2,9 min readPublished On: 3. Juni 2022By Tags: , , Categories: Bücher

Weißt Du, wer die Hottentotten sind?

Die gabs in meiner Kindheit.

Die Hottentotten sind mir in meiner Kindheit oft begegnet. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, warum, aber ich war mir bis heute sicher, dass es Fabelwesen sind. Jetzt lese ich bei

Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten,

dass die Hottentotten keine Fabelwesen sondern Menschen sind, die sich Volksmythen erzählten, in denen ein „Oger“ eine Rolle spielt.

„Die Hottentotten zum Beispiel erzählten von einem Oger, auf den man zwischen Busch und Dünen treffen kann. Seine Augen liegen auf dem Fuß vor dem Knöchel, so daß er, wenn er etwas sehen will, sich auf Hände und Knie niederlassen und einen Fuß hochheben muß; in normaler Haltung sieht er immer nur den Himmel.“ S. 80.

Wer die Hottentotten waren, wo und wann sie lebten, erfahren wir an dieser Stelle nicht. Es ist also wieder einmal an der Zeit, unser Lexikon um Hilfe zu bitten.

Was das Lexikon sagt

Auch heute liefert uns unser Lexikon die gesuchten Informationen:

„Hottentotten (Eigenbez. Khoikhoin), Völkerfamilie in S -und SW-Afrika, etwa 145 000 Menschen; möglicherweise durch eine frühe Verbindung von Buschleuten und hamit. Hirtenvölkern in O-Afrika entstanden; einst Nomaden und Wildbeuter mit Rinder-, Scharf -und Ziegenhaltung. Im 17. Jh. wurden die H. von den Buren versklavt oder vertrieben, in der folgenden Zeit sind sie durch Kriege oder Infektionskrankheiten stark dezimiert worden; viele haben sich mit Weißen oder Bantu vermischt. Als einzige ethn. Gruppe haben sich die ↑Nama vorwiegend in Namibia erhalten. Ihre Sprache gehört zu zur Gruppe der Khoisansprachen (↑Khoisan).“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 06, S. 520.

Der Begriff stammt aus der Kolonialzeit.

Wir wissen nun also, wo die Hottentotten lebten. Dass die Buren weiße Siedler aus den Niederlanden waren und die Bantu andere afrikanische Völker waren, habe ich schnell im Internet nachgeschlagen.

Was mich an unserem Lexikoneintrag stutzig macht, ist die Information, dass die Hottentotten eine Eigenbezeichnung haben. Die Hottentotten sind also nicht die Hottentotten, sondern die Khoikhoin. Die Frage lautet nun also: Wer hat die Khoikhoin als Hottentotten bezeichnet? Waren es die weißen Siedler aus den Niederlanden? Lass uns doch einmal schauen, ob das Internet diese Frage beantworten kann.

Was das Internet sagt

Volltreffen. Laut Wikipedia waren es die Buren, also die weißen Siedler, die die Khoikhoin das erste Mal als Hottentotten bezeichneten. Khoikhoin bedeutet laut wissenschaft.de „die eigentlichen Menschen“. Im Internet gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, wie die Buren zur Bezeichnung Hottentotten kamen.  Wikipedia schreibt, dass sich die Bezeichnung aus dem Afrikaans stammt,  in dem Begriff für stottern „hottentots“ bedeutet. Die Bundeszentrale für Politische Bildung schreibt dagegen, dass die Europäer mit dem Begriff versuchten, die Klicklaute der Sprache der Khoikhoin nachzuahmen.

Fazit

Ente

Wie heiße ich nochmal?

Laut meiner Recherche gehört der Begriff Hottentotten in die Mottenkiste. Vogelnamen, die den Begriff Hottentotten enthalten, werden bereits geändert, weil sie als Begriff als rassistisch wahrgenommen wird. Laut geo.de ist Hottentotten eine Bezeichnung für Menschen zweiter Klasse. Daher heißt der Vogel, der als Hottentottenente bezeichnet wurde, nun Pünktchenente.

Das Buch unseres heutigen Autors ist 1949 erstmals erscheinen, und in meiner Übersetzung von 1999 wurde der Begriff Hottentotten einfach übernommen. Ich vermute stark, dass der Begriff in kommenden Neuauflagen irgendwann durch die Eigenbezeichnung Khoikhoin ersetzt wird.