Weißt Du, was Extraktivismus ist?
Ich weiß was Extra bedeutet und kenne auch den Begriff Aktivismus, doch mit dem Wort Extraktivismus, das mir in

begegnet ist, kann ich nichts anfangen. Dank der Autoren weiß ich, dass der Extraktivismus etwas mit dem Rohstoffabbau zu tun haben kann. Sie schreiben:
„Das Deep Sea Mining bzw. das Deep Space Mining sieht so fantastische wie fragwürdige Methoden der Umweltausbeutung vor; der ungebremste Rohstoffhunger der Gegenwart führt zu einer neuen, gesteigerten Form des Extraktivismus.“
S. 5.
Wenn wir die Rohstoffe aus den Meeren und anderen Planeten ausbeuten betreiben wir also Extraktivismus und das nicht zum ersten Mal. Lass uns doch einmal mit Hilfe des Lexikons schauen, ob es uns verraten kann, was genau wir da erneut anstellen werden.
Was das Lexikon sagt
Nichts. Unser Lexikon kennt den Begriff nicht
Was das Internet sagt
Wikipedia verrät uns, dass der Extraktivismus im Lateinischen seinen Ursprung hat:
„Als Extraktivismus (von lateinisch ex-trahere „herausziehen“; ex-tractum „das Herausgezogene“) bezeichnet man Formen der Wirtschaft in der herrenlosen Natur, bei denen natürliche Ressourcen (etwa Bodenschätze, wildlebende Pflanzen oder Tiere) entnommen, genutzt und vermarktet werden.“
Der Wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages definiert den Begriff in diesem gleichnamigen PDF wie folgt:

„Der Begriff Extraktivismus umfasst Abbau, Nutzung und Export natürlicher Ressourcen, unabhängig von der Art oder Intensität. Klassische Sektoren sind hierbei Erdölförderung, Bergbau, Landwirtschaft und Fischerei (klassischer Extraktivismus). […] Im heutigen Diskurs wird der Begriff Extraktivismus primär verwandt für Ökonomien des globalen Südens, die zum einen abhängig von Rohstoffexporten sind, zum anderen nicht willens oder in der Lage, sich zu diversifizieren, um breitgestreuten gesellschaftlichen Wohlstand zu schaffen.“
Die Bundeszentrale für Politische Bildung geht noch einen Schritt weiter und beschäftigt sich mit
„dem sozioökonomischen Entwicklungsmodell des sogenannten Neo-Extraktivismus, das auf die intensivierte Förderung, Produktion und den Export von unverarbeiteten Rohstoffen setzt. […] Das Modell des Neo-Extraktivismus führt zu geringer Wertschöpfung und lässt die jeweiligen Länder in Abhängigkeit von Nachfrage und Preisen auf dem Weltmarkt, womit ihre subalterne Integration in diesen verbunden ist. […] Der Neo-Extraktivismus verursacht hohe ökologische Kosten, insbesondere in den Abbaugebieten und für die dort lebende Bevölkerung.“
Beim Extraktivismus geht es also um einen rücksichtslosen Rohstoffabbau, der Schäden an der Natur und für die Bevölkerung in Kauf nimmt. Beim Extraktivismus streichen die abbauenden Unternehmen die durch den Abbau erzielten Gewinne ein. Beim Neo-Extraktivismus akzeptiert ein Land, dass seine Exporte hauptsächlich aus Rohstoffen bestehen. Es generiert seine Exportgewinne hauptsächlich aus dem Export von endlichen Rohstoffen. Sind diese verbraucht, oder sinkt der Weltmarktpreis für diese, brechen die Einnahmen zusammen. Weil das Land auf die Einnahmen der Rohstoffexporte angewiesen ist, geschieht der Abbau ohne Rücksicht auf jene Schäden, die durch diesen an der Umwelt verursacht werden.
Fazit
Der Begriff Extraktivismus hat nichts mit Extra oder Aktivismus zu tun, sondern ist mit dem Begriff Extrahieren verwand. Es geht also darum, dass Rohstoffe aus einem Land, einem Meer oder einem Planeten herausgezogen werden.
Indem unsere Autoren den Begriff verwenden, weisen sie ihre Leser darauf hin, dass wir bereits negative Erfahrungen mit dieser Art der Rohstoffabbaus gemacht haben. Sie sprechen also eine indirekte Warnung aus, diese Fehler an anderer Stelle, sprich im Meer oder auf Planeten, zu wiederholen. Ich bin sehr gespannt, ob diese Warnung erhört werden wird. In Sachen Meer räume ich uns ganz gute Chancen ein, denn dies befindet sich auf unserem Planeten und das bedeutet, dass die Menschheit mit eventuellen negativen Folgen des Rohstoffabbaus leben muss. In Sachen Planeten sehe ich dagegen eher schwarz. Ich vermute, dass die Entfernung zu einer „die-Schäden-betreffen-mich-nicht-Einstellung“ führen werden.
An dieser Stelle bin ich daher neugierig: Hast Du eine Idee, wie wir dafür sorgen können, dass wir in Zukunft verhindern können, dass unser Rohstoffhunger das ganze Universum zerstören wird?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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