Warum werden Menschen von Pontius nach Pilatus geschickt?
Heute geht es um eine Redewendung, die mir schon das ein oder andere Mal begegnet ist. Zudem habe ich den leisen Verdacht, dass mir zumindest einer der beiden Begriffe im Rahmen meines Studiums schon mal begegnet ist. Doch wie so oft weigern sich meine grauen Zellen, Wissen herzugeben, dass ich seit über einem Jahrzehnt nicht aktiv abgefragt habe.

Somit starten wir heute mit dem Wissen über die Redewendung, dass uns der Autor
Martin Lindstrom: Plädoyer für den gesunden Menschenverstand
in seinem Buch an die Hand gibt. Martin schreibt nicht nur Bücher, er hält auch Vorträge, für die er bezahlt wird. Die Seiten 124 bis 128 widmet er der Schilderung eines Zahlungsprozesses, bei dem zwischen Rechnungsstellung und Zahlung durch den Kunden 4 Monate vergingen. Um die Reise zu beenden, entschied Martin sich, seinen Anwalt in den Prozess mit einzubinden, was dazu führte, dass die Rechnungen binnen zwei Tagen beglichen wurden. Da ich wenig Freude daran habe, den ganzen Prozess hier zu schildern, gebe ich an dieser Stelle nur den Part wieder, in welchem Martin unsere heutige Redewendung verwendet:
„Offenbar war es seit langem bei FoodaCo üblich, die Bankangaben von zwei unabhängig voneinander agierenden Mitarbeitern bestätigen zu lassen (dabei hatte FoodaCo erst fünf Monate zuvor eine andere Zahlung an uns geleistet). Es wirkte, als schickte man uns wieder von Pontius zu Pilatus.“
S. 127f.
Nachdem wir nun wissen in welchem Kontext die Redewendung bei Martin auftaucht, ist es nun für uns an der Zeit, unser Lexikon nach deren Bedeutung zu fragen.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon verrät uns, dass Pontius und Pilatus der Vor- und Nachname einer einzigen Person sind.
Pilatus, Pontius, fünfter röm. Statthalter von Judäa (26-36 n.Chr.), † möglicherweise durch Selbstmord 39 n. Chr.; beteiligt an der Hinrichtung Jesu; wegen seiner despot. und antijüd. Amtsführung auf Verlangen der Juden abberufen. Ein Inschriftfragment aus Caesarea (Israel) trägt seinen Namen.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 11, S. 355.
Pon|ti|us: in der Wendung von P. zu Pilatus laufen (ugs.; in einer Angelegenheit viele Wege machen müssen, von einer Stelle zur andern gehen bzw. geschickt werden; eigtl. = von Herodes zu Pontius Pilatus laufen, nach Luk. 23, 7 f.; später alliterierend umgestaltet nach dem Namen des röm. Statthalters Pontius Pilatus [gest. 39 n. Chr.] im damaligen Palästina).
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1780.
Dank unseres Lexikons wissen wir nun auch, dass Pontius Pilatus ein römischer Statthalter war. Zudem haben wir erfahren, dass die Redewendung ursprünglich „von Herodes zu Pontius Pilatus laufen“ lautete.

Damit hat uns unser Lexikon neben einigen Antworten auch einige neue Fragen geschenkt, wie zum Beispiel „Wer war Herodes?“ Da ich zu faul bin, erneut zu meinem Bücherregal zu laufen, werden wir nun das Internet um weitere Antworten bitten.
Was das Internet sagt
Die Webseite der Freien Universität verrät uns in einem sehr ausführlichen Beitrag über Herodes unter anderem, dass er
- 73 vor Christus in Idumäa geboren wurde,
- 40 vor Christus von den Römern zum König ernannt wurde und bis 4 vor Christus regierte,
- seine Frau und seine Söhne hinrichten ließ,
- laut dem Evangelium des Matthäus alle Knaben im Alter von zwei Jahren und darunter töten ließ, um den neugeborenen König der Juden zu beseitigen (was der historische Herodes nicht tat).
Herodes war also ähnlich unsympathisch wie Pontius und Ersterer verstarb einige Jahrzehnte vor Letzterem.
Die Webseite Kirche+Leben verrät uns, den Ursprung des Herumlaufens der beiden Redewendungen:
„Laut den Evangelien wird Jesus zunächst vor den Hohen Rat, eine Art oberste Religionsbehörde der Juden, gestellt. Dann wird er für einen Prozess zu Pilatus gebracht, der ihn nach Darstellung einiger Evangelisten auch noch zu Herodes Antipas schickt.“
Fazit
Wir haben nun eine bessere Vorstellung davon, was es mit unserer heutigen Redewendung auf sich hat. Da ich nicht religiös bin und nicht religiös erzogen wurde, bin ich immer wieder irritiert, wie stark religiöse Anspielungen in unserer Sprache verwoben sind, die ich aufgrund meiner Unwissenheit nicht erkenne. An Tagen wie heute frage ich mich gern, ob ich all dieses Wissen im Religionsunterricht erworben hätte, den ich damals zu meiner großen Freude nie besuchen musste. Ich habe die damit verbundenen Freistunden immer sehr genossen. In diesen konnte ich einfach entspannen und wurde von Niemandem von Pontius nach Pilatus geschickt.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Wann musstest Du das letzte Mal von Pontius nach Pilatus laufen?
Lesedauer & Kategorie
Schnellnavigation
Buchcover zum Beitrag

Werbung
Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
Schlagwörter
Autor
Buchcover zum Beitrag

Schlagwörter
Datum & Autor
Kommentiere den Beitrag
Was passiert nach Deinem Kommentar?
Nachdem Dein Kommentar durch uns geprüft wurde, wird er freigegeben* und erscheint unter diesem Beitrag zusammen mit dem von Dir angegebenen Namen. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient uns an dieser Stelle in erster Linie zum Schutz vor Spam. Wenn Du Deine E-Mail-Adresse nicht hier angeben möchtest, kannst Du den Kommentar auch gern auf einem unserer Social Media Profile posten.
*Spam und Kommentare, die nur einen Backlink für die eigene Seite zum Ziel haben, werden einfach gelöscht. Nimm gern Kontakt mit uns auf und lass uns die Möglichkeiten eines Sponsored Post besprechen, wenn Du gern einen thematisch passenden Backlink unter einem bestimmten Beitrag platzieren möchtest.





Die Wrong Answers zu diesem Beitrag findest Du auf
https://x.com/steinbg/status/2102608712410226841?s=20
https://lnkd.in/p/da7sWv-B