Weißt Du, was ein Grasdackel ist?

Ey, ich bin kein Dackel.

Unser heutiger Begriff ist mir zum ersten Mal in folgendem Buch begegnet:

Ute Kunzmann: Wertschätzend arbeiten. DAS Buch über Arbeitstiere, Grasdackel und Faulpelze, 

Um ihren Lesern zu veranschaulichen, wie wertschätzende Arbeit in der Praxis funktioniert, erzählt die Autorin eine frei erfundene Geschichte. Da Erzählungen Figuren brauchen, stellt Ute jede Figur in ihrer Geschichte auf einer Doppelseite vor. Bei der Vorstellung von Leo verrät uns Ute, dass der Grasdackel ein schwäbischer Begriff ist.

„Als junger, dynamischer, zielstrebiger und karrierebewusster Mitarbeiter mit wenigen Berufsjahren arbeitet er in derselben Abteilung wie sein Kollege Max. Einerseits bewundert er den älteren Kollegen, andererseits ist er aber von dessen Langsamkeit bei der Bearbeitung von Vorgängen genervt. Manchmal bezeichnet er ihn deshalb schwabenmäßig grob, aber liebevoll gemeint als „Grasdackel“.“ S. 110.

Dank dieser kurzen Vorstellung wissen wir nun, dass der Begriff Grasdackel aus dem Schwäbischen kommt und sowohl grob als auch liebevoll gemeint sein kann. Was genau der Begriff bedeutet, wissen wir noch nicht. Unserer Autorin scheint beim Verfassen ihres Buches gewusst zu haben, dass nicht schwäbische Leser wie ich den Begriff nicht kennen und erklärt daher auf der folgenden Doppelseite, was es mit dem Begriff auf sich hat.

Was unsere Autorin sagt

Ute verrät uns, dass Grasdackel ein Schimpfwort ist für Mitarbeiter bzw. Menschen, die

Hallo, ich bin ein Grasdackel.
  • geduldig,
  • detailverliebt,
  • zerstreut,
  • nachdenklich,
  • aufmerksam zuhörend und
  • manchmal schusselig

sind. Grasdackel haben eine aufrechte Körperhaltung und einen aufmerksamen Blick. Zu ihren Schwächen zählt Sturheit und das Vertreten von eigenwilligen Ansichten, die für andere nur schwer nachvollziehbar sind.

Was wir von unserer Autorin nicht erfahren, ist, warum Schwaben für diese Menschen ausgerechnet den Begriff Grasdackel verwenden. Lass uns doch einmal schauen, ob wir diese Information ausfindig machen können.

Was das Internet sagt

Laut verschiedener Webseiten ist nicht nur der Grasdackel, sondern auch der Dackel im Schwäbischen eine Beleidigung. Je nach Webseite hat die Beleidigung eine etwas andere Bedeutung:

Kannst Du meinem Graddackelblick widerstehen?
  • Auf der Webseite der Südwest Presse wird das Schimpfwort Dackel wie folgt umschrieben: „Der gilt als ein bisschen doof, weil er immer so niedlich schaut mit seinen großen Augen. Treudoof wäre wahrscheinlich das richtige Wort. Er macht brav, was man ihm sagt, hat sonst aber nicht wirklich was drauf.“
  • Inges Reiseblog erklärt sich die Beleidigung wie folgt: „Bekannt ist ja bei der Hunderasse, dass er ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein hat. Mitunter kann dies dazu führen, dass er zu wenig Respekt vor größeren Hunden hat und es dadurch zu Konfrontationen kommen kann. Deshalb braucht es bereits im Welpenalter eine liebevolle Konsequenz.“
  • Die Webseite Donaufischulm beschreibt die Beleidigung wie folgt: „Der Schwabe gebraucht seit langer Zeit den Ausdruck „Dackel“, um damit einen Mitbürger zu rügen, der durch Einfalt, Schussligkeit oder Begriffsstutzigkeit zu einem Ausraster verleitet wurde. […] der Dackel (oder Teckel) neigt bekanntlich zu einem rassetypischen Verhalten: er kompensiert seinen Mangel an Körpergröße und Stärke durch unberechenbares aggressives Verhalten, d.h. er neigt zu übereilten, unüberlegten und lautstarken Attacken.“
  • Laut der Webseite Duden.de bedeutet das Schimpfwort einfach dummer bzw. blöder Kerl.

Nicht nur beim Schimpfwort Dackel, auch bei unserem Grasdackel ist sich das Internet in Sachen Bedeutung uneinig:

  • Die Südwest Presse vermutet folgende Bedeutung hinter dem Schimpfwort: „Die Beleidigung könnte modern interpretiert eine treudoofe Person bezeichnen, die auf grünem Gras einem Ball hinterherjagt, aber so weit wollen wir nicht gehen“.
  • Auch Inge, die selbst Schwäbin ist, stellt lediglich Vermutungen über den Grasdackel an „Ich als Schwäbin muss hier passen, warum wir einen Grasdackel haben. Vielleicht wegen dem geflügelten Wort ‚du bist noch grün hinter den Ohren‘, lern erstmal was dazu?“
  • Die Beschreibung von heimatverliebt deckt sich mit der unserer Autorin „“Du Grasdaggl“ kann in Bezug auf sich selbst verwendet werden, wenn man sich zum Beispiel über die eigene Schusseligkeit ärgert oder als Schimpfwort für eine andere Person. Hier gibt der Tonfall den Ausschlag, ob es eine liebevoll gemeinte Beschimpfung ist oder eine verärgerte.“
  • Die Webseite Donaufischulm hat sich intensiver mit dem Schimpfwort befasst und ist sich sicher, die Herkunft des Schimpfwortes benennen zu können „„Grasdackel“ ist eine Steigerungsform von „Dackel“, stammt aber nicht, wie von manchen Dialektforschern angenommen, aus dem Stuttgarter Raum, sondern aus dem Ulmer Ortsteil Söflingen.“ Die Webseite verrät uns, dass in Söflingen einst ein Bäcker lebte, der leckere Kräuterbrote backte. Diese waren so beliebt, dass er wirklich viele davon herstellte. Das viele Arbeiten tat dem Mann auf Dauer nicht gut, der Bäcker begann närrisch zu reden. Die Schwaben, die Kräuter offenbar lapidar als Gras bezeichnen, betitelten den armen Bäcker, der mit seinen Broten viel Geld verdiente, als Grasdackel, weil sie vermuteten, dass sein närrisches Verhalten in Verbindung mit den Kräuterdämpfen in seiner Backstube stehen könnte.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe heute nicht nur eine Menge über einen mir völlig unbekannten Begriff gelernt, sondern auch ziemlich viel über das schwäbische Schimpfverhalten. Bis heute hatte ich nicht auf dem Schirm, dass Schwaben nicht nur Meister des Sparens, sondern auch der Schimpfwörter sind, Sollte mir je ein schimpfender Schwabe begegnen, werde ich hoffentlich daran denken, ihn um eine Erklärung der genutzten Schimpfwörter zu bitten, damit ich weiß, ob er diese eventuell liebevoll meint.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Hast Du bereits Erfahrungen mit schwäbischen Schimpfwörtern gemacht? Gibt es eines, dass Dich besonders begeistert?

10. Juli 2023
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