Weißt Du was Gravitationsastronomie ist?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom C.H.Beck Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben. 

In unserem Sonnensystem sind wir ein kleines Licht.

In den letzten Jahren habe ich mich zu einem Fan der Astronomie entwickelt. Zum einen finde ich die Vorstellung, dass die Erde nur eine winzige unbedeutende Kugel – ähm, entschuldige, ein winziger unbedeutender Planet – in den unendlichen Weiten des Universums ist, unglaublich beruhigend. Zum anderen bewundere ich die Geduld und die Kreativität der Menschen, die sich mit Astronomie beschäftigen.

Och komm schon. Ein Fahrrad auf dem Mond?

Als Stadtkind komme ich nur selten in Kontakt mit dem Himmel. Während ich den Mond und den Nordstern ohne Probleme am Himmel identifizieren kann, hindert mich die Luftverschmutzung der Stadt daran, viel mehr zu sehen. Zum Glück gibt und gab es schon immer viele Menschen, die nicht in Städten leben und vom Himmel und seinen Sternen so fasziniert waren, dass sie begannen, diese zu studieren. Du glaubst nicht, wie groß mein Erstaunen war, als ich erfuhr, dass Astronomen wirklich lange nur ihre Augen hatten, um das Geschehen am Himmel zu betrachten. So wurde zum Beispiel das Teleskop erst 1608 erfunden.

Mit Augen und Werkzeugen für das Auge ausgestattet, entdeckten die Astronomen so ziemlich alles, was wir bis zum heutigen Tag über das Weltall wissen. In meinen Augen ist das schon unglaublich viel. Doch laut

Mickaël Launay: Die Regenschirm-Formel, ODER DIE KUNST, DIE WELT MIT KLAREM VERSTAND ZU BETRACHTEN

Könnte es sein, dass wir dank der noch sehr jungen Gravitationsastronomie mit unserem Wissen über das Weltall erst ganz am Anfang stehen.

Augen ohne Hirn bringen nix.

Wie gesagt, beruht das meiste dessen, was wir bisher über das Universum wissen, auf unseren Augen. Egal, ob der Mensch direkt in den Himmel schaut, ein Teleskop benutzt oder Sonden ins All schickt, am Ende ist es das menschliche Auge, dass die Daten aufnimmt und das Gehirn, das dann die Daten auswertet. Doch die Fähigkeiten des menschlichen Auges sind erstaunlich begrenzt. Um mehr über das Weltall zu erfahren ist es höchster Zeit, auf andere Technologien zurückzugreifen, zum Beispiel auf die Gravitationsastronomie.

Was ist Gravitationsastronomie?

Wir sind die Könige der Wissenschaft.

Wir schreiben den 14. September 2015. Zwei gigantische, von Menschen gebaute Apparaturen namens LIGO, nehmen eine winzige Vibration der Raumzeit auf, die gerade einmal eine Fünzigstelsekunde dauert. Diese winzige Vibration versetzt die Astronomen in helle Begeisterung, denn sie wurde von einem Ereignis ausgelöst, das noch nie zuvor ein Mensch beobachtet hatte und dessen Existenz bis zu diesem Tage nicht bewiesen werden konnte.

So eine Welle macht eine richtig lange Urlaubsreise.

Ausgelöst wurde diese Vibration von einem 36 Sonnenmassen schweren Schwarzen Loch und einem 29 Sonnenmassen schweren Schwarzen Loch in zehn Trillionen Kilometer Entfernung, die sich zu einem 62 Sonnenmassen Schwarzen Loch verschmolzen hatten und dabei eine Gravitationswelle auslösten. Diese Gravitationswelle verbreitete sich nach der Verschmelzung mit Lichtgeschwindigkeit durch das Weltall. Doch zehn Trillionen Kilometer sind kein Pappenstiel und so brauchten die Gravitationswellen unglaublich lange, um die Erde zu erreichen. Als die Menschen auf der Erde die Gravitationswelle mit ihrem gigantischen Apparat maßen, waren sie bereits mehr als eine Milliarde Jahre durch das Weltall gereist.

Am besten lässt sich die Begeisterung der Astronomen über ihre Entdeckung von ihnen selbst in Worte fassen. Zu meiner großen Freude hat Scinexx einen fantastischen Bericht über die Entdeckung verfasst, den ich für absolut lesenswert halte, weil er neben viel mehr Details auch noch weiterführende Informationen und ein Video der Verschmelzung enthält.

Ohne Gravitation liefe die Nummer anders.

Noch ein Wort zur Gravitation. Die meisten von uns kennen diesen Begriff noch aus der Schule. Doch die wenigsten bringen ihn mit unserem Alltag in Verbindung. Jeder von uns hat jeden Tag mit der Gravitation zu tun. Sie sorgt dafür, dass Dinge, die uns aus der Hand fallen, nach unten fallen. Tatsächlich ist die Gravitation für viele von uns so normal, dass wir sie im Alltag kaum beachten. Umso faszinierender finde ich es, dass uns diese so vertraute Kraft in Zukunft hoffentlich viele neue Erkenntnisse schenken wird.

Fazit

Wir könnten in ungeahnte Höhen aufsteigen.

Obwohl die Menschheit in den letzten Jahrtausenden schier unglaubliche Entdeckungen gemacht hat, scheinen wir noch immer erst am Anfang unseres Wissens zu stehen. Nur zu gern stelle ich mir vor, dass wir die aktuelle Situation auf unserer Welt zum Anlass nehmen könnten, um unsere Systeme neu zu denken. Statt in Zukunft weiter den Fokus hauptsächlich auf die Produktion von Dingen zu legen, könnten wir doch auch ein System erschaffen, in welchem wir unseren Fokus verstärkt auf die Produktion von Wissen richten. Stell Dir vor was passieren würde, wenn sich mehr Menschen der Forschung widmen würden. Was könnten wir alles entdecken? Was wäre, wenn Gravitationswellen nur der Anfang sind und Wissenschaftler endlich einen Beamer entwickeln würden, der uns mit einem Fingerschnipp von einem Ende der Welt zum nächsten bringt und das ganz ohne Luftverschmutzung? Wo könnte die Welt in 10, 50 oder 100 Jahren stehen?

Dank dieser schönen Frage werde ich nun etwas in meiner Fantasiewelt schwelgen und wünsche Dir einen fantastischen Start in den Tag.