Kann eine Smartwatch aus einem Fitnessmuffel einen Fitnessjunkie machen?

_Geschätzte 5 Minuten Lesezeit

WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Redline Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Darf ich vorstellen? Mein Hexenbuckel.

Viele von uns verbringen viel zu viel Zeit am Schreibtisch bzw. am PC. Seit dem ich blogge und sketchote verbringe auch ich viel mehr Zeit am PC. Besonders krass ist das Sketchnoten. Hier sitze ich bis zu 90 Minuten am Stück über den Monitor gebeugt und habe die Körperhaltung einer Hexe. Genau dieser Hexenbuckel tut nach 90 Minuten so weh, dass ich mich dehnen muss um wieder in eine aufrechte Position zu gelangen.

Mach Sport!

In diesen Situationen sagt meine Vernunft mir: „Maria, Du solltest wirklich Sport machen.“ Doch irgendwie kann ich mich nicht recht überwinden. Sport ist für mich verschenkte Zeit. Natürlich könnte ich mit dem Fahrrad ins Büro fahren, aber während ich auf dem Fahrrad sitze kann ich nun einmal nicht lesen.

Hersteller von smarten Fitnessgeräten haben sich auf Menschen wie mich spezialisiert und dank dem ein oder anderen psychologische Kniffe Wege gefunden auch dem größten Sportmuffel zu etwas gesunder Bewegung zu motivieren. Denn Bewegung ist gut und gesund, dass zumindest dachte sich Zoë Chance, die dank

Nir Eyal: Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen. Indistractable – Werden Sie unablenkbar

die Hauptrolle in unserem heutigen Beitrag spielen wird.

Zoë die Wissenschaftlerin

Es müssen nicht immer Tierversuche sein.

Zoë Chance hat nicht nur in Harvard promoviert, sie ist sogar Professorin an der Yale School of Management. Als Professorin zeigt sie ihren Studenten wie unser Konsum gezielt von Herstellern gesteuert wird. Um in Sachen Tipps und Tricks der Konsumentensteuerung immer auf dem Laufenden zu bleiben ist Zoë zu allem bereit. Selbst vor Selbstversuchen hat sie keine Scheu, denn immerhin tut sie es für die Wissenschaft.

Zoë und der Schrittzähler

Psychologische Trickkiste

Eines schönen Tages begegnete Zoë dem Schrittzähler Striive. Auf den ersten Blick ist Striive ein Fitnessarmband, dass aussieht wie ein normales Fitnessarmband. Doch als Fachfrau für Konsumentensteuerung wusste Zoë, dass Striive in Sachen psychologische Kniffe ein ganz besonderes Fitnessarmband war.

Um die Kniffe von Striive zu verstehen startete Zoë ein Selbstversuch mit dem Fitnessarmband. Was Zoë zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte war, dass ihr Wissen über Konsumentenverhalten sie nicht gegen die psychologischen Kniffe des Armbandes wappnen konnte.

Jeder Moment Bewegung ist ein guter Moment.

Im Namen der Wissenschaft trug Zoë das Armband und nahm an den Herausforderungen teil, die das Armband für sie parat hatte. Die Herausforderungen hatten viel mit Bewegung zu tun und als Belohnung für die Bewegung erhielt Zoë virtuelle Punkte. Diese kleinen Herausforderungen motivierten Zoë jeden nur möglichen Moment zu nutzen, um sich zu bewegen.

Was im ersten Augenblick gut und vielversprechend klingt wurde für Zoë bald ein ernsthaftes Problem. An jenen Tagen mit Striive lief Zoë 24.000 Schritte pro Tag. Das sind geschlagene 18,28 Kilometer, die dadurch zusammenkamen, dass Zoë nicht mehr stillstand. So lief sie zum Beispiel bei Unterhaltungen mit ihrem Mann dauernd in der Wohnung auf und ab. Das erstaunlich ist, dass Zoë die 24.000 Schritte pro Tag nicht nachdenklich machten, sondern sie mehr oder weniger als normal wahrnahm.

Die Nacht, die Zoë die Augen öffnete

Ich habe nur 986 Stufen.

Nach einem besonders langen Tag putzte sich Zoë mitten in der Nacht die Zähne um anschließend Schlafen zu gehen, als ihr Striive ihr ein Angebot machte, dass sie nicht ausschlagen konnte. Für das Gehen von 20 Stufen bot Striive Zoë die 3-fache Punktzahl. In Zoë Wahrnehmung war das ein genialer Deal, also absolvierte Zoë die Herausforderung und kassierte die Punkte. Auch die anschließende Challenge mit 40 Schritten nahm Zoë noch schnell mit. Erst 2 Stunden und rund 2.000 Stufen später endete Zoës nächtliche Fitness Aktion.

Zum Glück war diese Nacht der Anfang von Zoë Ende mit Striive. Inzwischen hat sie das Armband verschenkt und sich so dessen Kontrolle entzogen. Wenn Du mehr über Zoës Geschichte wissen willst empfehle ich Dir ihren TEDx Talk über Striive https://www.youtube.com/watch?v=AHfiKav9fcQ&feature=youtu.be

Fazit

Ja, eine Smartwatch kann Menschen in Fitnessjunkies verwandeln. Ich bin ein großer Fan von digitalen Tools und Gamification und habe überlegt, ob es eine gute Idee ist Zoës Geschichte mit Dir zu teilen. Ich glaube, dass Tools und Gamification uns dabei helfen können unsere Ziele leichter und schneller zu erreichen und ich zähle nicht zu den Menschen, die derartige Dinge verurteilen. Doch bei all den Vorteilen sollten wir den Sinn hinter allem nicht vergessen. Weder sollten wir wie Zoë 24.000 Schritte pro Tag machen, noch versuchen 18 Stunden am Tag produktiv zu arbeiten.

Das Leben ist schön, wenn wir es genießen.
  • Wir leben nicht für den Sport oder die Arbeit.
  • Wir leben, um zu leben.
  • Wir leben, um Abenteuer zu absolvieren.
  • Wir leben, um die Welt zu entdecken.
  • Wir leben, um herauszufinden was in uns steckt.
  • Wir leben, um Zeit für unsere Familie und unsere Freunde zu haben.
  • Wir leben, um zu genießen.

Ein gesunder Körper und ein gutes Gehalt helfen uns ein gutes Leben zu leben, doch sie sind Mittel zum Zweck. Lass uns das immer im Kopf behalten, damit wir nicht aus den Augen verlieren worum es wirklich im Leben geht.