5,5 min readPublished On: 17. September 2021By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Wie lernen wir am besten auswendig?

Ich muss mir das unbedingt merken.

Wie leicht fällt Dir das Auswendiglernen? Gehörst Du zu den Menschen, die das auswendig zu Lernende nur einmal kurz anschauen müssen, um es sich zu merken? Oder gehörst Du zu den Menschen, für die es eine unendliche Herausforderung ist, Zahlen, Daten, Fakten und Vokabeln auswendig zu lernen?

Ich gehöre zu den Menschen, denen Auswendiglernen unglaublich schwerfällt, weil ich mir Dinge nur schwer einprägen kann. Prüfungsvorbereitungen sind für mich in der Regel die Hölle, und daher freue ich mich immer über Tipps und Tricks, die mir das Auswendiglernen erleichtern. Zu meiner großen Freude bin ich bei

Christian Ankowitsch: Warum Einstein niemals Socken trug. Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst 

über einen solchen Trick gestolpert und freue mich nun sehr darauf, diesen mit Dir zu teilen. Doch zuvor schauen wir uns kurz das Phänomen des Auswendiglernens an, über das ich schon lange grüble.

Auswendiglernen – unfreiwillig vs. freiwillig

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich scheine zwei unterschiedliche Gedächtnisse zu haben. Zum einen ist da das Gedächtnis, das sich wichtige Prüfungsfakten und Co. merken soll. Zum anderen ist da das Gedächtnis, das sich Dinge aus meiner Freizeit einfach merkt.

Das hab ich mir nicht gemerkt, versuchs noch einmal.

Das Prüfungsfakten-Gedächtnis ist ein störrisches und zickiges kleines Teufelchen, das sich nur mit massivem Zeitaufwand und unendlich vielen Wiederholungen dazu bringen lässt, Dinge für eine Prüfung zu lernen und das so Gelernte nach der Prüfung ziemlich schnell wieder ausradiert.

Das Freizeit-Gedächtnis ist ein verspieltes kleines Engelchen, das Daten völlig unbemerkt zum Teil schon beim ersten Kontakt abspeichert, ohne dass ich dafür etwas tun muss. Dieses Gedächtnis

  • verrät mir im Supermarkt ungefragt, ob Milch, Obst oder Gemüse einen günstigen oder hohen Preis haben,
  • merkt sich Details zu Stiften ohne große Mühe. Ich habe nie auswendig gelernt, dass es weiche und harte Bleistifte gibt, ich weiß das einfach,
  • speichert Refrains von Songs, die ich mag und versetzt mich so in die Lage, ab und an mal einen solchen mitzusingen.

Bis heute habe ich nicht endgültig verstanden, warum das eine Gedächtnis so lernunwillig und das andere so lernbegeistert ist. Doch vielleicht hängt dieser Unterschied mit dem kleinen Trick zusammen, den uns unser Autor verrät.

Das Prüfungs-Gedächtnis – Auswendiglernen am Schreibtisch

Schreibtische sind die beste Lernumgebung, oder?

In der Schule lernen die meisten Menschen, sich an einen Tisch zu setzen und zu lernen. Ich dachte daher lange Zeit, dass dies der beste Weg zum Lernen ist. Immerhin hatte ich diesen ja in der Schule gelernt. Doch je mehr ich mich mit dem Thema Lernen beschäftige, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass das mit dem Stillsitzen gar nicht so sehr darauf abzielt, den Schülern das Lernen zu erleichtern, sondern eher dazu dient, die Nerven der Lehrer zu schonen.

Dennoch setze ich mich vor Prüfungen noch immer an den Schreibtisch und schreibe die zu lernenden Dinge so oft ab, bis mein Gedächtnis sie verankert hat. Denn ich habe gelernt, dass ich mir Dinge besser merken kann, wenn ich sie nicht nur lese, sondern sie mit der Hand abschreibe. Mit der Methode „Auswendiglernen durch Abschreiben“ habe ich intuitiv den Auswendiglern-Trick beherzigt, der aus der Feder unseres Autors wie folgt lautet:

„Es spricht also sehr viel dafür, niemanden zum Sitzen zu verdammen, wenn er etwas lernen soll. Vielmehr sollten wir alle dazu ermuntern, sich ab sofort und ausnahmslos in Bewegung zu setzen und die Matheformeln beim Auf-und-ab-Gehen zu lernen. Oder sich aufs Rad zu setzen.“ S. 184.

Das Freizeit-Gedächtnis – Bewegen beim Auswendiglernen

Es gibt harte und weiche Bleistifte, ein 2B macht dickere Linien als ein 5H, aber ein 8B….

In meinen Augen ist das ein entscheidender Unterschied zwischen meinen beiden Gedächtnissen. Bei all den Dingen, die ich in meiner Freizeit mache, bin ich in der Regel nicht am Schreibtisch.

  • Die Preise im Supermarkt merkt sich mein Gedächtnis ungefragt, während ich durch diesen laufe.
  • Die Härten von Stiften begegnen mir in der Regel auch in Geschäften, oder Freunde erzählen mir bei einem Spaziergang davon.
  • Die Refrains, die ich am besten beherrsche, hat mein Gedächtnis abgespeichert, während ich viele Nächte im B2B-Club in Berlin zu ihnen tanzte.

Forscher bestätigen Bewegung hilft beim Lernen

Für die gleich folgenden Aussagen nennt unser Autor folgende Quellen, zu denen ich Dir passende Einstiegslinks rausgesucht habe, auf denen Du kurze Zusammenfassungen der Artikel und weiterführende Recherchedaten findest:

  1. Helga Noice, Tony Noice, Cara Kennedy: Effects of enactment by professional actors at encoding and retrieval (Paywall).
  2. Susan Wagner Cook, Terina KuangYi  Yip, Susan Goldin-Meadow: Gesturing Makes Memories that Last.
  3. Maren Schmidt-Kassow u.a.: Physical Exercise during Encoding Improves Vocabulary Learning in Young Female Adults: A Neuroendocrinological Study.

Ich habe die Texte hinter den Quellen nicht gelesen und wiederhole im Folgenden daher nur die Aussagen unseres Autors über diese Quellen:

  1. Schauspieler erinnerten sich noch Monate nach einer Vorstellung an die Texte jener Szenen, in denen sie sich bewegten, während die anderen Texte fast verschwunden waren.
  2. Zuschauer, die die Bewegung in einer Szene nachahmen, konnten sich drei Wochen danach besser an diese erinnern als Zuschauer, die nur zusahen.
  3. Frauen, die polnische Vokabeln lernten, während sie auf einem Fahrradtrainer strampelten, merkten sich diese Vokabeln besser als Frauen, die still saßen.

Fazit

Ich liebe Tage wie heute, an denen Dinge plötzlich einen Sinn ergeben. So habe ich mir in den letzten Monaten angewöhnt, mich auf eine Rüttelplatte zu stellen, während ich im Job monoton gesprochene You-Tube-Videos zu Themen schaue. Eine Rüttelplatte ist in meinen Augen ein sinnloses Gerät, doch sie steht nun einmal in meinem Homeoffice herum. Wenn Du Dich auf die Platte stellst, wird Dein Körper durchgerüttelt. Angeblich ist das Sport. Meine eigentliche Absicht war es, mich mit Hilfe der Rüttelplatte davon abzuhalten, mit meinen Händen etwas zu tun, das mich vom Inhalt des Videos ablenkte. Dass ich damit meine Gedächtnisleistung steigerte, wusste ich nicht.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Wie lernst Du Dinge am besten auswendig? Hilft Dir Bewegung, oder kennst Du noch andere Tricks, die hilfreich sind?