Weißt Du was sublimieren bedeutet?

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Das klingt wie limitieren, oder?

Sublimieren gehört zu den Worten, die mir gefühlt häufiger begegnen und bei denen ich lediglich glaube zu wissen was sie bedeuten. Sublimieren klingt für mich wie eine Kombination aus Subtraktion (also Minus nehmen) und Limitieren. Mit dieser Bedeutungsspekulation habe ich mich bis heute zufriedengegeben, doch dank

Martin E.P. Seligman: Der Glücks-Faktor. Warum Optimisten länger leben

werden wir heute gemeinsam der wahren Bedeutung von Sublimieren auf den Grund gehen.

Wilde Bedeutungsspekulation

Das Loch in der Schädeldecke ist suboptimal.

In Sublimieren versteckt sich die wunderbare Silbe „Sub“, dich ich sonst nur von Suboptimal kenne. In der Kombination mit Optimal bedeutet „Sub“, dass etwas nicht mehr optimal ist. Lass uns doch mal schauen, ob uns zu den anderen Wortbestandteilen auch etwas Schönes einfällt

  • Sub – nicht, wenig
  • limi – Limit, Limitation, limitieren
  • er – Erzählungen, erobern, erleben, ergänzen, Erstaunen
  • en – Engländer, Engel, Entdeckungen

Das sieht doch sehr vielversprechend aus. Lass uns doch mal schauen was passiert, wenn wir diese Bedeutungen kombinieren:

Kein Limit
  • Limits erstaunen wenige Engel.
  • Erzählungen (von) Entdeckungen nicht limitieren.
  • Engländer erleben wenig Limitation.

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber irgendwas sagt mir, dass die wahre Bedeutung von sublimieren mit unserer Spekulation nur wenig zu tun haben wird. Es ist Zeit das Lexikon zu befragen.

Was das Lexikon sagt

Subtropen nicht suboptimal

In unserem wunderbaren Lexikon existieren geschlagene drei Seiten mit Worten, die mit Sub beginnen. Warum denke ich bei Sub automatisch an Subtraktion und Suboptimal und nicht an großartige Dinge, wie Subtropen oder Subwoofer? Liebes Gehirn, da müssen wir uns noch einmal drüber unterhalten, doch jetzt ist es an der Zeit endlich das Geheimnis, um unser wunderbares Sublimieren zu lüften:

sublimieren (sw. V.) [lat. sublimare = erhöhen, zu: sublimis, ­sublim]: 1. <hat> a) (bildungsspr.) auf eine höhere Ebene erheben, ins Erhabene steigern; verfeinern, veredeln: ein Gefühl s.; b) (bildungsspr.., Psych.) (einen Trieb) in künstlerische, kulturelle Leistungen o.Ä. umsetzen: seine Begierden s. 2. (Chemie) a) vom festen unmittelbar in den gasförmigen Aggregatzustande übergehen (od. umgekehrt)<ist>: das Eis sublimiert; <auch s. + sich; hat;> das Eis sublimitert sich; b) etw. vom festen unmittelbar in den gasförmigen Aggregatzustand überführen (od. umgekehrt) <hat>: einen Stoff s.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2259f.
Ist das mit der Subtraktion richtig?

Wie bitte sublimieren kommt von sublimare und bedeutet erhöhen, nicht verringern? Das macht mich jetzt schon etwas sprachlos. Kann es sein, dass ich die Sache mit der Subtraktion in der Schule völlig falsch verstanden habe?

Geht es nur mir so, oder findest auch Du diesen Lexikoneintrag etwas schief? Der letzte Teil mit dem Aggregatzustand ist doppelt und soweit ich weiß, wird Eis nicht direkt zu Gas (in diesem Fall wahrscheinlich Wasserdampf), sondern erst einmal zu Wasser? Welcher Stoff geht von Fest direkt zu Gas über? Dank unserem wunderbaren Internet und Wikipedia habe ich einen Stoff gefunden, der diese Fähigkeit hat: Trockeneis ist ein Stoff, der von seinem festen Zustand direkt in einen gasförmigen Zustand übergeht und im Normalfall dazwischen nicht erst flüssig wird. Schön, dass wir das geklärt haben.

***UPDATE 24.03.2020: Wie es der Zufall so wollte, ist mir gestern das Wort Sublimieren in einem wunderbaren Podcast begegnet, bei dem es um Meteore ging. Diese Weltraumobjekte bestehen zum Großteil aus Eis. Wenn sie sich der Sonne nähren wird das Eis aufgrund der Hitze sofort zu Gas, es sublimiert also. Als Beobachter sehen wir dann am Himmel dann einen Meteor mit Sublimationsstreifen. ***

Der Autor unseres heutigen Buches ist kein Chemiker, sondern Psychologe, daher schauen wir uns den Teil des Lexikoneintrages noch einmal genauer an, der die Abkürzung Psych. enthält:

b) (bildungsspr.., Psych.) (einen Trieb) in künstlerische, kulturelle Leistungen o.Ä. umsetzen: seine Begierden s.

Trinken

Die erste Frage, die mir bei diesem Eintrag entgegenspringt, lautet „Was genau ist ein Trieb?“. Das Internet sagt, dass ein Trieb ein innerer Antrieb ist, der oft dafür sorgt, dass wir uns um überlebenswichtige Bedürfnisse kümmern. Spontan fallen mir da Schlafen, Trinken und Essen als Bedürfnisse ein. Wie ich mein Bedürfnis nach Schlaf in eine künstlerische Leistung umsetzen kann ist mir schleierhaft.

Fazit

Das kann weg.

Getreu dem Motto „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ sortiere ich sublimieren auf den kann-weg-Stapel. Zum einen hat sublimieren viel zu viele Bedeutungen, zum andern finde ich jede einzelne von ihnen verwirrend. Unsere Welt ist komplex genug, wir müssen sie nicht noch weiter durch verwirrende Worte verkomplizieren.