4,3 min readPublished On: 27. Juli 2022By Categories: Bücher, Wissen

Je fähiger die Leute, desto besser das Team? Oder: Was ist das Apollo-Syndrom?

Stell Dir vor, Du könntest Dein Projekt-Team aus allen Menschen zusammensetzten, die Du Dir wünschst. Geld und Ressourcen spielen keine Rolle. Dein Projekt ist so wichtig, dass Du alles dafür bekommst, was Du Dir wünschst. Wie sähe Dein Team aus:

  1. Dein Team bestände aus den Besten der Besten. Ein Nobelpreisträger wäre gerade gut genug für Dein Team.
  2. Dein Team bestände aus lauter Menschen, die Du aus Deinem aktuellen Netzwerk kennst.

Ich wähle Menschen aus meinem Netzwerk.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, doch als ich vor der Frage stand, war meine klare Antwort: Variante: a.

Wenn ich das Beste haben kann, verzichtet doch nicht darauf, oder? Doch dann las ich das Buch von

Mario Neumann: Projekt-Kompass. Navigationshilfen für souveräne Führung im Projekt

Und zu meinem großen Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, dass die Variante b. in der Praxis wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit eine höhere Leistungsperformance haben würde als die Variante a. Das hat mich so überrascht, dass ich diesem Wissen heute einen Beitrag widme, obwohl unser Autor die Sache mit dem Apollo-Syndrom in seinem Buch sehr verständlich erklärt.

Was ist das Apollo-Syndrom?

Unser Autor ist mein Spezialist für das Apollo-Syndrom.

Bevor ich Dir vom Apollo-Syndrom erzähle, verrate ich Dir, dass ich beim Apollo-Syndrom ein Quellen-Problem habe. Unser Autor erklärt das Syndrom leicht verständlich, doch da sein Buch ohne Quellenverzeichnis arbeitet, gibt er auch keine Quelle an. Laut dieses YouTube Video ereignete sich die heutige Geschichte 1960 an der Henry School of Business in England. Doch auch mit dieser Information konnte ich im Internet keine Quelle ausmachen. Daher habe ich getan, was ich in solchem Fall immer tue. Ich habe unserem Autor auf LinkedIn eine Nachricht geschrieben und ihn um die Quelle gebeten. Sollte ich eine Antwort erhalten, werde ich sie hier ergänzen. Und hier Marios Antwort:

„nachzulesen ist das Apollo Syndrom in den Büchern von Meredith Belbin. Und der hat man Henley Management College in England gelehrt. Ob er dort auch die Versuche durchgeführt hat, kann ich nicht sagen, ist aber sehr wahrscheinlich. „

Solltest Du die Bücher des Autors haben und die genauen Seiten kennen, ergänze ich diese Information hier auch sehr gern. Und jetzt zurück zum Thema:

Es war einmal ein Forscherteam, das herausfinden wollte, welche Teams am leistungsfähigsten sind. Daher beobachteten sie unterschiedliche Teams. Die Forscher waren sich zu Beginn des Versuches sicher, dass nur ein bestimmtes Team die beste Performance liefern würde. Dieses Team bestand aus den fachlich besten Mitarbeitern. Sie tauften es liebevoll Apollo-Team. Doch am Ende des Versuches staunten die Wissenschaftler nicht schlecht. Ihr Favoriten-Team hatte die schlechteste Performance aller Teams.

Was war passiert?

Ein echter Wissenschaftler gibt sich mit einem überraschenden Ergebnis nicht zufrieden. Er geht der Sache auf den Grund. Als unser Forscherteam die Daten des Apollo-Teams analysierte, fiel ihnen auf, dass dieses Team deshalb nicht produktiv arbeitete, weil es zu beschäftigt damit war, zu debattieren.

Warum debattieren Apollo-Teams?

Das Apollo Team hatte keine Umsetzer.

In einem Team, das aus Experten besteht, hat jeder Experte einen Ruf zu verlieren. Jedes Teammitglied hat einen gewissen Status und möchte ihn durch das Projekt noch steigern. Das Problem bei der Sache ist, dass solche Experten auch gut darin sind, Probleme zu identifizieren. Sobald ein Teammitglied bei einem anderen einen Fehler entdeckt, spricht es ihn darauf an. Das angesprochene Teammitglied möchte seinen Status wahren und erklärt daher, dass der Fehler gar kein Fehler ist, und an dieser Stelle beginnt eine nicht enden wollende Debatte, in der im Idealfall auch die anderen Experten zu Wort kommen. Und hier ist das Problem. Während das Team über Fehler debattiert, kann es nicht produktiv arbeiten.

Fazit

Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ein Team aus „den Besten“ ein underperformer-Team ist, steckt in dem Apollo-Syndrom ein Status-Phänomen, das ich schon das ein oder andere Mal erlebt habe. Meiner Erfahrung nach kann das Statusdenken von Mitarbeitern einem Unternehmen schaden. Ein Mitarbeiter, der vor allem auf seinen Status bedacht ist, stellt diesen leicht über die Interessen des Unternehmens und der eigenen Kunden. Ein solcher Mitarbeiter würde beispielsweise im Vertrieb vorzugsweise einen Vertrag mit einem großen und renommierten Kunden schließen, von dessen Status er und sein Unternehmen profitieren und sich dafür auch mit einer winzigen Gewinnmarge bei diesem Projekt zufrieden geben. Dabei würde er gleichzeitig auch in Kauf nehmen, dass ein kleiner Kunden weniger gut betreut würde, weil er mit der Betreuung des Statuskunden beschäftigt ist.

Für mich ist die wichtigste Erkenntnis des heutigen Tages, dass es bei Teams nicht darauf ankommt, dass jedes Teammitglied perfekt ist, sondern eher darauf, dass ein Team gut zusammenarbeiten kann. Eine Möglichkeit, Menschen zu finden, die in einem Team gut zusammenarbeiten, ist das Rollenmodell von Belbin, das Du auf dieser Sketchnote siehst.