Weißt Du was das Webersche Gesetz ist?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Klett-Cotta Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Bevor ich

Claudia Hammond: Tick, tack. Wie unser Zeitgefühl im Kopf entsteht

gelesen habe, ist mir der Begriff des Weberschen Gesetzes nie begegnet. Allerdings habe ich das mit dem Weberschen Gesetz verbundene Phänomen schon einige Male in der Praxis erlebt und freue mich sehr darüber nun endlich einen Namen dafür zu haben.

Was das Lexikon Buch sagt

Zu meiner großen Überraschung hält unser großartiges Lexikon heute keinen Beitrag für uns bereit. Daher greifen wir an dieser Stelle einmal auf das zurück, was unsere Autorin zum Weberschen Gesetz schreibt:

Wie groß ist der Abstand?

Das Webersche Gesetz besagt, dass Fehlurteile proportional zum Ausmaß der zu beurteilenden Dinge anwachsen. Ist also etwa eine Entfernung von einigen Metern abzuschätzen, dann wird ein Fehler kleiner sein, als der den man bei einigen Kilometern macht.

Claudia Hammond: Tick, tack. Wie unser Zeitgefühl im Kopf entsteht, S. 68.

Werden wir also gefragt wie viele Meter Abstand zwischen A und B liegen sind wir in der Lage ziemlich treffsicher anzugeben, dass der Abstand bei ca. 3 Meter liegt. Werden wir aber gefragt wie viele Kilometer zwischen C und D liegen, liegen unsere Schätzungen meist deutlich daneben.

Zeitabstände

Das Spannende am Weberschen Gesetz ist, dass es nicht nur für den Bereich der Längen gilt, sondern auch für alle anderen möglichen Bereiche, wie zum Beispiel die Zeit. Wir sind in der Lage kurze Zeitabstände von einigen Minuten relativ genau zu schätzen, doch bei großen Zeitabständen wie Monaten haben wir unsere Probleme.

Was das Internet sagt

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber für mich macht die gerade gegebene Beschreibung das Webersche Gesetz noch nicht so richtig greifbar. Zum Glück gibt es für solche Informationen das Internet. Lass uns also schauen, ob es ihm gelingt die gefühlt noch vorhandene Wissenslücke zu schließen.

Das Webersche Gesetz und Gewichte

40g oder 41g?

Das Webersche Gesetz gilt laut spektrum.de auch in Bezug auf Gewichte. Wir sind in der Lage den Unterschied zwischen 40g und 41g zu bestimmen. Den Unterschied zwischen 400g und 401g bemerken wir dagegen nicht. Bei 400g braucht es satte 10g um einen Gewichtsunterschied für uns in den Bereich des Wahrnehmbaren zu rücken.

Unterschiedsschwelle

Laut Weberschem Gesetz gibt es bei allem was wir wahrnehmen eine Unterschiedsschwelle. Um diese begreifbar zu machen greife ich auf das wunderbare Beispiel von https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/wahrnehmung104.html zurück:

Eiche

Stell Dir vor Du hast einen Bonsai-Baum. Weil Du Deinen Bonsai sehr magst liegt Dir Dein Wachstum sehr am Herzen. Als stolzer Bonsai Besitzer hegst und pflegst Du Deinen Schatz und bemerkst sofort, wenn Dein kleines Bäumchen einen neuen Ast bekommt. Und nun stell Dir vor, dass Du jeden Tag in Deiner Mittagspause in den Park gehst, um hier unter Deiner Lieblingseiche ein Buch zu lesen. Obwohl Du die Eiche sehr magst wird es Dir wahrscheinlich gar nicht auffallen, wenn sie einen neuen Ast bekommt, obwohl dieser wahrscheinlich schnelle wächst als der von Deinem geliebten Bonsai. Die Tatsache, dass Du den Bonsai Ast bemerkst, aber den Eichen Ast nicht, ist der Unterschiedsschwelle geschuldet. Da der Bonsai nur 3 Äste hat, bemerkst Du den 4ten Ast sofort. Da die Eiche 537 Äste hat, bemerkst Du den 538 Ast in aller Regel nicht.

Neben dieser fantastischen Ast Erklärung hält die gerade erwähnte Seite übrigens auch die Formel für Dich bereit, mit der Du die Unterschiedsschwelle berechnen kannst.

Fazit

Irgendwie bin ich trotz unserer Recherche noch nicht richtig glücklich mit unseren Erklärungsansätzen zum Weberschen Gesetz, denn wirklich greifbar ist es für mich noch nicht. Zu sehr springen mir die Erklärungsansätze zwischen den Themen Schätzen und Wahrnehmen. Was ich dank unserer Recherche allerdings mitnehme, ist dass wir Menschen wirklich gut beim Schätzen kleiner Dinge sind, beim Schätzen großer Dinge aber unsere Schwierigkeiten haben. Bis lang dachte ich immer, ich sei die Einzige, der diese Art von Schätzungen schwerfielen. Dank dem Weberschem Gesetz weiß ich nun, dass jeder von uns diese Schwierigkeiten erlebt.