, gewinnt Spiel und Satz. – Etwas Ähnliches gibt es beim ↑Racquetball. Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 14, S. 540.

Im Grunde genommen enthält dieser Lexikon-Eintrag das geballte Wissen, das wir zur Beantwortung unserer heutigen Frage brauchen. Wir erfahren, dass es bei einem Tiebreak darum geht ein unentschiedenes Spiel zu entscheiden. Diese Information reicht uns, um zu verstehen, warum unser Autor schreibt, dass das Designprinzip „Don’t make me think!“ in Bezug auf die Funktion eines Designs der Tiebreak ist. Im Design gibt es unglaublich viele Prinzipien, die es zu berücksichtigen gilt. Jedes Prinzip ist dabei in sich stimmig, doch manchmal kommen sich Prinzipien in die Quere, da das eine Prinzip dem anderen widerspricht. Es gibt in diesem Moment also ein unentschieden zwischen den beiden Prinzipien und es muss entschieden werden welches Designprinzip siegt. An dieser Stelle brauchen wir einen Tiebreak und dies sollte laut unserem Autor das „Don’t make me think!“ Prinzip sein.

Ich habe diese Art von Tiebreak bei meinem Blog erlebt. Da ich keine Ahnung von Designprinzipien habe, hat die wunderbare babbadeggel, in liebevoller Kleinarbeit passenden Farben und Schriften für meinen Blog ausgewählt. Ich habe diese umgesetzt und war glücklich. Doch eines Tages begegnete mir ein Twitter User, der mir schrieb, dass er meine Beiträge aufgrund seiner Sehschwäche nicht lesen könnte. Also machte ich die Texte in meinem Blog dicker. Dies schaut nun vielleicht weniger elegant aus, doch es macht die Texte aufgrund des höheren Kontrastes zum Hintergrund nun leichter lesbar. Besucher mit Sehschwäche brauchen nun nicht mehr darüber nachdenken, wie sie die Texte denn bitte lesen sollen, sie können sie einfach lesen. Das „Don’t make me think!“ Prinzip gab für mich den Ausschlag gegen die Designregeln zu verstoßen, die babbadeggel meinem Blog zugrunde gelegt hatte.

Auch wenn ich dank unserem Lexikon nun weiß, warum unser Autor einen Begriff aus dem Sport nutzt, um die Wichtigkeit seiner Designregel zu betonen, verwirrt mich die Sache mit dem Spiel und dem Satz im Tennis noch immer. Daher schauen wir nun noch einmal kurz, ob das Internet die beiden Dinge klar verständlich rüber bringen kann.

Was das Internet sagt

Ab Minute 5 in diesem YouTube Video, wird die Zählweise beim Tennis für mich nachvollziehbar erklärt. Es gibt 3 Dinge, die gezählt werden

  1. Punkte
  2. Spiele
  3. Sätze
YouTube

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Ein Satz besteht (wenn er nicht durch einen Tiebreak entschieden wird) aus 6 Spielen. Ein Spiel besteht aus 4 gewonnenen Punkten. Einen Punkt erhält ein Spieler, wenn der Gegner einen Fehler macht und den Ball zum Beispiel ins Aus spielt. Damit das Ganze schön verwirrend ist, werden die Punkte nicht einfach mit 1, 2, 3 und 4 gezählt, sondern mit 15, 30, 40 und Spielgewinn. Das Spiel ist allerdings erst gewonnen, wenn Du mit 2 Punkten in Führung liegst. Die Punktezählung hört aber bei der Zahl 40 auf. Obwohl das Video gut erklärt, wie diese Besonderheit funktioniert, kann ich sie noch immer nicht erklären. Dennoch gebe ich mich an diesem Punkt zufrieden, da ich nun weiß, was der Unterschied zwischen einem Satz und einem Spiel ist.

Fazit

Ich bin ein großer Fan des Designprinzips „Don’t make me think!“. Dennoch freue ich mich sehr darüber, dass unser Autor mit seinem oben zitierten Satz unbeabsichtigt gegen dieses Prinzip verstoßen hat, denn dadurch habe ich nun endlich verstanden, warum sich Tennisspiele so extrem in die Länge ziehen können.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Gibt es Webseiten oder Gegenstände, bei denen Designer das „Don’t make me think!“ Prinzip nicht als Tiebreak beherzigt haben und Dich damit in den Wahnsinn treiben?

13. Oktober 2023
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Buchcover von Steve Krug Don’t Make Me Think! – Web & Mobile Usability Das intuitive Web
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