3,7 min readPublished On: 19. August 2022By Tags: , , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was Kokolores ist?

Zum Glück gibt es heute eine Antwort.

Dieser Begriff begegnet mir immer mal wieder. Bis jetzt habe ich ihn für mich immer mit „Unsinn“ übersetzt. Doch ich habe keine Ahnung, ob diese Übersetzung richtig ist. Zum Glück bin ich bei

Sebastian Deubelli: Fotografie und Recht im Fokus, S. 86.

über den folgenden Satz zum Thema Gerichtsentscheidungen gestolpert:

„Diese fallen – wer hätte das von Gerichten erwartet -meist nicht einheitlich aus, was aber viele meiner Berufskollegen nicht davon abhält, bei jeder einzelnen Gerichtsentscheidung, die nicht zu 100 Prozent MFM-Sätze bestätigt, vom Aussterben dieser ohnehin längst nicht mehr zeitgemäßen Honorarempfehlungen im gerichtlichen Verkehr oder ähnlichem Kokolores zu schreiben.“ S. 86.

Unser Autor ist Anwalt für das Thema Fotografie. Seine Aufgabe ist es, seine Mandanten vor Gericht zu vertreten und dabei die Frage zu klären, ob ein bestimmtes Foto, das von einem Unternehmen genutzt wurde, in der Art und Weise genutzt werden durfte oder nicht. Entscheidet das Gericht, dass das Foto nicht genutzt werden durfte, lautet dann die Frage: Wieviel Geld muss das Unternehmen für die Nutzung des Bildes, das nicht hätten genutzt werden dürfen, an den Fotografen zahlen? Um diese Frage zu beantworten, ziehen die Kollegen unseres Autors gern die jährlich aktualisierte Honorarliste der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) heran.

Bis zu dieser Stelle verstehe ich den Satz unseres Autors. Doch da ich nicht weiß, was Kokolores bedeutet, verliere ich am Ende des Satzes den Faden. Lass uns doch einmal schauen, ob unser Lexikon uns an dieser Stelle weiterhelfen kann.

Was das Lexikon sagt

Ja, unser Lexikon verrät uns, was unser heutiger Begriff bedeutet:

„Kokolores, der; – (viell. zu einer früheren Form von ↑ Gaukler (vgl. mniederd. gokeler = Gaukler)] (ugs.): a) Unsinn, Unfug: das ist doch alles Kokolores.; b) Getue, Aufheben.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1325.

Hey, ich bin kein Unsinn.

Überraschenderweise lag ich mit meiner Übersetzung goldrichtig: Kokolores = Unsinn. In dem Satz unseres Autors würde ich dennoch eher den Begriff „Unfug“ einfügen. Ich vermute also, dass unser Autor uns sagen möchte, dass es Unfug ist, dass die Honorarempfehlung der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing ausstirbt, nur weil es Gerichtsurteile gibt, die sich nicht daran halten.

Fazit

Obwohl ich nun weiß, was Kokolores bedeutet, verstehe ich den Satz unseres Autors noch immer nicht in Gänze. Was mich verwirrt sind die Worte „dieser ohnehin längst nicht mehr zeitgemäßen Honorarempfehlungen“. Ich bin mir nicht sicher, ob der Teil des Satzes bedeutet, dass es unser Autor ist, der die Empfehlungen für nicht mehr zeitgemäß hält und wenn ja, warum er diese für nicht mehr zeitgemäß hält, obwohl diese jedes Jahr aktualisiert werden.

Ich für meinen Teil habe mich immer wieder mit Bildrechten und Honoraren auseinandergesetzt und bin noch immer nicht sehr schlau. Das Thema ist zu vielschichtig. Wenn ich ein Bild kaufe, möchte ich damit machen können, was ich will. Wenn ich ein Bild verkaufe, möchte ich nicht, dass dieses irgendwann zum Zweck der Werbung für Dinge genutzt werden darf, die mir im Innersten widerstreben. Daher möchte ich nicht, dass der Käufer mit meinem Bild alles machen kann. Doch ich habe keine Ahnung, wie sich diese zwei Welten, die sehr weit auseinanderliegen, vernünftig vereinbaren lassen. Daher verwundert es mich auch nicht, dass die Gesetzgebung an dieser Stelle so umfangreich und kompliziert ist, dass ich sie bis heute nicht verstehe.

Ist das Kunst?

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich mir wünschen, dass alle Künstler einfach genug Geld verdienen, um von ihrer Kunst leben zu können. Dafür brauchen sie keine Honorare, sondern ein festes Einkommen. Ich bin daher dafür, dass wir die Honorargeschichte einfach abschaffen und Künstlern ein monatliches Einkommen zahlen, wenn sie im Gegenzug dafür Werke erschaffen und diese der Allgemeinheit zur freien Nutzung zur Verfügung stellen würden. So bräuchten sich Künstler keine Sorgen mehr über ihr wirtschaftliches Unternehmen machen und Nutzer von Bildern liefen nicht mehr Gefahr, vor Gericht zu landen, weil sie Bilder falsch verwendet haben. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann an diese Stelle.