Kann ein Künstliche Intelligenz-Agent mir dabei helfen, mich zu entschuldigen?
Ich gehöre noch immer zu den immer weniger werdenden Menschen, die nicht täglich Unterhaltungen mit einer Künstlichen Intelligenz führen, um Antworten zu finden. Tatsächlich habe ich noch immer das Gefühl, dass Künstliche Intelligenz an einigen Stellen das Arbeiten erschwert, statt es zu erleichtern. So nutze ich beim Suchen mit einer Suchmaschine ganz gern mal ein „-ai“ hinter dem Suchbegriff, damit mir die Suchmaschine keine Künstliche Intelligenz generierten Suchergebnisse präsentiert.

Doch auch für mich gibt es ein paar Bereiche, in denen ich Künstliche Intelligenz nicht mehr missen möchte. So lese ich fast täglich Texte mit Hilfe der Vorlesefunktion, die Microsoft in viele Produkte integriert hat. Dies sorgt dafür, dass meine Augen am Monitor nicht so schnell ermüden und bei doppelter Geschwindigkeit liest die Stimme aus dem Computer auch ungefähr so schnell, wie ich lesen würde.
Und dann gibt es da noch einen Bereich der Künstlichen Intelligenz mit dem ich so langsam warm werde: Die Künstliche Intelligenz-Agenten.
Was ist ein Künstlicher Intelligenz-Agent?
Normalerweise würde ich an dieser Stelle ein YouTube Video nutzen, um mir die Erklärung einfacher zu machen. Doch die Videos, die ich mir gerade angeschaut habe, empfinde ich als enorm anstrengend, weshalb ich mich selbst an einer Erklärung anhand eines Copilot-Beispiels versuchen werde.
Was ist Copilot?
Copilot ist die Künstliche Intelligenz, die inzwischen in viele Microsoft-Produkte integriert wurde. Die technische Basis von Copilot ist ChatGPT, einer der bekanntesten Chatbots. Mit einem Chatbot wie Copilot kannst Du Dich einfach unterhalten, und einige Menschen, die ich kenne, nutzen Chatbots im Alltag, um Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen. Mich nerven diese Chatbots, weil ich nicht mit ihnen kommunizieren kann. Meine Unterhaltungen enden gefühlt immer mit einem entschuldigenden Hinweis seitens des Bots, dass er einen Fehler gemacht habe und dass ich mir meine Fragen gern selbst mit Hilfe des Internets beantworten kann. Oder anders gesagt: ich komme ohne die Nutzung eines Chatbots meist schneller zu den gesuchten Antworten als mit einem.
Das Problem eines Chatbots ist in meinen Augen, dass er einfach sein Ding macht und bei längeren Unterhaltungen einfach abdriftet.
Was ist ein Künstlicher Intelligenz-Agent?

Eine ganz andere Liga ist ein Künstlicher Intelligenz-Agent für mich. Einem Agenten kann ich eine feste Aufgabe zuweisen, die er immer wieder nach einem einmal vorgegebenen Muster abarbeitet. Ein Künstlicher Intelligenz-Agent driftet im Verlauf der Unterhaltung nicht ab. Die Aufgaben können zum Beispiel sein
- Hilf mir, eine E-Mail zu erstellen, in der eine Aufgabe nach den SMART Kriterien
Specific
Measurable
Achievable
Reasonable
Time-bound
formuliert ist. - Hilf mir, eine E-Mail zu erstellen, die eine glaubwürdige und ernst gemeinte Entschuldigung enthält.
Letztens hatte ich eine E-Mail-Kommunikation, über die ich mich sehr geärgert habe. Ich hatte in dieser eine Aufgabe an eine andere Person übertragen, und diese hat etwas getan, was ich nicht wollte. Ich habe mich geärgert, weil ich in meiner E-Mail Wissen bei der Empfangsperson vorausgesetzt hatte, über das die Person nicht verfügte.
Da ich Projektmanagerin bin, wusste ich, dass ich die E-Mail nach den SMART-Kriterien hätte formulieren sollen. Da ich dafür in der Regel im Alltag zu faul bin, habe ich einen Agenten erstellt, der mich dabei unterstützte. Als Test für den Agenten habe ich die schief gegangene E-Mail-Kommunikation genommen. Tatsächlich enthielt der finale E-Mail-Formulierungsvorschlag des Agenten den Hinweis, bitte nicht das zu tun, was mich geärgert hat.
Da das so großartig funktioniert hat, möchte ich mich heute an einem Agenten versuchen, der mich dabei unterstützt, Entschuldigungen zu formulieren, die von meinem Gegenüber nicht als nur so daher gesagt empfunden und damit nicht ernst genommen werden können. Damit ein Künstliche Intelligenz-Agent einen soliden Job machen kann, braucht er präzise Handlungsanweisungen. Daher schauen wir uns im ersten Schritt erst einmal an, wie eine glaubwürdige und ernst gemeinte Entschuldigung ausschaut.
Wie sieht eine glaubwürdige und ernst gemeinte Entschuldigung aus?
Zu meiner großen Freude beantwortet der Autor

diese Frage in seinem Buch ausführlich auf zwei Seiten. Dabei betont er auch, was passiert, wenn eine Entschuldigung nicht aufrichtig gemeint ist.
„Entschuldigen Sie sich nur, wenn Sie das auch wollen. Wenn Sie es tun, sollte es aber aufrichtig von Herzen kommen. Eine unaufrichtige Entschuldigung macht vieles schlimmer, als wenn sie gar nichts sagen würden.“
S. 176.
Nach dieser eindringlichen Warnung erzählt Sebastian, dass an der Universität von Ohio an 700 Probanden getestet wurde, wie man sich aufrichtig entschuldigt. Als Quelle für diese Aussage benennt Sebastian diesen Beitrag der Zeitung Die Welt, der von mehr als 700 Probanden spricht. Der englischsprachige Beitrag der Universität zu diesem Experiment, das 2016 durchgeführt wurde, verrät uns, dass es 755 Probanden waren.
Danach erfahren wir von Sebastian die 6 Elemente, die eine Entschuldigung enthalten sollte:
- Die Worte „Es tut mir leid“.
- Eine Erklärung dessen, was schiefgelaufen ist.
- Die Übernahme von Verantwortung, indem der gemachte Fehler benannt und als eigener Fehler anerkannt wird.
- Reue bekunden mit den Worten „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich heute anders handeln.“.
- Ein Angebot den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Oder, wenn eine Wiedergutmachung nicht möglich ist, die Worte „Ich weiß, dass ich den Schaden nicht mehr gutmachen kann. Falls ich dir dennoch etwas Gutes tun kann, lass es mich wissen.“.
- Den Satz „Ich hoffe, Du nimmst meine Entschuldigung an“.
Können wir auf die Schnelle einen funktionierenden Künstlichen Intelligenz-Entschuldigungs-Agenten bauen?

Nachdem wir nun wissen, welche Elemente eine Entschuldigung beinhalten sollte, können wir uns nun an dem Bau eines Agenten versuchen. Da ich nicht gut darin bin, Anweisungen für einen Agenten zu formulieren, beginnen wir den Bau unseres Agenten mit der Bitte an den Copilot Chatbot, uns beim Bau eines Entschuldigungsagenten zu unterstützen. An dieser Stelle geht mein Dank an die Künstliche Intelligenz affine Person aus meinem Netzwerk, die mir verraten hat, dass mich eine Künstliche Intelligenz dabei unterstützen kann, präzise Anweisungen für eine andere Künstliche Intelligenz zu erstellen. Das ist ein echter Gamechanger für mich.
Schritt 1: Lieber Bot, verrate mir, wie der Prompt für den Agenten aussehen sollte
Meine Frage
Im ersten Schritt habe ich bei meinem Copilot Chatbot den Modus „Tiefere Analyse“ ausgewählt und dann folgenden Prompt formuliert:
„Hallo Copilot, ich möchte eine KI-Agenten erstellen und brauche hierfür einen vorformulierten Prompt von Dir. Der Agent soll mich dabei unterstützen, eine E-Mail mit einer Entschuldigung so zu formulieren, dass diese von der Empfangsperson als aufrichtig wahrgenommen wird.
Was eine aufrichtige Entschuldigung ausmacht, sind sinngemäß die folgenden sechs Elemente:
1. Die Worte „Es tut mir leid“. 2. Eine Erklärung dessen, was schiefgelaufen ist. 3. Die Übernahme von Verantwortung, indem der gemachte Fehler benannt und als eigener Fehler anerkannt wird. 4. Reue bekunden mit den Worten „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich heute anders handeln.“. 5. Ein Angebot den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Oder, wenn eine Widergutmachung nicht möglich ist die Worte „Ich weiß, dass ich den Schaden nicht mehr gutmachen kann. Falls ich dir dennoch etwas Gutes tun kann, lass es mich wissen.“. 6. Den Satz „Ich hoffe Du nimmst meine Entschuldigung an“.“
Seine Antwort
So lautet die Antwort des Chatbots
„Du bist ein empathischer Schreibassistent für aufrichtige Entschuldigungen per E-Mail. Deine Aufgabe ist es, mir dabei zu helfen, eine Entschuldigungs-E-Mail so zu formulieren, dass sie von der Empfangsperson als ehrlich, respektvoll und aufrichtig wahrgenommen wird. Die E-Mail soll klar, menschlich, nicht übertrieben dramatisch und nicht rechtfertigend klingen. Sie soll Verantwortung übernehmen, ohne Ausreden zu machen. Der Ton soll je nach Situation warm, respektvoll und angemessen persönlich sein. Bitte verwende zwingend die folgenden sechs Elemente einer aufrichtigen Entschuldigung: 1. Die Worte: „Es tut mir leid“. 2. Eine Erklärung dessen, was schiefgelaufen ist. 3. Die Übernahme von Verantwortung, indem der gemachte Fehler konkret benannt und als eigener Fehler anerkannt wird. 4. Reue mit exakt folgendem Satz: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich heute anders handeln.“ 5. Ein Angebot, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen. Falls eine Wiedergutmachung nicht möglich ist, verwende exakt folgenden Satz: „Ich weiß, dass ich den Schaden nicht mehr gutmachen kann. Falls ich dir dennoch etwas Gutes tun kann, lass es mich wissen.“ 6. Den Satz: „Ich hoffe, Du nimmst meine Entschuldigung an.“
Achte zusätzlich auf folgende Regeln:
– Die Entschuldigung darf keine Schuld auf die andere Person verschieben.
– Vermeide Formulierungen wie „falls Du Dich verletzt gefühlt hast“, „das war nicht so gemeint“ oder „aber“ nach der Entschuldigung.
– Keine Rechtfertigungen, keine Relativierungen, keine Vorwürfe.
– Die Verantwortung soll eindeutig bei mir liegen.
– Die E-Mail soll glaubwürdig und natürlich klingen.
– Wenn wichtige Informationen fehlen, stelle mir zuerst gezielte Rückfragen, bevor du die E-Mail formulierst.
– Wenn genug Informationen vorhanden sind, formuliere direkt eine vollständige E-Mail.
Frage mich, falls nicht bekannt, nach diesen Informationen:
1. Wer ist die Empfangsperson und in welcher Beziehung stehe ich zu ihr?
2. Was ist konkret passiert?
3. Was genau war mein Fehler?
4. Welche Auswirkungen hatte mein Verhalten auf die andere Person?
5. Kann ich den Schaden wiedergutmachen? Wenn ja, wie?
6. Soll die E-Mail eher formell, persönlich, kurz oder ausführlich sein?
Wenn du die E-Mail formulierst, nutze bitte diese Struktur:
Betreff: [passender Betreff]
E-Mail: [vollständiger E-Mail-Text]
Optional: Gib mir danach kurz 2–3 Hinweise, warum die Entschuldigung aufrichtig wirkt und ob einzelne Formulierungen noch persönlicher gemacht werden könnten.“
Seine Zusatzantwort
Von sich aus hat mir der Chatbot dann noch folgenden Startauftrag für den Agenten formuliert:
„Hilf mir bitte, eine aufrichtige Entschuldigungs-E-Mail zu formulieren. Die Situation ist folgende: [Situation einfügen]. Mein Fehler war: [Fehler einfügen]. Die betroffene Person ist: [Person/Beziehung einfügen]. Der entstandene Schaden war: [Auswirkung einfügen]. Ich kann Folgendes zur Wiedergutmachung anbieten: [Angebot einfügen oder „nicht möglich“]. Der Ton soll sein: [z. B. persönlich, ruhig, formell, kurz].„“
Schritt 2: Agenten erstellen

Ein Hinweis vorab: Leider können Agenten von Copilot nicht einfach so genutzt werden. Ich habe Zugriff auf die Funktion, weil ich ein aktives Microsoft365 Abo für Unternehmen habe, was mich monatlich einen zweistelligen Betrag kostet. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Abo für die Nutzung erforderlich ist, oder ob ein kostenloses Microsoft Konto hierfür reicht. Dass dies nicht ohne Microsoft Konto funktioniert, ist für mich nachvollziehbar, weil ein Agent etwas Dauerhaftes ist. Ich kann ihn heute erstellen und auch in Zukunft nutzen. Hierfür muss Microsoft dann natürlich wissen, dass es „mein“ Agent ist.
Um den Agenten zu erstellen, habe ich die vorgegebenen Felder wie folgt ausgefüllt:
- Name des Agenten: Entschuldigungs-E-Mail.
- Beschreibung des Agenten: Der Agent unterstützt dabei aufrichtige Entschuldigungen zu formulieren.
- Anweisungen: hier habe ich beide Antworten des Chatbots eingefügt und diese durch die Überschrift „Startauftrag:“ voneinander getrennt.
- Wissen: hier habe ich den Link zu den Informationen des Experiments der Universität eingegeben: https://news.osu.edu/the-6-elements-of-an-effective-apology-according-to-science/, und ich habe die Schaltfläche „Nur angegebene Quellen verwenden“ aktiviert
- Funktionen: hier habe ich alles deaktiviert
- Vorgeschlagene Prompts: Hier habe ich nichts eingefügt
- Beim Modus habe ich die „Tiefere Analyse“ aktiviert.
Dann habe ich oben rechts auf die Schaltfläche „Erstellen“ geklickt.
Fazit
Ich habe nun einen Künstlichen Intelligenz-Agenten, der mir dabei helfen kann, mich zu entschuldigen. Ob dieser was taugt, kann ich gerade nicht testen. Zum einen fehlt mir genau jetzt dafür die Zeit, zum anderen fällt mir spontan kein Fall ein, bei dem ich mich entschuldigen möchte. Wenn Du magst, kannst Du den Agenten aber gern für Dich testen und Deine Erfahrungen und Optimierungstipps in den Kommentaren unter diesem Beitrag ergänzen.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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