Weißt Du was die Müller-Lyer-Illusion ist?

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Wovon handelt das Buch eigentlich?

Es hat lange gedauert, bis ich meinen perfekten Weg für das Lesen von Büchern gefunden hatte. Es gab eine Zeit, in der ich gern Hörbücher konsumiert habe. Die Hörbücher waren genial, weil ich sie selbst beim Fahrradfahren auf einem Ohr hören konnte. Doch nach einiger Zeit stellte ich fest, dass ich mich kaum an die Inhalte der Bücher erinnern konnte. Dann versuchte ich es mit E-Books. Die waren aufgrund ihres Gewichtes unglaublich praktisch. Hier konnte ich mich auch an die Inhalte durchaus erinnern, nur fand ich die Bücher, wenn ich sie suchte, nie wieder. Für mich ist ein Papierbuch das perfekte Buch. Ich kann es mit Klebezettelchen spicken und finde es in meinem Regal immer wieder. 

In der Regel sind die Inhalte der Bücher aus meiner Hörbuch- und E-Book Zeit verlorene Bücher für mich, da ich sie nicht erneut konsumiere. Eine der wenigen Ausnahme ist folgendes Buch:

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken

Gehirne sind immer spannend.

Dieses Buch ist in meinen Augen so wertvoll, dass ich es als Hörbuch mehr als ein Mal gehört habe und mir zudem als Papier-Variante angeschafft habe. Der Autor hat eine wunderbare Schreibweise und beschäftigt sich mit den faszinierenden Themen Wahrnehmung und Gehirn. Mit zahlreichen Beispielen schafft er es, mich immer wieder in Erstaunen zu versetzen und lässt mich Dinge hinterfragen, die ich ohne sein Buch nie in Frage gestellt hätte. Eines dieser Dinge werde ich mir heute zusammen mit Dir anschauen.

Was siehst Du?

Schau Dir einmal diese drei Bilder mit den Linien an. Auf welchem Bild sind die Linien gleich lang? Auf welchem Bild sind sie unterschiedlich lang? Notiere Dir Deine Ergebnisse.

An dieser Stelle wird es spannend. Die meisten Menschen, die diesen kleinen Test das erste Mal absolvieren, notieren sich das folgende Ergebnis:

  • Anzahl der Bilder mit gleich langen Linien: 1
  • Anzahl der Bilder mit unterschiedlich langen Linien: 2
Miss das gern nach und lass Dich überraschen.

Die meisten Menschen sehen auf dem Bild mit den Pfeil verzierten Linien eine lange und eine kurze Linie. Doch die Sache ist die: Wenn wir uns ein Lineal schnappen und nachmessen, stellen wir fest, dass die Linien auf diesem Bild gleich lang sind. Unser Gehirn lässt sich von den Pfeilen an der Nase herumführen und sieht eine lange und eine kurze Linie. Was mich an dieser kleinen Übung unendlich fasziniert, ist, dass ich es nicht schaffe, auf diesem Bild gleich lange Linien zu sehen. Ich weiß, dass die Linien gleich lang sind, weil ich es nachgemessen habe, und dennoch sehen ich eine lange und eine kurze Linie.

Das Phänomen, das wir hier erleben, trägt den wunderbaren Namen „Müller-Lyer-Illusion“.

Warum heißt das Phänomen Müller-Lyer-Illusion?

Zum Glück gibt es Internet.

Bei solchen Experimenten frage ich mich immer, wie diese zu Stande kommen. Gab es vor der Erfindung des Internets eine Frau Müller und einen Herrn Lyer, die nichts weiter besaßen als Stifte und Papier und aus lauter Langeweile so lange Linien auf Zettel malten, bis sie dieses Phänomen entdeckten und damit berühmt wurden? Zum Glück gibt es inzwischen das Internet, das uns mit ein wenig Glück gleich die wahre Geschichte hinter der Müller-Lyer-Illusion verraten wird.

Der Franz hats gefunden.

Nachdem ich nun vier Seiten zum Thema gelesen habe, weiß ich, dass der Entdecker der Illusion der deutsche Psychiater und Soziologen Franz Müller-Lyer war. Dieser lebte von 1857 bis 1916, also lange vor der Erfindung Internets. Ich konnte allerdings nicht herausfinden, wie Franz das Phänomen entdeckte. Ich kann lediglich vermuten, dass er sich als Psychologe auch mit Themen wie der Wahrnehmung beschäftigte und irgendwann durch einen Zufall entdeckte, dass uns das Gehirn bei der Erkennung von Linien einen Streich spielt.

Ich habe noch nicht ganz verstanden, warum uns unser Gehirn diesen Streich spielt. Die einleuchtendste Erklärung für diesen kleinen Streich habe ich auf https://michaelbach.de/ot/sze-muelue/ entdeckt. Hier findest Du ein Bild, das einen Raum mit einem Ticketverkäufer zeigt. Dieses Bild hat, wenn Du genau hinschaust, auch zwei rote Linien mit Pfeilen, die identisch lang sind. Unser Gehirn spielt uns an dieser Stelle also offensichtlich keinen Streich, sondern greift auf etwas zurück, was es jeden Tag live erlebt. Wenn wir das Bild des Ticketverkäufers sehen, dann sind die Linien identisch lang. Würden wir allerdings in der realen Szene sein und die Länge des Ticketfensters und die Höhe der Wand vermessen, würden wir feststellen, dass die Wand höher ist als das Fenster.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe dank dieses Phänomens eine Menge gelernt:

  • Ich weiß nun, dass etwas nicht wahr sein muss, nur weil ich es gesehen habe.
  • Ich habe gelernt, dass meine Wahrnehmung durch handfeste Beweise nicht automatisch korrigiert wird.

Und nun bin ich neugierig: Was hast Du dank unseres heutigen Phänomens gelernt?