5,4 min readPublished On: 16. September 2021By Categories: Bücher, Wissen

Zerstört extrinsische Motivation intrinsische Motivation?

Langsam war gestern.

Wir leben in einer Zeit, die sich sehr schnell verändert. Um in dieser Zeit erfolgreich zu sein, müssen sich sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter ständig weiterentwickeln.

Viele Unternehmen haben diese Notwendigkeit längst erkannt, und nicht wenige von ihnen haben Maßnahmen auf die Beine gestellt, die dafür sorgen sollen, dass die eigenen Mitarbeiter motiviert werden, diesen Wandel mitzugehen. Von einem dieser Unternehmen berichtet das Buch von

Martin Wehrle: Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch! Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt

Unser Autor verfügt über gutes Quellenwissen, weil der Bereichsleiter eines Unternehmens einer seiner Klienten war.

Wie motiviere ich meine Mitarbeiter?

Viele Unternehmen stehen aktuell vor dieser Frage und das Unternehmen unseres Bereichsleiters hatte sich schon einiges einfallen lassen, um die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. So berichtete unser Bereichsleiter stolz, dass die Mitarbeiter seines Unternehmens in den Genuss folgender Maßnahmen gekomenen waren:

  • individuelle Leistungsprämien,
  • Belohnunf für geringen Krankenstand,
  • systematische Personalentwicklung durch Kurse,
  • individuelle Motivationsgespräche,
  • motivierende Teamevents,
  • Mitarbeiter-Auszeichnungen,

In den Augen unseres Bereichsleiters war dies schon eine stolze Leistung, doch an der weiterhin mangelnden Motivation seiner Mitarbeiter erkannte er, dass diese Maßnahmen ganz offensichtlich noch nicht genügten.

Was passiert, wenn wir Mitarbeiter motivieren?

Das motiviert mich nicht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Motivationsmaßnamen von Mitarbeitern anders wahrgenommen werden können als vom Unternehmen.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Jahre im Vertrieb. In einigen Jobs nutzten die Unternehmen Provisionsmodelle, um mich als Vertriebler zu guten Verkäufen zu animieren. Spannenderweise waren die Provisionen nie eine Arbeitsmotivation für mich. In einem Fall waren sie so gering, dass sie am Ende des Monats einen kaum merkbaren Unterschied beim Gehalt machten. Im anderen Fall war das Grundgehalt so gering, dass ich ohne Provision nicht in der Lage gewesen wäre, auf Dauer meine laufenden Kosten zu decken. Während ich im ersten Fall die Provision ignorierte, weil ich Spaß am Verkauf hatte, setzte mich die Provision im zweiten Fall unglaublich unter Druck. Das Ende vom Lied war, dass ich zum Teil mehr als 12 Stunden am Tag arbeitete, um genügend Gehalt zusammen zu bekommen.

In meinem Fall waren Provisionen nie eine positive Motivation, die nachhaltig wirkte. Doch anscheinend war ich der einzige Mensch, dem es so ging. Immerhin sind Provisionen im Vertrieb normal und laut meinen Chefs waren Provisionen für andere Vertriebler motivierend.

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als ich bei unserem Autor las, dass ich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, der mit extrinsischen Motivationen wie Provisionen nicht viel anfangen kann. Laut unserem Autor haben extrinsische Motivationen in den meisten Fällen eine negative Wirkung auf Mitarbeiter.

Der ist nicht krank, der macht nur blau.

So nehmen Mitarbeiter die Belohnung bei geringem Krankenstand nicht als Belohnung wahr, sondern lesen zwischen den Zeilen, dass das eigene Unternehmen sie für potenzielle Krankmacher hält. Diese Belohnung übt einen unglaublichen Druck auf kranke Mitarbeiter aus, die sich nun lieber mit einer Erkältung in die Arbeit schleppen und andere Kollegen anstecken, um sich nicht am Ende des Jahres vorwerfen zu lassen, dass sie die Abteilung um die Belohnung gebracht hätten.

Ähnlich wirkt ein individuelles Motivationsgespräch. Denn es hinterlässt beim Mitarbeiter nicht selten das ungute Gefühl, dass der eigene Chef glaubt, er sei nicht motiviert genug.

Unser Autor ist der Meinung, dass die extrinsische Motivation durch das Unternehmen die Eigenmotivation des Mitarbeiters zerstört.

Wie entsteht Eigenmotivation?

Während sich unser Autor gegen extrinsische Motivationsmaßnahmen ausspricht, ist er dafür, die Eigenmotivation von Mitarbeitern zu stärken. Dies geschieht allerdings nicht durch Motivationsmaßnahmen, sondern durch die Abschaffung von demotivierenden Faktoren im Unternehmen.

So klappt das mit der Eigenmotivation.

So könnten Unternehmen den Mitarbeitern beispielsweise ein sehr gutes Grundgehalt zahlen und so dafür sorgen, dass die Mitarbeiter gut schlafen können, weil sie wissen, dass sie bei Krankheit, im Urlaub und sogar als Rentner in der Lage sein werden, ihre laufenden Kosten zu decken.

Zudem könnten Unternehmen dafür sorgen, dass Arbeitsfreude entsteht, denn diese ist der beste Motivator. Da Menschen unterschiedlich sind, gibt es hier leider kein Geheimrezept, das bei allen Mitarbeitern gleich gut funktioniert. Arbeitsfreude entsteht meiner Erfahrung nach durch Zuhören. Wenn ein Mitarbeiter beklagt, er habe zu wenig Entscheidungsfreiraum, könnten Unternehmen dafür sorgen, dass er mehr Entscheidungsfreiraum bekommt. Wenn ein Mitarbeiter klagt, er sei überlastet, könnten Unternehmen dafür sorgen, dass Maßnahmen getroffen werden, die diesen Mitarbeiter entlasten.

Aktuell befinde ich mich in einem Job, in dem ich meine Eigenmotivation maximal ausleben kann. Daher kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass mein Job ein Traum ist. Er macht mir so viel Freude, dass ich sogar Dinge mache, die ich eigentlich nie wieder machen wollte. Aber hier machen sie plötzlich Spaß. Zum ersten Mal in meinem beruflichen Leben stehe ich nicht unter dem Druck, Verkaufszahlen zu erfüllen, und plötzlich verkaufe ich, obwohl es eigentlich nicht mein Job ist. Doch ich bin nun mal eine sehr gute Verkäuferin, und es macht für das gesamte Unternehmen, für meinen Vorgesetzten und für meine Kolleginnen und Kollegen Sinn, wenn ich einen Verkauf nicht abschließe, nur weil er nicht ausdrücklich Teil meines Jobs ist.

Fazit

An dieser Stelle bin ich hin und hergerissen. Ich weiß, wie schädlich extrinsische Motivation in Unternehmen für die intrinsische Motivation sein kann und stimme unserem Autor an allen Stellen zu. Auf der anderen Seite erlebe ich in meinem Umfeld, wie Menschen über sich hinauswachsen, weil ich daran glaube, dass sie großartig sind. Jetzt, wo ich die Worte niedergeschrieben habe, fällt mir auf, wo der Unterschied liegt. Ich motiviere die Menschen in meiner Umgebung nicht. Alles was ich tue, ist, an sie zu glauben und ihnen zu vertrauen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Vertrauen und Glauben auch in Unternehmen ein großartiges Konzept sind.

An dieser Stelle bin ich nun neugierig: Wie sind Deine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Motivation in Unternehmen? Wann konntest Du Deine Eigenmotivation voll ausleben? Wann wurde sie durch extrinsische Motivatoren zunichte gemacht?