4 min readPublished On: 1. März 2021By Categories: Bücher, Wissen

Wusstest Du, dass Buchstaben Augen haben und gemein sein können?

Was für ein Buchstabe ist das bitte?

Erinnerst Du Dich noch daran, wie Du schreiben und lesen gelernt hast? Erinnerst Du Dich, wie schwierig es war, mit einem Stift den ersten lesbaren Buchstaben aufs Papier zu zaubern? Erinnerst Du Dich, wie Du seitenweise a’s, b’s und ihre Freunde in Dein Schulheft gezaubert hast? Und erinnerst Du Dich an die Linien in Deinen Schreibübungsheften, die Dir geholfen haben, die Buchstaben inklusive ihrer Ober- und Unterlängen immer gleich groß zu schreiben?

Manchmal machten sich Buchstaben einfach aus dem Staub.

Ich erinnere mich an meine Schulzeit und auch daran, dass mir weder Schreiben noch Lesen zu Beginn große Freude gemacht haben. Trotz aller Linien und aller Übungen sahen meine Buchstaben nie schön aus. Und meine Worte enthielten ständig Buchstaben, die da nicht hinsollten und ließen Buchstaben vermissen, die da hingehörten. Als ich endlich schreiben konnte war ich unglaublich froh. Noch mehr freute es mich, als meine Schule aufhörte, meine „Schönschreibung“ zu bemängeln. Damals war ich mir sicher, dass ich die Sache mit dem Schreibenlernen nun endlich hinter mir hatte und war mir sicher, dass ich mit

  • Alphabet,
  • Oberlängen,
  • Unterlängen,
  • Großbuchstaben,
  • Kleinbuchstaben,
  • Konsonanten und
  • Vokalen

alle komischen Fremdworte kannte, die sich mit Buchstaben beschäftigten. Wie sehr ich mich an dieser Stelle geirrt habe, habe ich nun dank

Chris Campe: Brush Lettering Praxisbuch

gelernt. Die Autorin nimmt die Sache mit dem Brush- bzw. Handlettering nicht einfach auf die leichte Schulter. Statt sich damit zu begnügen, dass der Leser eine bestimmte Handschrift nachmalen kann, führt sie ihn geduldig und sehr gut verständlich durch einen gigantischen Wissensschatz zum Thema Buchstaben und Co., so dass der Leser am Ende des Buches all das Wissen besitzt, das er braucht, um seine eigene Handletteringschrift zu entwickeln. Einen winzigen Teil ihres Wissensschatzes werden wir uns nun gemeinsam anschauen.

Was sind gemeine Buchstaben?

Welches gemeine o war das?

Wenn Du diesen Beitrag liest, weißt Du mit Sicherheit, dass es kleine und große Buchstaben gibt. Wenn Du Dich außerhalb Deiner Schulzeit schon einmal mit Schriften beschäftigt hast, weißt Du vielleicht auch, dass Großbuchstaben auch Versalien genannt werden. Doch wusstest Du auch, dass Kleinbuchstaben als „gemeine Buchstaben“ bezeichnet werden? Mir war das völlig neu. Und so war ich froh, dass unsere Autorin uns nicht nur dieses Wissen schenkt, sondern auch gleichzeitig erläutert, dass „gemein“ in diesem Fall für gewöhnlich und nicht für fies steht.

Wie viele Metallbuchstaben wurden für ein einziges Buch gebraucht?

Dank meines Vaters, der gelernter Drucker war, weiß ich, dass es Zeiten gab, in denen Buchstaben für Bücher gesetzt werden mussten. Es gab also Menschen wie meinen Vater, deren Job es war, mit Hilfe vieler kleiner metallener Buchstaben Druckplatte zu bestücken, die dann mit Farbe versehen wurden und Buchseiten druckten. Meiner Vermutung nach haben die Kleinbuchstaben die Bezeichnung „gemein“ in jener Zeit kassiert, als es noch Drucker wie meinen Vater gab. Denn dieser brauchte für die Erledigung seines Jobs viel mehr kleine als große Metallbuchstaben und somit waren die Kleinbuchstaben die gewöhnlichen bzw. gemeinen Buchstaben.

Welche Buchstaben haben Augen?

Wenn ich auf meiner Tastatur von rechts nach links alle Buchstaben in groß und klein tippe, die Augen haben, erhalten wir

  • Qeopadgöäb
  • QROPADÖÄB

Das Auge eines Buchstaben ist die geschlossene Fläche, die manche Buchstaben enthalten, die auch Punze genannt wird. Das spannende an Buchstaben ist, dass sie nicht nur Augen, sondern laut meiner Internetrecherche auch

  • Arme,
  • Bäuche,
  • Schultern,
  • Füße,
  • Hälse und
  • Tallien

haben. Auf https://www.designtagebuch.de/wiki/anatomie-der-buchstaben/ habe ich eine großartige grafische Darstellung gefunden, die leicht verständlich erklärt, welcher Teil eines Buchstabens welche Bezeichnung hat.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber an Tagen wie heute bin ich fasziniert wie viel verborgenes Wissen in alltäglichen Dingen steckt, die ich gut zu kennen glaube. Heute haben wir gelernt, dass das sowohl der Buchstabe o als auch der Buchstabe a gemeine Buchstaben mit Augen sind. Sollte Dir in Zukunft einmal ein Handletterer begegnen, der sagt, dass das Auge des gemeinen a’s etwas schief schaut, weißt Du jetzt, dass er nicht verrückt ist, sondern sich lediglich sehr ernsthaft mit dem Thema Schrift auseinandergesetzt hat. Und vielleicht kannst Du den armen Handletterer in diesem Moment ja auch gekonnt trösten und ihm sagen, dass das h eine sehr schöne Schulter hat, die zum Anlehnen einlädt.