3,6 min readPublished On: 25. März 2022By Tags: , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was ubiquitär bedeutet?

Ich habe keine Ahnung was das bedeutet.

Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Ich freue mich daher sehr darüber, dass ich in

Lars Vollmer: Zurück an die Arbeit – Back To Business: Wie aus Business-Theatern wieder echte Unternehmen werden – wertschöpfend und erfolgreich. Das neue wegweisende Management-Buch,

über folgende Sätze gestolpert bin:

„Und glauben sie bitte auch nicht an das viele erzählte Märchen, wir würden in einer Wissensgesellschaft leben! Das Gegenteil ist der Fall: die Bedeutung des Wissens für den wirtschaftlichen Erfolg heutzutage nimmt in genau dem gleichen Maße ab, wie die Menge des Wissens zunimmt: rasant schnell. In Wahrheit können Sie sich nämlich in den heutigen Märkten nicht auf Dauer durch Wissen von anderen Unternehmen differenzieren. Ihr Wissensvorsprung ist immer ruckzuck aufgeholt, denn das Wissen ist ubiquitär, es ist überall und jederzeit verfügbar.“ S. 138.

Unser Autor greift mit diesen Sätzen die weit verbreitete Aussage an, dass wir heute in einer Wissensgesellschaft leben. Er schreibt, dass die Bedeutung des Wissensvorsprungs eines Unternehmens gegenüber seinem Wettbewerber genauso unglaublich schnell abnimmt, wie die Menge des Wissens zunimmt.

Lass uns nun zum Lexikon greifen und herausfinden, ob sich hinter unserem heutigen Begriff eine Bedeutung verbirgt, die der Aussage unseres Autors noch eine zusätzliche Information hinzufügt.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon enthält zwar keinen Eintrag zu ubiquitär, doch zum Glück hilft uns auch der folgende Eintrag dabei, unsere heutige Frage zu beantworten:

„Ubiquität [lat.] die, 1) Theologie: die Allgegenwart Gottes; in der luth. Abendmahlslehre die Begründung der ↑Realpräsenz. 2) Wirtschaft: die Erhältlichkeit eines Gutes an jedem Ort. Ü. als Ziel der Vertriebspolitik gilt als erreicht, wenn ein Produkt in einem bestimmten Absatzraum möglichst in jedem Einzelhandelsbetrieb erhältlich ist.“ Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 15, S. 177.

Dieses Wissen ist echt überall.

Da unser Autor über Unternehmen und nicht über Religion schreibt, schauen wir uns die zweite Bedeutung unseres Lexikonbeitrages nun etwas genauer an. Laut unserem Autor ist Wissen ubiquitär, also an jedem Ort erhältlich. Ein Unternehmen kann sich daher Wissen erarbeiten und dieses für seinen Erfolg nutzen. Doch dieses Wissen ist nicht exklusiv und kann daher auch von Wettbewerbern erarbeitet und benutzt werden.

Fazit

Obwohl ich nun weiß, was ubiquitär heißt, erschließt sich mir noch nicht, wie unser Autor zu dem Schluss kommt, dass wir nicht in einer Wissensgesellschaft leben würden. Also habe ich schnell mal geschaut, was eine Wissensgesellschaft überhaupt ist. Google beantwortet die Frage wie folgt: eine Wissensgesellschaft ist eine „Gesellschaft, in welcher [durch kognitive und emotionale Verarbeitung von Informationen] erworbenes Wissen als grundlegendes Kapital gilt und die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse wesentlich prägt“.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe das Gefühl, dass Googles Definition einer Wissensgesellschaft unsere Gesellschaft so beschreibt, wie ich sie wahrnehme. Ja, unser Autor hat recht, Wissen ist an jedem Ort, überall und jederzeit verfügbar. Doch meine Erfahrung sagt mir, dass nicht jedes Unternehmen in der Lage ist, das verfügbare Wissen zu erarbeiten und zu nutzen. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, dieses Wissen während der Arbeitszeit zu erarbeiten, profitiert von der Verfügbarkeit des Wissens. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern den Raum nicht gibt, profitiert nicht davon.

Da gibt es neues brandheißes Wissen.

Das bedeutet, unser Autor hat recht, wenn er schreibt, dass der Wissensvorsprung eines Unternehmens immer nur so lange gilt, bis die anderen Wettbewerber dieses Wissen für sich erschlossen haben. Doch zu sagen, dass ein Wissensvorsprung „immer ruckzuck aufgeholt“ wird, widerspricht meiner Erfahrung. Ich kenne Branchen, wie zum Beispiel die Suchmaschinenoptimierung, in denen Wissen sich unglaublich schnell verbreitet. Doch ich kenne auch Branchen, in denen Wissen durch Patente und Co. geschützt wird und eben nicht überall verfügbar ist, bzw. genutzt werden kann.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Wie ist Deine Erfahrung zum Thema Wissensvorsprung und Unternehmen? Nutzt Dein Unternehmen einen Wissensvorsprung, um sich von seinen Wettbewerbern abzusetzen, oder unterliegt Deine Branche dem geschilderten Wissenswettlauf unseres Autors.