Weißt Du was ein Multipotential ist, oder wie uns Impro-Theater im Job helfen kann?

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Heute haben wir dank meinem unglaublich spannenden und talentierten Interviewpartner

Florian Sußner von www.freelancers-tales.de

gleich zwei spannende Themen auf dem Zettel. Doch bevor wir uns auf die Themen stürzen beginnen wir mit der Vorgeschichte zu diesem Interview.

Die Vorgeschichte – oder wie dank Twitter ein Interview entsteht

Normalerweise bin ich es, die Menschen anspricht und sie fragt, ob wir nicht ein gemeinsames Interview machen wollen. Vor einiger Zeit traf ich bei Twitter auf ein spannendes Thema (welches genau, erinnere ich mich leider nicht mehr) und fragte die Twitter-Familie nach mehr Informationen. Prompt meldet sich ein Experte zu diesem Thema, der so spannend klang, dass ich ihn direkt per öffentlichem Tweet fragte, ob er Lust auf ein Interview habe. Dann passierte etwas, dass mir bis jetzt noch nicht 1 Mal passiert ist: er sagte Nein und für mich wanderte das Thema damit auf die imaginäre Warteliste und ich kümmerte mich wieder um andere Dinge.

Interview

Ganz kurz darauf schrieb mir Florian Sußner eine Nachricht über Twitter und fragte mich, ob ich nicht Lust auf ein Interview auf seinem Blog habe. Während mir all die typischen Fragen durch den Kopf schwirrten (Hilfe ich weiß gar nicht wie man ein Interview gibt. Ich bin kaum einen Monat online, was hab ich zu erzählen?), tippten meine Finger die Antwort an Florian, an deren Ende nicht nur ein, sondern gleich zwei Interviews entstanden.

In der Vorbereitung auf das Interview war Florian unglaublich professionell. Ich hatte den Eindruck, dass er mindestens schon 500 Interviews gemacht hatte und war sehr gespannt darauf, was ich alles von ihm lernen konnte.

Erstes Learning: Im Gegensatz zu mir gönnt Florian seinen Interviewpartnern ein ausführliches Gespräch vor dem Interview. In diesem Vorgespräch erzählte mir Florian etwas, dass mich völlig aus den Socken haute: Das Interview mit mir war sein erstes Interview. In diesem Moment hatte er meine volle Aufmerksamkeit. Wie konnte es sein, dass er so super professionell war und das beim aller ersten Mal? Um eine Antwort auf diese spannende Frage zu bekommen, tat ich das was ich in solchen Situationen immer tue: Ich stellte die Frage.

Florians Antwort lautete: Er habe meine Interviewanfrage an den „Nein-Sager“ gelesen und sich gedacht „Interview? Coole Idee. Wollte ich in meinem Blog schon immer mal machen und Maria scheint Spaß daran zu haben. Zudem hat sie Gemeinsamkeiten mit meiner Zielgruppe und ist daher möglicherweise eine gute erste Interviewpartnerin.“ Am Ende dieses Gedanken hatte ich meine Twitter Nachricht von Florian.

Warum ich diese kleine Geschichte erzähle, erfährst Du gleich, doch beginnen wir jetzt mit unserem ersten Thema:

Was ist Multipotentiality?

Florian gehört zu den wenigen Menschen die ich kenne, die im Business nicht das Prinzip Expertentum fahren. Denn Florian hat eine Gabe, er ist Multipotential. Vor Florian bin ich schon dem ein oder anderen Multipotential begegnet, aber erst dank Florian weiß ich, dass es für diese Menschen einen Begriff gibt.

Blumenstrauß

Multipotentials sind Menschen, die ein breit gefächertes Interessensgebiet haben. Sie sind nicht nur in einer Sache gut, sondern haben einen ganzen Blumenstrauß an Talenten. Was so schön klingt kann manchmal unglaublich belastend sein, denn Multipotentials haben aufgrund ihrer Vielfältigkeit Schwierigkeiten damit sich auch Dauer mit einer Sache zu befassen. Der Horror eines Multipotentials ist ein monotoner Bürojob, der morgens um 9 beginnt und abends um 17 Uhr endet und jeden Tag den gleichen Arbeitsablauf hat. Kurz gesagt: Multipotentials hatten in der alten Arbeitswelt in der Regel wenig Freude.

Das mag einer der Gründe sein, warum Florian selbstständig ist. In seiner Selbstständigkeit lebt er all seine Talente aus und hilft anderen Multipotentials dabei ein Leben aufzubauen, in dem sie sich wohl fühlen, weil es zu ihren Talenten passt.

Eine von Florians Fähigkeiten ist übrigens Improtheater. Diese Fähigkeit hat den Stein für die Interviews ins Rollen gebracht und darf daher in diesem Interview natürlich auf keinen Fall fehlen.

Was ist Improtheater?

Der Begriffe Improtheater setzt sich aus den Begriffen

Improvisation und Theater

zusammen. Im Improtheater spielt die Improvisation, also der Umgang mit dem Unbekannten, die Hauptrolle. Weder Schauspieler noch Publikum wissen am Anfang des Abends wie die Geschichte auf der Bühne heute enden wird. Der Abend beginnt oft mit einer Frage an das Publikum. „Liebes Publikum, mit welchem Thema sollen wir heute beginnen?“ Nun rufen die Zuschauer den Schauspielern Themen zu und die Schauspieler wählen binnen Sekunden ein Thema und legen los.

Theater

Diese Flexibilität des Improtheater macht es zu einem Traumjob für ein Multipotential wie Florian. Er muss keine Skripte üben und Abend für Abend die gleiche Show abliefern, er braucht einfach nur im Moment sein und dafür sorgen, dass seine Rolle die Geschichte auf der Bühne am Laufen hält.

„Improtheater ist ein Stück weit wie das echte Leben“ sagt Florian. „Du weißt wo Du sein wirst, du weißt wann es los geht und wann es endet. Alles dazwischen ist Improvisation. Die meisten von uns wissen, wann sie morgens zur Arbeit gehen und dass sie in den Bus steigen werden. Ob wir den Busfahrer begrüßen, im Bus stehen oder sitzen, machen wir jeden Tag von der Situation abhängig.“

Kaffee Cafe
Bar

Jeder von uns beherrscht in seinem ganz normalen Alltag die Kunst der Improvisation. Immer wenn es nicht darauf ankommt sind wir grade zu genial in dieser Kunst. Abends mit Freunden in der Bar, kommen wir von einer Sekunde auf die andere auf Witze, die so genial sind, dass wir sie unmöglich just in dieser Sekunde erfunden haben können. Die Sache mit dieser Fähigkeit ist nur die: Wenn es wirklich darauf ankommt, lässt uns diese Fähigkeit im Stich.

Wenn unser Chef uns mitteilt, dass er jetzt bitte mal wissen möchte welche Erfolge diese Maßnahme gebracht hat, dann ist unser Hirn wie leer gefegt und wir begegnen der Frage mit einem leeren Blick und fangen an uns eine „ja aber“ Antwort zurecht zu stammeln. Ein Verhalten das allzu natürlich ist, aber nicht unbedingt den Eindruck prägt, dass unser Chef grade den fähigsten seiner Mitarbeiter vor sich hat. Sobald die Szene vorbei ist und wir froh sind, dass wir diesen Tag hinter uns haben, fallen uns plötzlich all jene Erfolge ein, die wir unserem Chef hätten präsentieren können.

Erfolg
Erfolg

Holen wir nun einmal diese schöne Alltagsszene auf die Bühne des Improtheaters. Der Chef steht rechts, der Mitarbeiter links. Der Chef fragt nach den Erfolgen und der Mitarbeiter entgegnet dem Chef „Ja wir haben Erfolge, aber die muss ich Ihnen raussuchen.“  An dieser Stelle haben wir wie im Alltag einen Rohrkrepierer, die Szene ist mausetot. Das Publikum fängt an mit dem Smartphone zu spielen und jeder im Raum fragt sich wann dieser Abend endlich sein Ende findet.

Die gute Nachricht ist, dass es nur einem Impro-Anfänger passieren würde eine Szene mit „ja, aber“ zu übernehmen, ein erfahrener Impro-Schauspieler kennt die „Ja, und“ Technik, die es solchen Szenen erlaubt am Leben zu bleiben.

Die „Ja, und“ Technik

Ein Satz der mit „Ja, aber“ beginnt, endet in vielen Fällen in einer Sackgasse oder schlimmer einer Rechtfertigung. Ein Satz der mit „Ja, und“ beginnt entkommt der Situation und ist nicht selten der Beginn einer wunderbaren Geschichte.

„Du hast eine lange Nase!“ „Ja, und manchmal bleibe ich damit an der Tür hängen.“

Cristián Gálvez: Du bist, was du zeigst! S. 205

„Du parkst wie ein Penner!“ „Ja, und gestern hat mir sogar jemand 20 Cent geschenkt.“

Cristián Gálvez: Du bist, was du zeigst! S. 205

Schauen wir uns doch einmal an wie das in der Praxis funktioniert:

Buch offen
Lesen

Als Florian meine Nachricht auf Twitter las, hätte er sich denken können: Ja, aber ich will ja gar nicht von Maria interviewt werden, ich will ja jemanden Interviewen.  Doch als Impro-Profi kam Florian erst gar nicht auf diese Idee, sondern startete gleich mit dem Gedanken: JA, Maria macht Interviews UND ich werde sie jetzt einfach fragen, ob sie Lust darauf hat eins mit mir zu machen.

Als Florian mich nach dem Interview fragte und mir eröffnete, dass es eine Audiospur geben wird, hätte ich sagen können „Ja, aber Audio habe ich noch nie gemacht, daher geht das leider nicht. “ Stattdessen antwortete ich ihm „JA, UND ich freue mich darauf dieses Abenteuer mit Dir zu starten. Bereite Dich bitte nur darauf vor, dass es nicht gut wird und es daher nie live geht.“

Und was soll ich sagen? Das Interview, das Du unter https://freelancers-tales.de/maria-steinberg/ findest war der Hammer. Florian hat es nicht nur großartig vorbereitet, sondern war auch der perfekte Interviewer. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich kann bis heute nicht glauben, dass es sein erstes Mal war.

Florian macht übrigens nicht nur Interviews. Am liebsten arbeitet er mit Menschen, die so sind wie er und in beruflicher Hinsicht Lust auf etwas Neues und Veränderung haben. Für diese Menschen hat er sogar ein ganz besonderes Programm entwickelt, zu dem Du alles Wissenswerte auf https://florian-sussner.de/ findest.

Bevor ich Florian kennengelernt habe, hätte ich nie gedacht, dass Theater im Job hilfreich sein kann. Heute weiß ich es besser und freue mich schon sehr darauf mein neues Wissen im beruflichen Umfeld verstärkt anzuwenden.