Weißt Du, wie man Ockhams Rasiermesser richtig benutzt?

Wie genau benutzt man dieses Messer?

Bevor ich das Buch von

Reto U. Schneider: Die Kunst des klugen Streitgesprächs. Wer diskutieren will, sollte diese Regeln kennen. Ein Crashkurs in Vernunft

gelesen hatte, dachte ich, dass ich alles über Ockhams Rasiermesser wüsste, was es zu wissen gibt:

  • Mit Ockhams Rasiermesser lässt sich kein Bart rasieren.
  • Ockhams Rasiermesser ist eine Regel, die besagt, dass die einfachste Erklärung immer die Beste ist.

Gleich zu Beginn des Buches wurde mir klar, dass ich so gut wie gar nichts über Ockhams Rasiermesser wusste. Denn mir war völlig neu, dass Ockhams Rasiermesser:

  • die grundsätzlichste Methode zur Beurteilung eines Arguments und
  • die älteste Methode zur Beurteilung eines Arguments ist.

Zudem wusste ich nicht, wer Ockham war. All diese Dinge verriet mir der Autor in seinem Buch. Daher möchte ich dieses Wissen nun mit Dir teilen und zudem einmal theoretisch durchspielen, wie Ockhams Rasiermesser in der Praxis genutzt korrekt werden kann.

Wer war dieser Ockham?

Es war einmal ein Franziskanermönch namens William von Ockham. Der 1288 in England geborene Mönch schrieb 1323 das Lehrbuch „Summa Logicae“, in dem unter anderem folgender Satz enthalten ist:

„Es ist unsinnig, mit mehr Mitteln zu erreichen, was man mit weniger Mitteln erreichen kann.“

Zitiert bei Reto U. Schneider, S. 15.
Nicht mehr als nötig machen, sagt Ockham.

Dieser Satz ist der Kern dessen, was wir heute unter Ockhams Rasiermesser verstehen.

Dieser Satz allein ist nicht so bemerkenswert, um dafür zu sorgen, dass der Name eines Menschen über viele hundert Jahre in Erinnerung bleibt. Was den Mönch mit seinem Namen berühmt machte, war seine Auseinandersetzung mit dem Papst. William war Anhänger der Armutsthese, die besagt, dass Jesus besitzlos gelebt habe. Aus diesem Grund war er der festen Überzeugung, dass auch Franziskanermönche besitzlos leben sollten. Der Papst war kein Anhänger der Armutsthese und verwendete viel Energie darauf, die Verbreitung dieser These zu verhindern. Unter anderem sorgte er dafür, dass William 1328 exkommuniziert wurde.

Die Auseinandersetzung zwischen William und dem Papst war so spektakulär, dass der Autor Umberto Eco William von Ockhams als Vorlage für die Romanfigur William von Baskerville nutzte. William von Baskerville ist die Hauptfigur seines berühmten Romans „Im Namen der Rose“, die im gleichnamigen Film von Sean Connery gespielt wurde.

Wie benutze ich Ockhams Rasiermesser korrekt?

Obwohl ich Ockhams Rasiermesser schon seit einiger Zeit kenne, habe ich die Methode noch nie bewusst angewandt. Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar, dass unser Autor in seinem Buch einige Benutzungshinweise gibt, die seine Leser davor bewahren sollen, sich mit Ockhams Werkzeug ins eigene Fleisch zu schneiden.

Er führt zum Beispiel an, dass auf den ersten Blick die Erklärung

  • Der Storch bringt die Kinder

viel einfacher sei als die Erklärung

  • Kinder werden von zwei Menschen gezeugt.
Zum Glück bin ich kein Storch. Auf die ganze Fragerei hätte ich echt keine Lust.

Allerdings wird die erste Erklärung laut unseres Autors sofort kompliziert, wenn wir es wagen, sie etwas genauer zu betrachten. Denn dann fällt auf, dass folgende Fragen unbeantwortet bleiben:

  • Woher hat der Storch das Kind?
  • Woher weiß der Storch, wohin er das Kind bringen muss?
  • Warum ist eine Frau dick, bevor der Storch das Kind bringt?

Betrachten wir die zweite Erklärung, dann können wir all diese Fragen beantworten:

  • Woher kommt das Kind? Das Kind kommt zustande, weil eine Ei- und eine Samenzelle verschmelzen.
  • Warum wird eine Frau dick, bevor das Kind kommt? Weil das Verschmelzen der Ei- und Samenzelle im Bauch der Frau stattfindet und einen Prozess der Zellteilung in Gang setzt, der einen Zellhaufen entstehen lässt, der sich binnen von 9 Monaten zu einem Baby weiterentwickelt.

Auf den zweiten Blick ist die kompliziertere Erklärung die einfachere, weil sie keine Fragen offen lässt.

Was mir aufgrund meiner Unerfahrenheit mit der praktischen Anwendung des Rasiermessers im Buch unseres Autors fehlt, ist ein Beispiel für die korrekte Verwendung. Zum Glück springt hier gern Lehrer Schmidt von YouTube in die Bresche. Dieser zeigt zu Beginn seines Videos ein zerbrochenes Ei und nennt drei Theorien, die zum Bruch des Eis führten:

  1. Außerirdische haben das Ei mit Hilfe eines Laserstrahls kaputt gemacht.
  2. Lehrer Schmidt hat das Ei mittels Zauberei kaputt gemacht.
  3. Lehrer Schmidt hat das Ei heruntergeworfen, um ein YouTube Video zum Thema Ockhams Rasiermesser drehen zu können.
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Nun, welche Theorie ist die Wahrscheinlichste? Ja, ganz genau, der Mann hat das Ei heruntergeworfen, um ein YouTube Video zu drehen.

Fazit

Manchmal machen Autoren mich fertig. Bevor ich das Buch unseres Autors gelesen habe, war ich mir sehr sicher, dass ich die Sache mit Ockhams Rasiermesser verstanden hätte und es sicher in der Praxis anwenden könnte. Im Rahmen der Recherche musste ich feststellen, dass dies nicht so ist. Ich weiß zwar nun, wer Ockham war, und ich weiß, wie ich mir mit diesem Rasiermesser ins eigene Fleisch schneiden kann. Was ich allerdings nun nicht mehr weiß, ist, wo mir dieses Rasiermesser in der Praxis nützlich sein könnte. Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass ich mich zu wenig mit Wissenschaft und Philosophie beschäftige. Ich stelle in meinem Alltag einfach selten Theorien auf, bei denen ich das Messer brauche. Zudem kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt ein echtes Streitgespräch geführt habe, das sich um ein wissenschaftliches oder politisches Thema gedreht hat.

11. Juli 2023
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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