Kann ein Wissensmanagement, das Künstliche Intelligenz nutzt, fair sein?

Vor einiger Zeit habe ich einen Post auf LinkedIn gesehen, der mich nicht mehr loslässt. Den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf, doch inhaltlich ging er ungefähr so:

Ein glücklicher Roboter an einem Schreibtisch. Daneben ein Mensch, der seine Sachen gepackt hat und traurig auf den Roboter schaut.
Warte, ich hab Dir mein Wissen gegeben und nun muss ich gehen?

„Künstliche Intelligenz nimmt Dir keine Arbeit weg, Sie spart Dir wertvolle Arbeitszeit.“

Beim Lesen dachte ich

„Du bringst das aktuelle Problem der Künstlichen Intelligenz perfekt auf den Punkt. Sie spart wertvolle Arbeitszeit. Arbeitszeit, die Menschen zur Verfügung stellen und im Austausch dafür Geld bekommen, mit dem sie unter anderem ihre Miete zahlen können. Wenn Künstliche Intelligenz Arbeitszeit spart, dann können weniger Menschen ihre Arbeitszeit verkaufen und Miete zahlen. Ist das fair? Welche Struktur bräuchten wir, damit Künstliche Intelligenz unseren Job machen kann und wir dennoch noch immer ein Dach über dem Kopf haben?“

Warum erzähle ich Dir von diesem Zeit Geld Dilemma, das ist doch heute gar nicht das Thema, oder? Nun, ich erzähle Dir von dem Thema, weil ich in

Julian Funke: Die Revolution des Wissensmangements. Mit KI Wissen als strategische Ressource in Unternehmen nutzen

über den Punkt „Ethische und gesellschaftliche Implikationen von KI im Wissensmanagement“ gestolpert bin. Zu den vier Punkten, die Julian hier aufführt gehört auch die Frage der Fairness. Er schreibt:

„Bias und Fairness: KI-Systeme sind nur so objektiv wie die Daten, mit denen sie trainiert werden. Es besteht die Gefahr, dass Vorurteile und Ungerechtigkeiten in die Systeme eingebaut werden.“

S. 225.

Wenn es um Künstliche Intelligenz und Fairness geht, geht es, wie Julians Zitat zeigt, meistens um die Frage, ob die Künstliche Intelligenz faire Aussagen macht. Was mich nicht loslässt ist die Sache mit der fairen Nutzung der Daten, die die Künstliche Intelligenz nutzt, um ihre Antworten zu generieren und genau dieses Thema möchte ich heute einmal genauer in Augenschein nehmen.

Kannst Du die KI bitte schnell mal ein Bild generieren lassen?

Nachdem ich Julians Buch gelesen habe, habe ich das Gefühl, dass die Künstliche Intelligenz in Sachen Wissensmanagement noch in den Kinderschuhen steckt. In Sachen Bildgenerierung ist sie dagegen in meinen Augen schon ziemlich erwachsen. Auch Menschen, die das erste Mal mit einer im Internet frei verfügbaren Bildgenerierungs-KI wie dem Copiloten interagieren, können in wenigen Minuten ein Bild im Stile Van Goghs erzeugen. Dieses YouTube Video zeigt wie ein Bild des Künstlers mit Hilfe von KI zum Leben erweckt wurde.

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Ich erlebe immer wieder, dass diese neue Art der Bildgenerierung vielen Menschen das Leben erleichtert. Menschen, die von sich sagen, dass sie nicht malen können, können sich plötzlich in Bildern ausdrücken.

Zeichnung Ein Mensch trägt ein Gemälde auf dem Me steht.
Das ist definitiv meine Kunst.

Ich verstehe, dass diese Menschen diese neue Freiheit genießen. Doch die Sache ist die, kaum jemand scheint sich zu fragen, ob er das, was er da macht auch wirklich darf. Es scheint der Glaube

„Das ist mein Bild, das habe ich generiert.“

zu gelten. Doch ist dem so? Werfen wir doch einmal einen Blick in die Nutzungsbedingungen des oben genannten KI-Bildgenerierungstools:

„Wir können beispielsweise nicht versprechen, dass die Antworten von Copilot nicht die Rechte einer anderen Person verletzen (z. B. deren Urheberrechte, Marken oder Datenschutzrechte) oder diese diffamieren. Sie tragen die alleinige Verantwortung, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Antworten von Copilot öffentlich oder mit einer anderen Person zu veröffentlichen oder zu teilen.“

Stand 30.09.2025 Quelle: https://www.microsoft.com/de-de/microsoft-copilot/for-individuals/termsofuse

Aha. Der Anbieter wälzt die Verantwortung an den User ab. Dieser kann sich ein Bild generieren lassen, dass gegen Urheber- und Nutzungsrechte anderer verstößt. Wenn er sich entscheidet dieses dann auch zu veröffentlichen, dann trägt allein die Person, die das Bild veröffentlicht hat, die Verantwortung für eventuelle Verstöße gegen die Rechte anderer.

Ich persönlich weigere mich aktuell Bilder mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz zu generieren. Bei mir darf Künstliche Intelligenz lediglich – ganz im Sinne des Schutzes persönlicher Daten – Menschen aus meinen Fotos entfernen, bevor ich diese auf Social Media veröffentliche. Wenn ich ein Bild für meine Webseite brauche, greife ich noch immer oldschool zum Stift und zeichne mir eins.

Ein nachdenklicher Mensch.
Warte, darf ich das überhaupt machen?

Wie das Beispiel Bildgenerierung zeigt, wirft Künstliche Intelligenz in Sachen Urheber- und Nutzungsrechte neue Fragen wie zum Beispiel

  • Darf ich das von mir generierte Bild nutzen?
  • Welchen Anteil hat der Künstler an dem Bild, dessen Stil diesem zu Grunde liegt?
  • Wer verdient Geld an dem Bild? Nur der Anbieter des Tools, weil er seine Strom- und Technikkosten decken muss, oder auch die Person, die die Kunst ursprünglich erschaffen hat?

auf. Ich bin sehr gespannt, wie die Rechtsprechung diese beantworten wird. Wird sie eine faire Lösung finden, bei der die Kunstschaffenden am Ende nicht leer ausgehen?

Künstliche Intelligenz im Wissensmanagement

Auch im Wissensmanagement braucht die Künstliche Intelligenz Input von Menschen. Wenn Menschen ihr Wissen nicht dokumentieren, gibt es auch kein Wissen, dass mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz gemanagt werden kann. Im Gegensatz zu Künstlern müssen Wissensarbeiter aber gefragt werden, ob sie ihr Wissen zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu Kunstschaffenden haben Wissensarbeiter die Möglichkeit darüber nachzudenken, ob sie ihr Wissen zur Verfügung stellen wollen. Sie können sich intensiv mit Fragen wie

„Habe ich überhaupt noch einen Job, wenn ich mein Wissen in meinem Unternehmen digitalisiere?“

beschäftigen, bevor sie ihr Wissen digitalisieren.

Nun können Unternehmen die Beantwortung der Frage unseren Wissensarbeitern überlassen. Sie können sich darüber wundern, dass die einen ihr Wissen gern digitalisieren und die anderen sich weigern. Oder sie können faire Strukturen schaffen, die es für Wissensarbeiterinnen attraktiv machen ihr Wissen zu digitalisieren.

2 Menschen. Ein Mensch erzählt. Der andere, man schaut auf die Hand des erzählenden Menschen.
Du hast mehr Freizeit und verdienst mehr Geld. Wie klingt der Deal für Dich?

Strukturen, bei denen jene die ihr Wissen digitalisieren genauso dauerhaft von den digitalisierten Wissensschätzen profitieren, wie das Unternehmen, dass auf dieses Wissen zugreift. Strukturen, die es in ähnlicher Form in der freien Wirtschaft dank Anbietern wie VG-Wort bereits gibt.

Was wäre zum Beispiel, wenn die Person, die eine FAQ im Intranet verfasst hat, jedes Mal 5 Euro bekommt, wenn diese FAQ gelesen und aufgerufen wird? Müsste sich die Person dann noch Sorgen darum machen, dass Ihr Unternehmen sie irgendwann nicht mehr braucht? Oder würde sie nun Wissen generieren, um irgendwann an den Punkt zu kommen an dem ihr Wissen so viel Einkommen erzeugt, dass sie nicht mehr arbeiten muss?

Meine mathematischen und unternehmerischen Fähigkeiten sind nicht ausgereift genug, um hier mal schnell ein faires Pricing für das Wissenteilen im eigenen Unternehmen locker aus dem Ärmel zu schütteln. 

Fazit

Ich liebe Kunst und ich liebe Wissen. Ich bin begeistert von den Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz in beiden Bereichen schafft. Ich bin dafür, dass wir die Sache mit der Künstlichen Intelligenz weiter vorantreiben. Doch lasst uns bei diesem Vorantreiben ab und an innehalten und auf den Menschen schauen. Wir können Regeln erschaffen, die Kunstschaffende dazu motivieren keine Kunst mehr zu schaffen. Wir können Regeln erschaffen, die Wissensarbeiterinnen dazu motivieren ihr Wissen zu schützen. Oder wir können Regeln schaffen in denen sowohl Schaffende als auch Nutzende von den rasanten Entwicklungen in der KI profitieren. Es ist an uns und daher geben ich nun die heutige Frage an Dich weiter: Was braucht es Deiner Meinung nach, damit Künstliche Intelligenz im Wissensmanagement fair ist?

30. September 2026
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Buchcover zum Beitrag
Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Autor
Eine nachdenkliche Glühbirne.
6,5 min readCategories: Bücher, Wissen

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Buchcover zum Beitrag

Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.

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30. September 2026
Eine Waage wiegt 2 Sprechblasen gegeneinander ab.Weißt Du, woher der Begriff Salienz kommt?
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