4,2 min readPublished On: 23. Mai 2022By Tags: , , Categories: Bücher

Weißt Du, was elaboriert bedeutet?

Bin ich elaboriert?

Ein Begriff, der mir immer mal wieder begegnet, lautet elaboriert. Bis heute habe ich keine Ahnung, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Daher freue ich mich sehr, dass ich bei

Philipp Hübl: Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie,

über folgenden Absatz gestolpert bin, in dem das Wort auftaucht:

„Auch wenn man über Jahrhunderte glaubte, es gebe primitive und elaborierte Sprachen, spricht vieles dagegen. Durch jahrelange Feldforschungen in Regenwäldern, Bergdörfern, Trockensteppen sowie in Niederbayern haben Linguisten nahegelegt, dass alle Sprachen gleich ausdrucksstark sind.“

S. 52.

Ohne nachzuschlagen verstehe ich, dass eine primitive Sprache eine sehr einfache Sprache ist. Doch ich habe keine Vorstellung davon, was eine elaborierte Sprache sein könnte. Ich bin gespannt, ob uns unser Lexikon auch heute wieder dabei helfen kann, diesen Satz zu verstehen.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon erhellt uns.

Mit dem folgendem kurzen Eintrag bringt unser Lexikon auch heute wieder Licht ins Dunkel:

„elaboriert <Adj.> [nach engl. elaborated = herausgearbeitet, entwickelt, zu lat. elaborare, ­ Elaborat] (bes. Sprachw.): differenziert ausgebildet: -er Code (­ Code 3).“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 616.

Eine elaborierte Sprache ist also eine Sprache, die differenziert ausgebildet und daher nicht primitiv ist. Irgendwie kann ich mit dieser Erklärung nicht viel anfangen, weil ich keine Vorstellung davon habe, was eine differenziert ausgebildete Sprache ausmachen könnte. Lass uns doch einmal schauen, ob wir mit Hilfe des großartigen Internets herausfinden können, was genau eine Sprache zur elaborierten Sprache macht.

Was macht eine Sprache zur elaborierten Sprache?

Die Webseite Easytrans24, der ich heute zum ersten Mal begegnet bin, liefert den für mich erleuchtenden Hinweis. Hier steht, dass elaborierte Sprachen von sozialen Mittel- und Oberschichten genutzt werden. Mit diesem Wissen kann ich nun gedanklich die Brücke zu den vielen Lexikonbeiträgen schlagen, in denen uns immer wieder der Begriff „bildungssprachlich“ begegnet.

Was für ein deutsch spreche ich?

Nach diesem Verständnis gibt es also ein primitives und ein elaboriertes Deutsch. In meiner Jugend strebte ich danach, dieses elaborierte Deutsch zu erlernen. Und ich fand mich irgendwie großartig, weil ich dank all der Bücher, die ich las, Begriffe kannte, die Freunde von mir nicht kannten. Doch irgendwann begegnete ich Menschen, die mehr Worte kannten als ich. Plötzlich kam ich mir dumm vor. So dumm, dass ich mich nicht traute, die Menschen nach der Bedeutung mir unbekannter Worte zu fragen. Das war kein gutes Gefühl. Irgendwann kam der Tag, an dem ich mich doch einmal traute und jemanden bat, mir einen Begriff zu erklären. Zu meinem großen Erstaunen konnte der Befragte das nicht. Denn obwohl er den Begriff verwendete, konnte er ihn nicht erklären. An diesem Tag fasste ich Mut und begann, immer häufiger zu fragen. Manchmal konnten Menschen meine Fragen beantworten, und ich lernte ein neues Wort, und manchmal konnten sie es nicht. Ich lernte aus diesen vielen Beispielen, dass ich ein Fan der primitiven Sprache bin, weil sie in meiner Wahrnehmung besser dafür geeignet ist, Gespräche zu führen, die alle Beteiligten verstehen.

Sind alle Sprachen gleich ausdrucksstark?

Liebe ist in jeder Sprache ausdrucksstark.

Nachdem ich nun verstanden habe, was elaborierte Sprachen sind, möchte ich noch auf den Teil des Absatzes eingehen, in dem unser Autor sagt, dass alle Sprachen gleich ausdrucksstark sind. Aus dem Absatz unseres Autors geht hervor, dass sich Linguisten gezielt mit der gesprochenen Sprache in den Regionen auseinandergesetzt haben, in denen soziale Mittel- und Oberschichten nur selten anzutreffen sind.

Hier haben sie nun festgestellt, dass auch Menschen außerhalb dieser Schichten eine ausdrucksstarke Sprache haben. Da elaborierte Sprachen sich durch einen elaborierten Code auszeichnen, der aus bestimmten (zum Beispiel bildungssprachlichen) Worten besteht, vermute ich stark, dass unsere Linguisten herausgefunden haben, dass die Menschen in diesen Regionen aufgrund ihrer täglichen Arbeit einen eigenen elaborierten Code haben. Nur besteht dieser wahrscheinlich nicht aus bildungssprachlichen Begriffen, sondern aus Fachbegriffen, die eher etwas mit den Regenwäldern, mit Bergen oder Steppen und mit der Umwelt zu tun haben, in der sie leben.

Fazit

An dieser Stelle freue ich mich nicht nur darüber, dass ich nun endlich verstehe, was elaboriert bedeutet. Ich freue mich auch darauf, dass dieser Begriff immer mehr ausstirbt. So sehr ich Bücher liebe, so sehr nervt es mich, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie besser als andere Menschen sind, weil sie mehr Worte kennen und benutzen. Für mich ist Sprache ein Werkzeug zur Kommunikation. Mit Kommunikation können wir Wissen teilen und Brücken bauen. Sprache dafür zu nutzen, um sich von anderen Menschen abzuheben ist für mich so, als ob ich man einen Hammer nutzt, um jemanden zu erschlagen. Die Sprache ist ein Werkzeug und jeder von uns entscheidet jeden Tag, wie dieses Werkzeug eingesetzt wird.