3.4 min readPublished On: 15. September 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was eine Bredouille ist?

Ich denke ich bin in einer Bredouille.

Der Begriff Bredouille ist mir sehr vertraut, und ich bin mir zu 99 % sicher, dass er Schwierigkeiten bedeutet. Allerdings habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, warum das Bredouille heißt. Zu meiner großen Freude werden wir heute dank des folgenden Satzes dieser Frage genau nachgehen:

„Bei alldem wettete Goldman – zusammen mit anderen Banken und Hedgefonds – gleich darauf gegen eben die Instrumente, die sie geschaffen und die uns derart in die Bredouille geritten haben.“ S. 12.

Diesen Satz habe ich bei

Mariana Mazzucato: Wie kommt der Wert in die Welt. Vom Schöpfen und Abschöpfen, S. 12,

gelesen.

Was das Lexikon sagt

Zum Glück hält unser Lexikon auch heute wieder einen Eintrag für uns bereit:

Bredouille [bre‘dulje], die; -, -n [frz. bredouille, urspr. = Dreck, H. u.] (ugs.): Verlegenheit, Bedrängnis: in der B. sein. Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 405.

Lass uns gemeinsam in die Bredouille reiten.

Auf der einen Seite bin ich gerade etwas enttäuscht, weil ich ein wenig darauf gehofft hatte, heute etwas über ein Ereignis zu lernen, an dem ein Mensch auf einem Pferd namens Bredouille beteiligt war. Auf der anderen Seite bin ich überrascht, dass Bredouille gar nicht Schwierigkeit, sondern Verlegenheit oder Bedrängnis heißt.

Das bedeutet, ich habe in dem Satz unserer Autorin etwas anderes gelesen als sie sagen wollte. Daher schauen wir uns nun den Satz noch einmal an und ersetzen den Begriff Bredouille durch Verlegenheit und Bedrängnis:

„Bei alldem wettete Goldman – zusammen mit anderen Banken und Hedgefonds – gleich darauf gegen eben die Instrumente, die sie geschaffen und die uns derart in [Verlegenheit gebracht] haben.“

„Bei alldem wettete Goldman – zusammen mit anderen Banken und Hedgefonds – gleich darauf gegen eben die Instrumente, die sie geschaffen und die uns derart in die [Bedrängnis gebracht] haben.“

Auf den ersten Blick passen beide Bedeutungen sehr gut in unseren Satz. Daher schauen wir uns nun den Kontext an, in dem dieser Satz steht.

Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Wert bemessen. Und zu meiner Überraschung ist diese Fragestellung sehr viel spannender als sie auf den ersten Blick erscheint. Auf S. 12 geht es um die Finanzkrise 2008, in der der amerikanische Steuerzahler 125 Milliarden Dollar zahlte, um die Banken zu retten. Unsere Autorin nennt die Bank Goldman and Sachs als eine der Schuldigen, die die Krise mitverursacht haben und wundert sich darüber, dass diese Bank am Ende der Krise gerade einmal 550 Millionen Dollar Bußgeld zahlen musste. Leider weiß ich nicht genau, welche Instrumente die Banken damals geschaffen hatten. Doch ich glaube, dass unsere Autorin der Meinung ist, dass diese Instrumente die Wirtschaftskrise verursachten. Statt in der Krise, in der die Banken gerettet wurden, die eigene Schuld einzugestehen, verschärften die Banken die Situation, indem sie gegen diese Instrumente wetteten und damit wieder Gewinne machten.

Das war nicht so gut.

In meiner Wahrnehmung haben uns die Banken mit ihrem Handeln nicht nur in Verlegenheit, sondern in Bedrängnis gebracht. Daher bevorzuge ich diese Variante des Satzes:

„Bei alldem wettete Goldman – zusammen mit anderen Banken und Hedgefonds – gleich darauf gegen eben die Instrumente, die sie geschaffen und die uns derart in die [Bedrängnis gebracht] haben.“

Wenn ich mir unseren Lexikoneintrag erneut anschaue ist meine Lieblingsversion des Satzes allerdings:

„Bei alldem wettete Goldman – zusammen mit anderen Banken und Hedgefonds – gleich darauf gegen eben die Instrumente, die sie geschaffen und die uns derart in [den Dreck] geritten haben.“

Fazit

In ihrem Buch stellt unsere Autorin spannende Fragen zum Thema Wert. Auf den ersten Blick scheint es unglaublich ungerecht, dass der „unschuldige“ Steuerzahler die Hauptkosten der Krise trägt, die von den „schuldigen“ Banken verursacht wurden. Ich verstehe das Thema nicht gut genug, um die Sachlage beurteilen zu können. Doch mich inspiriert das Buch der Autorin wieder einmal zu folgender Frage:

In was für einer Welt wollen wir leben? Und wie können wir sie erschaffen?