3,4 min readPublished On: 18. Mai 2022By Tags: , , Categories: Bücher

Weißt Du, was Platooning ist?

Ich bin kein LKW.

Laut

Christoph Keese: Silicon Germany. Wie wir die digitale Transformation schaffen,

ist Platooning eine innovative Idee, die das Logistik-Geschäft verbessern kann. Und daher gibt es Logistikunternehmen, die mit Platooning experimentieren. Auch verrät er uns (siehe S. 106), worum es bei dieser Idee geht, nämlich dass Lastwagen halbautomatisch auf der Autobahn hintereinander herfahren.

Wie das Ganze im Detail funktioniert, warum die Lastwagen nicht vollautomatisch hintereinander herfahren und was genau der Begriff bedeutet, verrät uns unser Autor allerdings nicht. Lass uns doch einmal schauen, ob uns das Internet mehr über diese Technologie verraten kann.

Was bedeutet der Begriff Platooning?

Der Begriff Platooning leitet sich laut der ADAC Webseite vom englischen Begriff  Platoon für „Einheit“ oder „Trupp“ ab. Laut dem Merriam Webster Wörterbuch ist das englische Wort „platoon“ sowohl ein Nomen als auch ein Verb. Als Nomen beschreibt es eine militärische oder zivile Einheit, die aus mehr als einem Mitglied besteht. Als Verb beschreibt es zwei Sportler, die in einem Team die gleiche Position besetzen.

Wie funktioniert Platooning in der Logistik?

Alle mir nach.

Beim Platooning geht es darum, dass mehrere LKW via Car-to-Car-Kommunikation zu einer Einheit vernetzen. Der Fahrer des ersten Fahrzeuges übernimmt dabei gewissermaßen die Führung aller Fahrzeuge. Denn seine Geschwindigkeit, sein Brems- und Lenkverhalten wird auf die anderen Fahrzeuge übertragen.

Der ADAC veröffentlichte 2019 einen Bericht über eine mehrere Monate andauernde Testphase von Platooning durch 2 LKW von DB Schenker und MAN auf der A9 zwischen Nürnberg und München. Dank der halbautomatischen Steuerung der Fahrzeuge, konnten die LKW mit einem Abstand von lediglich 15 und 21 Metern hintereinander fahren.

Obwohl dieser Abstand sehr gering ist, kamen andere Verkehrsteilnehmer immer wieder auf die Idee, sich zwischen zwei Fahrzeuge setzen zu wollen. In diesen Situationen griff der Fahrer des zweiten LKW ein und beendete das Platooning, indem er sein Fahrzeug abbremste und dem anderen Verkehrsteilnehmer so das sichere Einschwenken zwischen die LKW ermöglichte. Ich vermute, dass andere Verkehrsteilnehmer ein wichtiger Grund sind, warum LKW nicht vollautomatisch hintereinander herfahren.

Ist Platooning schon real?

Das dauert wohl noch.

Das Buch unseres Autors wurde erstmals 2016 veröffentlicht. Laut meinen Recherchen fanden die ersten Tests der Technologie erst nach der Veröffentlichung des Buches statt. Obwohl bei den Tests geringe Fehlerquoten auftraten und obwohl aufgrund der Nutzung des Windschattens der beteiligten LKW Sprit gespart werden konnte und die LKW weniger Platz auf der Autobahn einnahmen, ist Platooning bis heute eine Zukunftstechnologie, die laut dieses Berichts möglicherweise in den Schubladen der Unternehmen versauern wird.

Fazit

Ich freue mich sehr, heute mehr über diese Technologie erfahren zu haben. Gleichzeitig bin ich überrascht, dass 7 Jahre nicht ausreichen, um halbautonom fahrende LKW auf deutschen Straßen Normalität werden zu lassen, so dass es eine realistische Chance gibt, dass Platooning vielleicht nicht real wird.

Bei Themen wie Platooning bin ich hin und hergerissen. Auf der einen Seite mag ich die Vorstellung, dass dadurch Ressourcen gespart werden könnten. Auf der anderen Seite habe ich keine Antworten auf die vielen nicht technologischen Fragen, die mit der Einführung solcher Technologien einhergehen.

Ich habe einmal in einem Auto gesessen und erlebt, was passieren kann, wenn ein Fahrer vollkommen auf die Technologie vertraut. Es regnete heftig und für mein Gefühl wären 20 km/h für dieses Wetter eine angemessene Geschwindigkeit gewesen. Der Fahrer des Fahrzeuges dagegen fuhr in einem Affenzahn über die Autobahn, da er seinen Assistenzsystemen vertraute. Ich starb derweil tausend Tode, weil ich mir zwar relativ sicher war, dass das Fahrzeug Aquaplaning händeln würde. Aber eine unbedachte Bewegung, z. B. ein plötzliches Bremsen eines anderen Autofahrers hätte gereicht, um uns bei hohem Tempo in dessen Fahrzeug zu rammen.

Trotz dieser realen Erfahrung sehne ich noch immer den Tag herbei, an dem ich in ein vollautonomes Fahrzeug steigen kann. An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig. Was hältst Du von Technologien wie Platooning und autonomes Fahren?